Weltweit

Studentinnen, die stiften gehen

Was als kleines Hilfsprojekt während eines Freiwilligendienstes in Ghana begann, war die Initialzündung zur Übernahme von gesellschaftlicher Verantwortung: Drei junge Studentinnen gründeten ihre eigene Stiftung, um Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten

"Home for Hope", die Kids tragen die Kappen ihres neuen Heims voller Stolz© privat
"Home for Hope", die Kids tragen die Kappen ihres neuen Heims voller Stolz

Ursprünglich haben Katrin Bachleitner, Carolin Hoffmann und Larissa Zwingel einen anderen Plan, als sich ihre Wege zufällig im kleinen Dorf Gomoa Tarkwa im Süden Ghanas kreuzen. Mit dem Abschluss in der Tasche, wollen die drei jungen Frauen aus Süddeutschland im Sommer 2012 „für einige Zeit ins Ausland gehen, Abenteuer erleben, dabei auch etwas Sinnvolles tun und das war’s dann“, wie es die 21-jährige Larissa Zwingel aus Nürnberg formuliert.

Ein Freiwilligendienst in einem Waisenhaus in Ghana erscheint allen dreien unabhängig voneinander als der richtige Weg, ehe sie im Studium durchstarten wollen. Doch was bei dem Gros der Gleichaltrigen für gewöhnlich mit dem „und das war’s dann“ endet, ist für die drei jungen Frauen die Initialzündung zur Übernahme von gesellschaftlicher Verantwortung.

Erster Schritt: Spenden sammeln

Denn das, was sie vor Ort in Ghana erleben, lässt ihnen keine Ruhe. Es fehlt an vielem: Schulgelder können nicht bezahlt werden, eine einzige Frau muss für alle Kinder sorgen, vom Säugling bis zum Teenager müssen alle gemeinsam in einem Raum auf alten Matratzen am Boden schlafen.

An diesen Zuständen wollen Katrin, Carolin und Larissa etwas ändern. Die jungen Frauen beginnen neben ihres Engagements vor Ort, auch zu Hause Spenden zu sammeln. Doch damit nicht genug. Mit der Idee im Kopf, etwas Nachhaltiges schaffen zu wollen, erinnern sie sich an ein bereits abgestecktes Grundstück, auf dem der dringend benötigte Neubau des Waisenhauses „Home for Hope“ seinen Platz finden soll und werden kurzerhand selbst zu Bauherrn, kaufen Zement und Steine.

Larissa Zwingel möchte als Stifterin den Kindern eine gute Zukunft ermöglichen© privat
Larissa Zwingel möchte als Stifterin den Kindern eine gute Zukunft ermöglichen

Der ideale Weg, wohltätige Zwecke zu unterstützen

Als das halbe Jahr vorüber und Katrin zurück in Rosenheim, Carolin in Aalen und Larissa wieder in Nürnberg ist, steht der Rohbau des Waisenhauses zwar, ihr Projekt lässt sie jedoch nicht mehr los. Im September 2013 reisen Carolin und Larissa schließlich erneut nach Ghana, um mit den inzwischen in Deutschland gesammelten Spenden den Bau weiter voranzubringen.

Mit Erfolg: Im Januar 2014 sind die 40 Kinder in ihr neues Zuhause eingezogen. Die drei jungen Frauen planen zu diesem Zeitpunkt bereits den nächsten Schritt. In ihrem zwischenzeitlich begonnenem Studium der Kulturwirtschaft in Passau hört Larissa Zwingel von der Möglichkeit einer Stiftungsgründung, zur Unterstützung wohltätiger Zwecke.

„Wir hatten uns ohnehin schon lange den Kopf darüber zerbrochen, wie wir unser Engagement in organisierte Bahnen lenken können“, sagt sie. Dieses sei – angefangen von der Kontoführung über die Buchhaltung bis hin zur Frage nach der Organisationsform - zunehmend komplizierter und damit schwieriger zu handhaben geworden.

Die Häuser stehen – die größte Hürde haben die Studentinnen damit genommen© privat
Die Häuser stehen – die größte Hürde haben die Studentinnen damit genommen

Von der Möglichkeit, eine Stiftung zu gründen, kommen sie nicht mehr los. „Uns hat die Idee fasziniert, auf diese Weise unser gemeinnütziges Engagement letztlich für die Ewigkeit festigen zu können“, sagt Larissa Zwingel. Die nur logische Konsequenz: Im Februar des vergangenen Jahres gründen die Studentinnen schließlich ihre eigene Stiftung „Home for Hope“.

Das Prädikat „Stiftung“ soll den Jungstifterinnen dabei helfen, auch bei großen Unternehmen die Spendenschatullen zu öffnen. Den Bau eines neuen Trinkwasserbrunnens und die Anschaffung einer Wasseraufbereitungsanlage konnten sie auf diese Weise bereits in die Tat umsetzen. Gemeinsam mit einer schwedischen Partnerorganisation wollen sie nun die Stromversorgung des Waisenhauses mit Solarenergie sicherstellen.

„Es ist nur fair, ein wenig von unserem Wohlstand abzugeben“
„Uns geht es vor allem darum, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten“, sagt Larissa Zwingel. Mittels ihres Engagements wollen sie dafür vor Ort Rahmenbedingungen schaffen. Dauerhaft in Strukturen fremder Länder einzugreifen habe schließlich für alle Beteiligten nicht viel Nutzen.

Nächster Schritt: Es sollen Obst- und Gemüse angebaut werden© privat
Nächster Schritt: Es sollen Obst- und Gemüse angebaut werden

Im Sommer geht es deshalb erneut nach Ghana. Der Kauf des Grundstücks, auf dem sich das Waisenhaus befindet, steht an. Darauf soll künftig durch Obst-, Gemüseanbau und Viehzucht auch die Selbstversorgung des Waisenhauses gefördert werden. „Das Waisenhaus wäre somit größtenteils unabhängig von Preiserhöhungen und externen Geldgebern“, sagt Larissa Zwingel. Durch den Verkauf von überschüssigen Ernteerträgen könnten darüber hinaus auch eigene Einnahmen erwirtschaftet werden.

„Es ist es nur fair, wenn wir ein wenig von unserem Wohlstand abgeben, damit Menschen anderswo auch daran teilhaben können“, sagt Larissa Zwingel. Gerade ihre Generation reise zwar heutzutage überall hin, aber wirklich über den eigenen Tellerrand würden die meisten dabei leider nur selten blicken.

Michael Kniess

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