Interview

"Alles ist möglich, wenn wir die Angst verlieren"

Wolfgang Maly betet und meditiert mit schwerkranken Menschen – mit teils verblüffenden Ergebnissen. Im Interview spricht er über unseriöse Berufsgenossen, die Gefahr, zum Guru gemacht zu werden und darüber, dass Heilung nicht unbedingt körperliche Besserung einschließen muss

Wolfgang Maly berührt beim Gebet die Patientin© Droemer-Knaur Verlag

stadtgottes: Herr Maly, es soll ja sogenannte Heiler geben, die alles andere als heilsam für ihre Patienten sind, weil sie sie um Hab und Gut bringen oder sie von ihren Familien und Ärzten entfremden. Verstehen Sie, dass ich skeptisch war, als ich erstmals von Ihnen gehört habe?
Wolfgang Maly: Natürlich. Zu mir kamen schon Menschen, die solche Dinge hinter sich haben. Einer Frau wurde von einem selbst ernannten Geistheiler erklärt, sie müsse von bösem Karma befreit werden, das aus vier früheren Leben stamme. Er „reinigte“ sie in vier Sitzungen für die er je 1500 Euro berechnete. Weil es solche Geschichten gibt, wurde ich beispielsweise im Klinikum rechts der Isar in München zu einem intensiven Gespräch mit dem Krankenhausseelsorger gebeten. Erst danach bekam ich grünes Licht für meine Gruppenmeditationen dort.

Sehen sie sich selbst als Heiler?
Vorrangig sehe ich mich als Meditations-Therapeut und Seelsorger. Ich zeige den Menschen einen Weg auf, den ich selbst gegangen bin, und ich helfe ihnen, mit ihrer Angst und ihren Seelennöten klar zu kommen. Das setzt selbstverständlich voraus, dass ich ihnen keine Verhaltensmaßnahmen aufdränge und ihre Situation nicht ausnutze.

Haben Sie das, was Paulus im Korintherbrief als das Charisma, Kranke zu heilen, bezeichnet?
Ich bin davon überzeugt, dass in jedem von uns alle Geistesgaben, von denen Paulus spricht, grundgelegt sind. Allerdings wissen wir nicht, über welche Gabe wir hauptsächlich verfügen, bevor wir es ausprobiert haben. Erst im Tun können wir erfahren, wie wir eine Gabe einsetzen und entwickeln können. Denken Sie nur an das diakonische Charisma: Diakonie ist doch auch etwas, das sich erlernen lässt.

Wann haben Sie Ihr Charisma bei sich entdeckt?
Ich kann es Ihnen nicht im Detail sagen. Andere haben es bei mir entdeckt und ich habe es angezweifelt, bis ich selbst krank wurde und die Kraft des Gebets am eigenen Leib erfahren habe. Wir müssen die Liebe Gottes an uns selbst erfahren. Sonst bleibt das, was andere uns predigen, an der Oberfläche.

Wolfgang Maly© Dimitro Davies

Das klingt, als würden Sie die Liebe Gottes mit körperlicher Heilung gleichsetzen. Liebt Gott einen Menschen, der nicht wieder gesund wird, nicht?
Nein, das wäre ein ganz falscher Schluss. Die körperliche Heilung ist erst der zweite Schritt. Zuerst einmal schenkt uns Gott im Gebet und in der Maly-Meditation Geborgenheit. Dieses Wissen, in Gottes Hand zu sein, nimmt uns die Angst, die unser Leben zur Hölle machen kann. Damit ist das Wesentliche schon passiert. Ich bekomme viele Rückmeldungen, die mir zeigen: Auch wenn sich eine Krankheit nicht zum Guten wendet, können Patienten bis zu ihrem Tod noch eine unwahrscheinlich glückliche Zeit haben. Und was die körperliche Heilung anbelangt: Ich kann sie den Menschen nicht versprechen, aber ich kann ihnen in Aussicht stellen, dass alles möglich ist, wenn sie die Angst verlieren.

Wer sucht eigentlich Hilfe bei Ihnen?
Es sind Menschen aus allen Gesellschaftschichten. Vorwiegend Krebspatienten, aber auch Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen, multipler Sklerose, Alzheimer oder Parkinson.

Hatten Sie auch schon mit Menschen zu tun, die vor allem die exotische Erfahrung, die Begegnung mit dem vielgepriesenen Wunderheiler suchten?
In gewisser Weise. Es kommen auch schon mal Leute zu mir – üblicherweise sind es Frauen, deren Kinder erwachsen sind und die einige Esoterik-Erfahrung mitbringen – die in erster Linie auf der Suche nach einem Guru sind. Das meine ich nicht wertend. Jeder, in den andere Menschen gewisse Hoffnungen setzen, sei es ein namhafter Arzt oder ein begnadeter Prediger, gerät in Gefahr, zum Guru zu werden. Diesen Männern oder Frauen werden dann regelrecht übermenschliche Eigenschaften zugesprochen. In bestimmten Situationen brauchen Menschen das, doch ich halte es auch für gefährlich. Die gleiche falsche Überhöhung ist im Spiel, wenn sich Katholiken radikal von ihrer Kirche, von ihrem Glaubensfundament abwenden, nur weil sie vom menschlichen Versagen einzelner Priester erfahren haben. Auch ein Geistlicher ist nur ein Mensch.

Was tun sie, wenn Sie zum Guru gemacht werden?
Meine Aufgabe ist es dann, dem Patienten, der Patientin klar zu machen, dass er oder sie selbst genauso begnadet, genauso besonders ist, und dass es nur darum geht, die grundgelegte Gabe zu entwickeln.

Wo Sie gerade die Esoterik erwähnt haben: In welcher Form begegnet sie Ihnen?
Religions-Hopping trifft es vermutlich am ehesten: Die Menschen sind permanent auf der Suche nach Antworten, die sie in unterschiedlichsten Glaubensüberzeugung und spirituellen Strömungen zu finden hoffen. Häufig sind es Bruchstücke fernöstlicher Religionen, zum Teil belastende Elemente, die hängenbleiben. Der Karma-Gedanke beispielsweise, der beinhaltet, dass ich für Dinge büßen muss, die ich in diesem oder in einem früheren Leben falsch gemacht habe.

Wie gehen Sie mit solchen Vorstellungen um?
Der eingangs erwähnten Frau habe ich gesagt: Sie sind doch Christin, oder? Jesus ist für unsere Sünden gestorben. Sie sind erlöst. Als Christin stellt sich Ihnen die Frage nach Ihrem Karma nicht.

Dass spirituelle Menschen offen für Ihre Meditation sind, ist naheliegend. Wie sieht es mit Atheisten aus?
Ich treffe immer wieder auf Patienten oder deren Angehörige, die sich von der Kirche abgewandt haben. Manche sagen mir schon zu Beginn, dass sie sich selbst für ungläubig halten. Es freut mich besonders, wenn solche Menschen durch die Maly-Meditation mit einem geliebten Menschen die unendliche Liebe Gottes erfahren und fühlen. So tragen wir die Kirche in die Wohnung.

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Claudia-Marie Dambacher

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Leser-Kommentare

  • Renate Rothe
    13.01.2016 18:09 Uhr

    Ich meditiere mit der CD von W. Maly und erfahre dabei immer mehr die Liebe Gottes. Ich habe CML (Leukämie) und in der Meditation öffne ich mich Gott, seinem Licht, seinem Geist, seiner Liebe. Dabei habe ich ein unbeschreiblich schönes Gefühl. Mit dieser Meditation ist mein Glaube immer fester geworden. Die Kirche ist in meine Wohnung gekommen, wie Sie geschrieben haben. Sich Gott anvertrauen und sehen was passiert, ohne "ein Bild" vorher zu haben. Herr Maly ist in gewisser Weise ein "Jünger Jesu" und bringt Menschen durch das Erleben mit dieser Meditation zu Gott. Auch wenn ich außerhalb der Meditation im stillen Gebet "Gott" denke, durchflutet mich etwas Wunderbares. Durch die Meditation wurde mein Glaube an diese unbeschreibliche Macht (Gott) weiter gefestigt. Ich suche nicht nach Anzeichen von Heilung in meinem Körper. Ich habe Gott gefühlt und vertraue ihm. Und das ist besonders wichtig, wenn es uns gar nicht gut geht. Ich habe nicht mehr so viel Angst vor Schmerzen usw. und dafür danke ich Herrn Maly.

 
 

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Das Buch „Die Maly-Meditation – Wie Zuwendung heilen kann“ beinhaltet eine detaillierte Anleitung sowie eine geführte CD (erschienen im Droemer Knaur Verlag, ISBN: 978-3426657126, auch als Hörbuch). Angeleitete Meditationen bietet Wolfgang Maly kostenlos in Kirchen und Kliniken sowie bei Veranstaltungen an. Die Termine finden Sie unter www.maly-holistic-healing.de.

Gruppenmeditationen mit Einweisung und Begleitung können Sie über die Homepage zum Preis von 50 Euro pro Person buchen. Zu einer persönlichen Meditations-Sitzung mit Wolfgang Maly mit intensiver Gesprächsbegleitung können Sie bis zu drei Angehörige mitbringen. Die Einführungssitzungen dauern in der Regel zwei bis drei Stunden, Folgesitzungen eine Stunde. Die Kosten belaufen sich auf 225 Euro pro Stunde.