Gesellschaft

Der Schlüssel zu einem virtuellen Erinnerungsort

Von „geschmacklos“ bis „cool“ hat Andreas Rosenkranz über seine Idee schon alles gehört: Der Steinmetz aus Köln meißelt sogenannte QR-Codes in Grabsteine. Interessierte können den Code mit dem Handy scannen und erfahren so zum Beispiel mehr über den Verstorbenen

Steinmetz Andreas Rosenkranz zeigt einen QR-Code auf einem Grabstein© dpa/Henning Kaiser
Steinmetz Andreas Rosenkranz zeigt einen QR-Code auf einem Grabstein

Der Name, das Geburts- und Sterbedatum und vielleicht noch ein kurzer Spruch – mehr konnte man bisher auf Grabsteinen nicht über den Verstorbenen erfahren. Nach der Meinung von Steinmetz Andreas Rosenkranz könnte sich das aber bald ändern. Der Kölner meißelt schwarz-weiße Muster auf Grabsteine. Diese Muster sind eine Weiterentwicklung des Strichcodes und heißen „QR-Codes“.

Mit dem Smartphone scannt man den Code© dpa/Henning Kaiser
Mit dem Smartphone scannt man den Code

Die Abkürzung „QR“ steht für die englischen Wörter „Quick Response“, was übersetzt „schnelle Antwort“ heißt. Derzeit werden die Codes, die in Japan ursprünglich für die Lagerlogistik entwickelt wurden, hauptsächlich in der Werbung eingesetzt. Auch Zeitschriften und Zeitungen drucken das Symbol ab und bieten damit ein zusätzliches Angebot im Internet an. Um die QR-Codes lesen zu können, benötigt der Grabbesucher ein Smartphone und eine Anwendung zum Entschlüsseln des Codes.

„Ein QR-Code ist platzsparend und kann sehr ansprechend gestaltet werden", sagt Steinmetz Rosenkranz. Vor dem Hintergrund, dass es immer mehr Urnenbestattungen gibt und somit noch weniger Platz auf den Grabplatten, vielleicht ein Trend für die Zukunft. Hinter den Codes können sich eigens für den Verstorbenen gestaltete Seiten im Internet befinden oder Verlinkungen zu Fotos, Videos oder den Lieblingsstücken des Verstorbenen hinterlegt werden. Das bleibt den Hinterbliebenen selbst überlassen. So bleibt der Verstorbene für die Nachwelt im Internet erhalten.

Den ersten Grabstein mit einem solchen Code gibt es auf einem Münchner Friedhof. Auch nachträglich kann Andreas Rosenkranz noch Codes auf bestehende Grabsteine meißeln oder zusätzliche Stelen mit Codes anfertigen. Anfragen dazu gebe es bereits, sagte Andreas Rosenkranz.

Facebook Like aktivieren
 

Artikel kommentieren

977 - 8 =
 
 

0 Kommentare

 
 

Weitere aktuelle Beiträge

  • Der Clown in mir

    Pater Rüdiger Brunner SVD blickt nachdenklich auf die Figur des Clowns und erinnert an Oleg Popow, den wohl berühmtesten Clown der Geschichte

     
  • Weihnachtsfreude im Donbass

    Gegen seinen Willen wurde Aloys Pappert, der aus einer katholischen, das Naziregime ablehnenden Familie stammt, 1942 in die Wehrmacht Hitlers eingezogen. An der Front entging er mehrmals knapp dem Tod. Nach der Niederlage der Nazis wurde er in ein Kriegsgefangenenlager in der Sowjetunion gebracht, wo nur sein Glaube ihm half, die unmenschlichen Haftbedingungen zu überstehen. Doch der damals 20-jährige Mann wurde durch die Schwerstarbeit in den Kohleminen der Donbass-Region krank. Aber der Herr und die Heilige Jungfrau wachten über ihn. Eine Weihnachtserinnerung aus dem Jahr 1945.

     
  •  
  • "Gott treibt es auf die Spitze"

    Sind wir noch empfänglich für die Ankunft des Herrn? Wie wir unser Herz öffnen sollten und warum uns Psalm 113 dabei hilft, schreibt Pater Michael Kreuzer SVD in seinem Weihnachtstext

     
  • Der Armut entschieden entgegentreten

    Auf Initiative von Papst Franziskus begeht die katholische Kirche am kommenden Sonntag (19. November 2017) den ersten Welttag der Armen. Der Papst hat diesen Welttag zum Abschluss des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit verkündet. Er soll jährlich am Sonntag vor dem Christkönigsfest begangen werden.

     
  •