Kirche

Zwei Bischöfe gehen in „Reha“

Wer könnte es ihnen verübeln. Liborius und Kilian sind heilig und fast 800 Jahre alt. Außerdem haben sie seit 1815 ihren Platz über den Portaltüren des Paradiesportals am paderborner Dom nicht verlassen. Jetzt wurde es Zeit für eine Restauration

Eingebettet im Paradiesportal erscheinen die beiden Figuren überhaupt nicht so groß. Ihr Alter lässt sich allerdings erahnen© LenaReiher/Erzbistum Paderborn
Eingebettet im Paradiesportal erscheinen die beiden Figuren überhaupt nicht so groß. Ihr Alter lässt sich allerdings erahnen

Das Paradiesportal des Hohen Doms entstand in der Mitte und der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Die Entstehung der beiden Bischofsfiguren wird daher auch in dieser Zeit vermutet. Die Attribute der beiden hölzernen Dompatrone sprechen ebenfalls dafür. „Die Figuren sind aus einem Stamm gehauen, leicht ausgehöhlt, etwa drei bis acht Zentimeter dick“, beschreibt sie Restaurator Matthias Rüenauver. Wie groß die Figuren sind, erkennt man erst im direkten Vergleich mit Menschen. Für eine genaue Datierung der Figuren, erhoffen sich die Restauratoren in den Gewandfalten alte Farbrücktände zu entdecken. Die Abnahme der Figuren gestaltete sich schwieriger als erwartet, denn neben zahlreichen Schrauben, mit denen sie oberhalb der Portaltüren befestigt waren, war zudem ein versteckter Winkel angebracht, der die Dompatrone stütze. Nachdem dieser gefunden war, konnte zuerst die Figur des heiligen Liborius abgenommen werden. Beim Herunterheben fielen auch sofort einige hinter der Figur verborgene Schriftstücke zu Boden. Diese erwiesen sich jedoch als Opfertütchen aus dem Jahr 1968, die vermutlich bei früheren Arbeiten hinter die Figuren geschoben wurden. 

Zwei Meter groß und 80 Kilogramm schwer. Es war ein echter Kraftakt die "Bischöfe" von ihrem Platz zu holen© pdp/Lena Reiher
Zwei Meter groß und 80 Kilogramm schwer. Es war ein echter Kraftakt die "Bischöfe" von ihrem Platz zu holen

„Dass die Holzfiguren ihren angestammten Platz vorübergehend verlassen, geschieht im Zuge der Umgestaltung des Paradiesportals des Hohen Doms“, erklärte Dompropst Monsignore Joachim Göbel. Das Portal wird künftig stufenlos und somit barrierefrei erreichbar sein: Über eine Rampe, die die gesamte Breite des Paradiesportals umspannt, werden Fußgänger wie Rollstuhlfahrer die Paderborner Bischofskirche gleichermaßen bequem erreichen können. Bis jetzt ist die Paderborner Bischofskirche an allen Eingängen nur über Stufen zu betreten. 


„Die Umgestaltung sieht zudem vor, dass sich eine der Portaltüren automatisch öffnen lässt und die beiden hölzernen Windfänge im Innern des Domes durch gläserne ersetzt werden. Zudem wird das Paradiesportal in Zukunft mit einem Gitter zu verschließen sein, damit die Figuren vor allem in der Nacht sicher sind“, sagte Diözesanbaumeisterin Emanuela von Branca. Das Besondere des Paradiesportals ist, dass es den Dom zur Stadt hin öffnet. Ehemals war die Paderborner Bischofskirche nur von Westen zu betreten, mit der Entstehung des Paradiesportals wurde es ein Gotteshaus für die Bürger Paderborns.

Ob die Heiligenfiguren neue Erkenntnisse in sich bergen, werden die weiteren restauratorischen Untersuchungen zeigen. „Wir sind gespannt, welche Geheimnisse Liborius und Kilian uns noch offenbaren werden“, zeigt sich Diözesanbaumeisterin von Branca neugierig.

Tobias Böcher / pdp/Lena Reiher

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