Steyler Welt

Hoffen auf ein Wunder

Auf den Straßen herrscht die Gewalt. Todesopfer werden beklagt. Seit Wochen protestieren die Menschen auf Venezuelas Straßen für ihr Recht auf Demokratie. Auch die Steyler leiden unter der Situation

Ein ungleicher Kampf. Ein Demonstrant streckt der Staatsmacht die Landesflagge entgegen© gettyimages
Ein ungleicher Kampf. Ein Demonstrant streckt der Staatsmacht die Landesflagge entgegen

Seit 2008 arbeiten die Steyler Missionare in der Pfarrei San Isidro in Maracaibo in Venezuela. Schon von Beginn an war es nicht einfach. Die Währung des Landes hat in den letzten Jahren massiv an Kurswert eingebüßt, aber so schwierig wie heute war die Situation noch nicht. Seit Präsident Maduro vor wenigen Wochen das Parlament entmachtet hat und faktisch in Alleinherrschaft regiert, gibt es jeden Tag Proteste auf Venezuelas Straßen. Besonders betroffen davon ist die Hauptstadt Caracas. Doch auch in den ländlichen Provinzen spüren die Menschen die Auswirkungen.

Die Steyler leiten eine große Pfarrei mit mehr als 40 Gemeinden. Dies ist für die drei Steyler vor Ort eine Mammutaufgabe, die sie nur mit Ehrenamtlichen bewerkstelligen können. „Diese fühlen sich von der Situation bedroht und müssen ihre Freizeit damit verbringen, Nahrungsmittel zu suchen“, sagt der aus Polen stammende Steyler Pater Pedro Karolewski. „Die Supermärkte sind wie leer gefegt und grundlegende Hygieneartikel und Nahrungsmittel sind so gut wie nicht mehr zu bekommen.“ Auch in den Krankenhäusern und bei örtlichen Krankenstationen fehlt es an Medikamenten und allem, was man für eine Behandlung von Patienten benötigt.

In langen Schlangen warten die Menschen vor den Supermärkten, deren Regale wie leer gefegt sind© SVD
In langen Schlangen warten die Menschen vor den Supermärkten, deren Regale wie leer gefegt sind

Probleme an den Grenzübergängen
Venezuela gehört zur Steyler Provinz Kolumbien. Der Provinzial, Pater Emigdio Cuesta Pino, ist froh, dass die Steyler in diesem Konflikt noch nicht zwischen die Fronten geraten sind. „Die Menschen hier fühlen alle eine große Solidarität mit uns als Ordensleute, daher sind wir nicht mehr betroffen als die normale Bevölkerung auch“. Und doch ist es im Moment besonders schwierig, wenn man die Grenze von Kolumbien nach Venezuela oder in die andere Richtung überqueren muss. Die Kontrollen werden immer mehr zur Schikane. „Wenn sich die Situation verschlimmert, müssen wir überlegen, unsere Mitbrüder aus Venezuela abzuziehen“, sagt Pater Pino.

Vor Ort versuchen die Steyler, die Menschen als Gemeinschaft zusammenzubringen. Venezolaner, indigene Einheimische, aber auch Kolumbianer und sonstige Migranten. Sie alle leben in der Pfarrgemeinde der Steyler. Die Missionare bieten dazu ein Bibelprojekt für alle an. „Seit die Situation eskaliert ist, kommen auch hier immer weniger Menschen“, sagt Pater Karolewski. Die Bevölkerung hat Angst, dass in ihrer Abwesenheit ihre Wohnung ausgeräumt wird oder sie unterwegs ausgeraubt werden. Alle versuchen irgendwie zu überleben. „Als Steyler Missionare begleiten wir das Volk mit dem Evangelium in diesen Zeiten voller Ungerechtigkeit“, sagt Pater Karolewski.

Pater Karolewski mit einheimischen Indigenen in Venezuelazoom© SVD
Pater Karolewski mit einheimischen Indigenen in Venezuela

Das beste wären freie Präsidentschaftswahlen
Und die Ungerechtigkeit breitet sich weiter aus. Um gegen die Proteste vorzugehen, bewaffnet Maduro Milizen. Diese bestehen zum Teil aus skrupellosen, verurteilten Sträflingen, die einzig für den Straßenkampf aus den Gefängnissen entlassen wurden. Das sind keine guten Aussichten. Der Provinzial sagt: „Die Chancen auf eine Verbesserung der Lage sind in weite Ferne gerückt, aber wir beten und hoffen, dass Wunder existieren.“ Pater Karolewski ist wie viele andere ebenfalls der Überzeugung: „Die beste Option wäre, wenn es bald zu freien Präsidentschaftswahlen käme.“

Tobias Böcher

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Leser-Kommentare

  • Hoffmann Ursula
    06.06.2017 19:51 Uhr

    Ich habe 10 Jahre in Venezuela gearbeitet und verfolge seit Monaten die Situation. In Maracaibo
    und leben die Guajiros. Noch heute habe ich Wandteppiche von ihnen.
    In Caracas leben noch Freunde von mir und die Situation ist wirklich schlimm. Im Moment bin ich allerdings "abgelenkt", meine Mutter ist an Pfingssonntag verstorben.

 
 

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