Fasten ist mehr als eine Wellness-Veranstaltung, um ein paar Pfunde abzunehmen. Denn was nützt es, schlank zu sein und gesund zu leben, wenn ich nicht weiß, warum ich lebe?
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Fasten: warum, wann, wie und wozu? Wer fastet, tut gut daran, sich diese Fragen zu stellen. Jedes Fasten, auch das wiederholte, hat sein eigenes, spezielles Gesicht. Fasten ist nicht etwas Selbstverständliches, es sollte keine Routine sein. Ich faste, weil ich wieder auf den Geschmack kommen will, den Geschmack am Essen - und am Leben. Genussvolles Essen ist an und für sich nichts Schlechtes. Eher problematisch ist die unbewusste, die hastige Nahrungszufuhr. Sie gefährdet die Esskultur. Früher gab es in der Kirche das Pflichtfasten mit Vorschriften, Verboten und Appellen einerseits und einem ausgeklügelten System von Ausnahmemöglichkeiten und Befreiungen andererseits. Diese Art von Fasten ist - Gott sei Dank - tot. Unter Zwang und Freudlosigkeit gedeiht diese Übung nicht. Fasten lebt vom freien Entschluss, etwas Mutiges zu tun und bewusst zu verzichten. |
Die vorösterliche Fastenzeit hat in den Kirchen eine neue Bedeutung erhalten. Sie ist eine Einladung, sich fastend zu besinnen und neu zu orientieren. Wie faste ich? Für mich ist Fasten eine ganzheitliche Übung. Die Stille spielt dabei eine wichtige Rolle.
Der Arzt und Fastenpionier Otto Buchinger meint dazu: "Fasten ist im Wesentlichen eine Sache der Abgeschiedenheit und der Stille." Drei Aspekte prägen das Fasten: Erstens der Verzicht auf feste Nahrung über einen Zeitraum von einigen Tagen bis zwei Wochen, zweitens eben die Stille und das Gebet und drittens die Solidarität mit den Mitmenschen und der Welt. Als "Hungernden" empfinde ich mich nicht. Ich habe viel eher das Gefühl, dass ich mich aus dem eigenen Depot ernähre.
Mein Körper schaltet von der äußeren auf die innere Ernährung um. Ich bete auch nicht auf Teufel komm raus. Durch das Umschalten spüre ich, wie ich mehr und mehr zu mir selbst finde, wie ich das Gerede, Getue und Gehabe hinter mir lasse. Von da bis zum Beten ist es dann nur noch ein kleiner Schritt. Fasten ist also ein ganzheitliches Geschehen, das mich für spirituelle Einsichten öffnet. Fitness als vorrangiges Ziel genügt mir nicht. Was nützt es, schlank zu sein und gesund zu leben, wenn ich nicht weiß, warum ich lebe? Auf keinen Fall darf mich das Fasten grantig und unausstehlich machen.
Ein Fasten, das mich nicht offener und umgänglicher macht, kann mir gestohlen bleiben. Ich faste jeweils nach der Buchinger-Methode. Auf dem Speisezettel stehen Tee, Gemüsesaft oder -brühe sowie Obstsaft und Mineralwasser. Angezeigt sind sorgfältige Mund- und Hautpflege, Spaziergänge an der frischen Luft - getreu dem Rat von Gandhi: "Bade in der Morgenluft." Beim letzten Fasten erlebte ich einmal mehr die Wirkungen dieser heilsamen Übung am eigenen Leib: "Entschleunigung" zu Beginn durch Innehalten, vom Alltagstempo runterkommen, Atem holen.
Dann in aller Ruhe eine Standortbestimmung vornehmen. In der Folge merkte ich: Diesen Konflikt, den ich in mir trage, möchte ich bis Fastenende lösen, ein notwendiges Gespräch will ich angehen, mein Essverhalten und meinen Fernsehkonsum überdenken. In diesem Innehalten stellte ich die zentrale Frage: Wie finde ich mehr Lebensqualität, sprich mehr Freude, für mich und andere?
März 2010
Natürlich können wir die Fastenzeit nutzen, um abzunehmen und gesünder zu leben. Wir können uns in den sieben Wochen aber auch solidarisch zeigen mit den Menschen, die ums nackte Überleben kämpfen. stadtgottes-Mitarbeiter haben das versucht
Grundschule – lernen, spielen, träumen? Nicht mehr: Inzwischen regiert auch hier Stress pur. Viele Eltern wollen ihre Kinder unbedingt auf Gymnasium bringen – notfalls mit Nachhilfe. Aus Angst, dass sonst nichts aus ihnen wird. Ein Plädoyer, die Sommerferien trotzdem zu genießen.