Steyler-Welt

Im Urlaub sind die Herzen offen

Damit in den Ferien auch die Seele Ruhe findet: Auf den Nordsee-Inseln Sylt und Helgoland kümmern sich drei Steyler Schwestern und ein Pater nicht nur um die wenigen Katholiken, sondern vor allem um Touristen, die mehr als nur Sand und Sonne suchen

Aurora-Sylt/Georg Supanz
Kaltes Wasser schwappt an die hochgekrempelten Hosenbeine, Wind zerrt an der Jacke, ein Salzfilm legt sich aufs Gesicht - eigentlich nicht die besten Voraussetzungen, um glücklich zu sein. Oder etwa doch? Tatsächlich spiegeln die Mienen der Touristen, die sich gerade am Strand von Westerland auf Sylt nasse Füße holen, tiefe Zufriedenheit wider. Ein gutes Dutzend hat sich heute früh hier versammelt: zum Morgengebet am Strand mit der Steyler Schwester Francisca. Während sie aus dem Gotteslob "Der Geist des Herrn erfüllt das All mit Sturm und Feuersgluten" intoniert, schaut die bunt gekleidete Schar hinaus aufs Meer und singt dann aus voller Brust mit.

"Im Urlaub sind die Menschen offener, gelassener, haben Zeit nachzudenken, zur Ruhe zu kommen und sich wieder mit Gott zu beschäftigen", weiß die 67-jährige Ordensschwester. Der Stellenwert der Touristenseelsorge würde oftmals unterschätzt. Dabei sei sie ein wichtiges Standbein missionarischer Arbeit. "Hier finden viele den manchmal verschütteten Zugang zu Gott wieder." Über Angebote wie Morgengebete am Strand könne man Gläubige ohne lange Anlaufzeit erreichen. Das sei entscheidend. "In den Ferien ist die Zeit, um Kontakt zu den Menschen zu bekommen, viel kürzer als
in der Heimatgemeinde."

Bei Daniel Pfister hat es funktioniert. "Das hat gut getan, ich konnte die Natur ganz mit den Sinnen aufnehmen", schwärmt der 31-jährige Krankenpfleger aus Köln über die spirituelle Erfahrung am Meer, als die Gruppe später auf dem Rückweg ins Städtchen ist. Vor der Kirche St. Christophorus in Westerland trennen sich die Wege der Frühaufsteher wieder. Der moderne Bau ist die Hauptkirche der katholischen Pfarrei Sylt. Diese umfasst die ganze Insel, zählt aber gerade mal 1800 Mitglieder - bei insgesamt über 21 000 ständigen Inselbewohnern. "Wir leben in der Diaspora", schmunzelt Schwester Francisca und schließt das Pfarrbüro zu, in dem sie zusammen mit Pfarrer Dr. Ulrich Hoppe arbeitet, dem einzigen katholischen Geistlichen auf Sylt - neben elf evangelischen.


Juni 2011

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