Der Bischof chattet, der Abt twittert – die Kirche versucht, religiös Interessierte in „sozialen Netzwerken“ des Internets zu finden. stadtgottes-Redakteur Xaver Schorno hat sich im Schweizer Netz an ihre Fersen geheftet
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Steyler Online-Kapelle: Mit dem PC kann man am Grab Arnold Janssens virtuell eine Kerze entzünden oder ins Fürbittbuch schreiben. Übrigens: Am 15. August vor 150 Jahren wurde der Ordensstifter zum Priester geweiht
Live im Chat. "Klosterbruder" fragt: "Was hören Sie persönlich für Musik?" Bischof Markus schreibt zurück: "Ich höre hauptsächlich klassische Musik und freue mich auch immer wieder über die hervorragende Kirchenmusik in unserer Kathedrale." Und "Regi" meint: "Hallo, Bischof Markus, wie geht´s Ihnen nach so viel Gechatte?" Der Bischof verliert die Übersicht. Nach einer kurzen Pause meldet er sich zurück: "Hallo - ich bin noch da
und es geht mir gut. Wie geht es Ihnen?"
Solche und ähnliche Fragen beantwortete kürzlich der Schweizer Bischof Markus Büchel, 62, in seinem Chat auf kath.ch (katholischer Mediendienst). "Auch die Kirche muss das Internet nutzen", ist der Bischof von St. Gallen überzeugt. Er nennt E-Mail, SMS und Chatrooms. "Auf keinen Fall vorstellen kann ich mir aber die Sakramentenspendung, beispielsweise ein Beicht-Chat mit Absolution. Dazu gehört für mich das persönliche seelsorgerliche Gespräch", erklärt der Bischof in einer Mail. Genauso offen für die virtuelle Welt ist der 49-jährige Martin Werlen, seit 2001 Abt von Einsiedeln. Für ihn ist das eine einfache Logik: "Der Urauftrag der Kirche ist es, die Menschen da abzuholen, wo sie sind. Und heute sind die Leute im Netz." Klöster seien immer führend gewesen in der Kommunikation. "Ohne Klöster gäbe es kein Internet", sagt er kühn. So sei es nahe liegend, dass Klöster auch heute mitmachten und diese Kultur weitertrügen.
Abt Martin ist begeisterter Twitterer. Seit zwei Jahren "zwitschert" er täglich Botschaften an seine inzwischen über 2200 "Followers" (Twitter-Teilnehmende, die seine Nachrichten verfolgen). Die 140 erlaubten Zeichen erachtet er als optimal. "Wenn man eine theologische Frage oder einen theologischen Inhalt nicht in 140 Zeichen sagen kann, kann man es auch nicht in einem Buch von 200 Seiten. Wenn man es nicht auf den Punkt bringen kann, dann redet man drum herum."
Sozusagen an der Schaltzentrale der schweizerischen Internetseelsorge sitzt Hans Peter Murbach, 63 Jahre alt. Er ist seit 2004 Geschäftsleiter von "Das Netz, das hält", wie es auf der Homepage heißt. Gründervater war 1995 Jakob Vetsch, damals Pfarrer in Wartau-Gretschins im St. Galler Rheintal. Die von ihm ins Leben gerufene Internet-Seelsorge war weltweit die erste derartige Dienstleistung. Schon bei Pfarrer Vetsch gehörte der ökumenische Gedanke zum Konzept. Das ist bis heute so geblieben.
"Die Religionszugehörigkeit spielt bei uns absolut keine Rolle", hält Murbach fest. Getragen werde die Stelle gleichberechtigt von der katholischen und der reformierten Landeskirche der Schweiz. Die Angebote sind dreisprachig (Deutsch, Französisch und Italienisch), anonym und gratis. Die Zahlen und Statistiken belegen die Wichtigkeit der Einrichtung. Rund 60 000 Besucher zählte die virtuelle Anlaufstelle im letzten Jahr. Jährlich gibt´s 1500 Neukontakte. Ein Kontakt beinhaltet im Schnitt fünf bis sieben Mails - 100 können es auch einmal sein. Das ist aber die Ausnahme. "Wir sind darauf bedacht, keine Abhängigkeiten zu schaffen, wir wollen die Leute motivieren, einen Schritt vorwärtszu- gehen, etwa eine persönliche Beratung in die Wege zu leiten."
Zwei Psychologinnen sowie 30 Priester, Pastoralassistenten, Pfarrerinnen und Pfarrer - alle mit breit gefächerten Erfahrungen in der Seelsorge - bearbeiten die eingehenden Mails und SMS (Kurznummer "767"). Ehrenamtlich übrigens. Jeder Einzelne steht dafür durchschnittlich fünf Stunden pro Woche im Einsatz. Beziehungsprobleme stehen an erster Stelle. Weitere Themenkreise sind Minderwertigkeitsgefühle, Depressionen, Suizidgedanken, Sexualität, Schwangerschaft, Familie, Einsamkeit und Sucht.
Etwa fünf Prozent der Fragen beschäftigen sich mit Kirche und Glauben. Die in Zürich ansässige Internetseelsorge will helfen, aber nicht missionieren. Trotzdem vertritt sie einen klaren Standpunkt: Die Beratungen beruhen auf den christlichen Grundwerten. Murbach ist überzeugt: "Gott wohnt auch im Internet." Die Kirche müsse und solle in diesen Medien präsent sein. Dennoch: Virtuelle Kontakte könnten das persönliche Gespräch nicht ersetzen. Dessen müsse man sich bewusst sein. Ebenso sei eine zeitlich beschränkte Internet- Nutzung wichtig. Nicht geeignet für die Beratung findet Murbach Facebook, Twitter, Youtube und Chaträume.
"Ich betone: für die Beratung." Für die Bekanntmachung kirchlicher Angebote und in Verbindung mit Homepages machten diese Medien aber durchaus Sinn. Die Welt des Internets nutzen auch die Steyler Missionare. Seit Anfang dieses Jahres können Interessierte im Netz eine Online- Kapelle anklicken. Die Idee für das Projekt hatte Pater Manfred Krause, Rektor des Missionshauses St. Michael in Steyl. "Es gibt zahlreiche Menschen, die am Grab des heiligen Arnold Janssen, dem Gründer des Steyler Missionswerkes, eine Kerze anzünden oder ein Gebetsanliegen hinterlegen möchten.
Vielen ist der Weg nach Steyl aber zu weit." Die Online-Kapelle, so Pater Krause, löse dieses Problem perfekt. Und das Angebot wird genutzt. Schon in den ersten 100 Tagen klickten sich rund 14 000 Besucher aus über 80 Ländern an das Grab in Steyl. Zirka 10 000 Kerzen wurden angezündet, über 1200 Eintragungen sind im Anliegenbuch verzeichnet. Möglich ist dies in Deutsch, Niederländisch, Englisch, Spanisch und Französisch. Polnisch und Indonesisch sind in Vorbereitung.
Die Anliegen sind vielfältig. Burkhard hat für Opa Peter eine Kerze angezündet, Lili schreibt: "Lieber Gott, ich möchte Danke sagen, dass du so gut auf mich aufpasst." Und "CS" bittet: "Großer Gott, steh den Menschen in Japan bei, hilf ihnen und gib ihnen die nötige Kraft." Übrigens, zwei Tage lang brennt eine Kerze, dann macht sie Platz für eine neue. Und: Die im Anliegenbuch formulierten Wünsche und Gedanken tragen die Steyler Missionare in ihren Gottesdiensten zusätzlich vor Gott. "Unsere Idee geht auf: Menschen aus aller Welt beten mit- und füreinander", so Pater Manfred Krause.
Xaver Schorno
Links
CH: www.seelsorge.net
D: www.christliche-onlineberatung.de
Abt Martin: http://twitter.com/abtmartin
Steyler Online-Kapelle: www.onlinekapelle.de
Juli 2011
Im Kommunionunterricht haben wir den katholischen Beichtspiegel gelernt und beigebracht bekommen, was man beichten muss. Nur wenige haben allerdings begriffen, worauf es wirklich ankommt und wie wir uns tatsächlich gegen Gottes Gebote versündigen. Der Minoriten-Pater Gabriel ist seit 36 Jahren Beichtvater an der Kölner Kirche St. Kolumba. Er weiß, was Menschen auf der Seele lastet – und wie leicht es heute geworden ist, sie zu verführen.
Fasten ist mehr als eine Wellness-Veranstaltung, um ein paar Pfunde abzunehmen. Denn was nützt es, schlank zu sein und gesund zu leben, wenn ich nicht weiß, warum ich lebe?