Titelthema

Und dann dachte ich: Tu' was!

Hand aufs Herz: Oft wissen wir, dass wir etwas ändern müssen an unserem Leben – und tun’s trotzdem nicht. Hier berichten Menschen, wie sie erkannt haben, warum sie ihre Vorsätze endlich in Taten umsetzen müssen

Obdachloser unter einem Regenschirm© Getty Images/Mitchell Funk

Warum ich an Obdachlosen nicht mehr vorübergehen kann

Früher bin ich mit gesenktem Kopf an Obdachlosen und Bettlern vorbeigegangen in der Hoffnung, dass sie mich bloß nicht ansprechen und belästigen. Gleichzeitig beschlich mich aber immer auch ein schlechtes Gewissen. „Dir geht’s so gut, deine Kinder sind gesund, du hast keine Existenzsorgen.“ Und dann die Frage: Ist das gerecht? Eigenheim und Familie reichten mir bald nicht mehr. Immer drängender wurde der Wunsch, etwas für andere zu tun. Heute engagiere ich mich für Menschen – ganz im Kleinen –, indem ich ihnen zuhöre und ihnen Aufmerksamkeit schenke.

Da ist die ehrenamtliche Arbeit in der Bahnhofsmission Würzburg genau richtig; denn nichts ist interessanter als Menschen und ihre Lebensgeschichten. Heute habe ich einen anderen Blick für die Menschen um mich herum. Wenn ich mit meinen Kindern in der Stadt an einem Obdachlosen vorbeikomme, gehe ich nicht an ihm vorüber. Ich sage ihm, wo er hingehen kann. Er bekommt vielleicht eine warme Mahlzeit, meine Kinder eine Lektion in Mitmenschlichkeit. Und ich fühle mich besser, wenn ich zulasse, mehr zu sehen als nur die heile Welt, aus der ich komme.
Daniela Steinmetz, 37, zweifache Mutter, Verkäuferin im Einzelhandel, Leinach


Es zieht mich zu den Menschen, die am Rande stehen

So oft werden sie nicht wahrgenommen, auch ich habe sie früher nicht gesehen: Menschen, die am Rande stehen, die unsere Hilfe und unsere Ansprache brauchen, um nicht allen Mut zu verlieren. Gezeigt hat mir das ein deutscher Geistlicher während meines Aufenthaltes in Brasilien; dort war ich als „Missionarin auf Zeit“ in einem Kinderheim beschäftigt. Tief beeindruckt hat mich die Art des Priesters, wie er sich für diejenigen einsetzt, die in Brasilien keine Stimme haben. Ich spürte plötzlich, wohin ich will – zu den Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen. Ihnen möchte ich zeigen, dass sie nicht allein sind.

Zurück in Deutschland habe ich soziale Arbeit studiert, um den Blick für weltweite Zusammenhänge zu bekommen. Ganz praktisch erhielt ich Einblicke durch die Mitarbeit bei einer Projektwoche der Steyler Missionarinnen mit Langzeitarbeitslosen. Von Bayern aus arbeite ich jetzt unter anderem mit bei der „Stiftung Volksverein Mönchengladbach“ im Treffpunkt für Benachteiligte. Mir ist es sehr wichtig, diese Menschen, die ja offensichtlich kaum mehr Platz in unserer Gesellschaft finden, wahr- und ernst zu nehmen und sie da abzuholen, wo sie in ihrem Leben gerade stehen.
Magdalena Beier, 29, Erzieherin, Benediktbeuern

Haben Sie auch Ihren guten Vorsätzen Taten folgen lassen? Dann erzählen Sie uns Ihre Geschichte. Schreiben Sie uns eine Mail an redaktion@steyler.de oder diskutieren Sie mit uns die beiden Beiträge aus der Januar-Ausgabe der stadtgottes.

Januar 2012

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