Als Cornelia Bloss die Nachfolge des beliebten Steyler Missionars Michael Streckel SVD antrat, schienen die
Fußstapfen Übergröße zu haben: Er verteilte nicht nur die Steyler Zeitschriften, für „seine“ Luxemburger war er Freund und Seelsorger. Doch die 48-Jährige füllt die Lücke mit ganz viel Lebensfreude
ila, das ist ihre Farbe. Lila Haare, lila Schuhe, lila Kleidung, selbst der Rosenkranz ist in ihrer Lieblingsfarbe. Cornelia Bloss strahlt pure Lila-Lebensfreude aus. Diese Lebensfreude verbindet sie mit dem Mann, dessen Nachfolge sie angetreten hat: Bruder Michael Streckel. Der Steyler Missionar war als Reisebruder und Bezirksleiter über 20 Jahre für das Apostolat Zeitschriften in Luxemburg unterwegs. Als er im November 2009 unerwartet starb, brach für „seine“ Luxemburger eine Welt zusammen.
Denn er war mehr als ein Mann, der kassierte und die bestellten Steyler Kalender ablieferte. Bruder Michael war gefühlte 24 Stunden am Tag auf den Beinen. Er besuchte Katecheten, Mitarbeiter und Leser und war bei allen gleichermaßen beliebt. Er hat Kinder aufwachsen sehen und Trauernde in den Arm genommen, hier mit den Firmlingen einen Gottesdienst gestaltet, dort der alten Frau zugehört.
Er hat die Menschen für seine Anliegen und die der Steyler Missionare begeistert. Unermüdlich hat er für Pater Heinz Kulüke und seine Müllkinder in Cebu (Philippinen) Spenden gesammelt. An sich selbst hat er oft zu wenig gedacht. Doch dafür hatte er seine Freunde. Wenn die Menschen sein Auto gesehen haben, wurde schnell ein Teller mehr auf den Tisch gestellt und der Bruder zur Suppe aus seinem Auto ins Warme gebeten.
Bruder Michaels Wagen mit dem kleinen Luxemburger Fähnchen hat Cornelia Bloss nicht übernommen. Aber ihr Dienstwagen ist das gleiche Modell, der gleiche Typ, die gleiche Farbe. Auch sie wird am Auto erkannt.
Ein Jahr lang war die Stelle unbesetzt. Kein Steyler sah sich in der Lage, in die übergroßen Fußstapfen des verstorbenen Mitbruders zu treten. Natürlich gab es bei Cornelia Bloss Sorgen und Zweifel, wie die Luxemburger sie aufnehmen würden. „Aber als gleich die erste Leserin sagte: ,Schön, dass Sie da sind‘, fühlte ich mich angekommen“, erinnert sich die zweifache Mutter. Auch die 48-Jährige nimmt sich Zeit bei ihren Besuchen. „Natürlich reden wir noch viel und oft von Bruder Michael.“
Doch auch sie hat etwas zu erzählen. Schon lange ist sie mit den Steylern verbunden. Ihr Vater war regelmäßiger stadtgottes-Leser und Diakon in der Gemeinde. Heute lebt sie nur wenige Kilometer vom ehemaligen Missionshaus Sankt Paul in Wittlich-Wengerohr entfernt und besucht dort die Gottesdienste. Für sie schließt sich also jetzt ein Kreis, in dem sie sich aufgehoben fühlt. „Für mich ist es schön, dass ich mit den Menschen offen über Glauben und Kirche reden kann. In welchem Job kann man das schon?“ Und sollte doch mal was schiefgehen, hat sie immer ihren „Talisman(n)“ dabei: ein Bild von Bruder Michael.
Februar 2012
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Bruder Michael Streckel wurde am 23. Mai 1941 in Breslau geboren. Nach Kriegsende kam er nach Hindelang ins Allgäu, wo er auch die Schule besuchte. Noch nicht 15 Jahre alt, bat er um Aufnahme bei den Steyler Missionaren im Mutterhaus zu Steyl. Dort legte er 1961 die Ersten Ordensgelübde ab und schloss sich 1967 durch die Ewige Profess auf Lebenszeit den Steyler Missionaren an.
Seit Januar 1984 war Bruder Michael unermüdlich in Luxemburg im Dienste unserer Zeitschriften und Kalender tätig. Am 13. November 2009 wurde er völlig unerwartet in seinem deutschen Quartier in Prüm (Eifel) tot aufgefunden.