Natürlich können wir die Fastenzeit nutzen, um abzunehmen und gesünder zu leben. Wir können uns in den sieben Wochen aber auch solidarisch zeigen mit den Menschen, die ums nackte Überleben kämpfen. stadtgottes-Mitarbeiter haben das versucht
Diese Menge Trinkwasser verbraucht jeder Deutsche täglich – oft ohne sich darüber Gedanken zu machen, dass andere Menschen mit einem Fünftel davon auskommen müssen. stadtgottes-Chefredakteur Albert Herchenbach, 61, hat versucht, mit Wasser bewusster umzugehen
Sieben Uhr. Der Wecker klingelt. Und der Tag beginnt mit Wasserverbrauch. Toilettenspülung: neun Liter. Duschen: 30 Liter. Zähne putzen: ein Liter. Rasieren: ein Liter. Kaffeemaschine befüllen: ein Liter. Bis 7.30 Uhr habe ich schon 42 Liter Wasser verbraucht. Nur für mich ganz allein. Sauberes Trinkwasser.
Zu diesem Zeitpunkt ist eine junge Frau, nennen wir sie Theresa, gute 6000 Kilometer südlich schon seit eineinhalb Stunden zu Fuß unterwegs. Jetzt, um halb acht, hat sie die Wasserstelle erreicht, füllt ihren 25-Liter-Kanister auf und schleppt ihn auf dem Rücken eineinhalb Stunden zurück zu ihrer fünfköpfigen Familie. Der Kanisterinhalt muss einen halben Tag lang reichen zum Trinken, Kochen, Waschen, für die zwei Ziegen und für das Stückchen Land, das sie bewirtschaftet.
Ich hatte mir vorgenommen, die sieben Wochen vor Ostern Wasser zu sparen. Was, wie ich schnell feststellte, insofern ein Blödsinn ist, weil es weniger darum geht, nicht mehr so ausgiebig zu duschen oder während des Zähneputzens den Wasserhahn zuzudrehen. Es geht vielmehr darum, bewusster mit dem Trinkwasser umzugehen. Wahrzunehmen, wie selbstverständlich ich den Wasserhahn aufdrehe. Und zu ahnen, dass Trinkwasser für Menschen auf der Südhalbkugel eine Kostbarkeit ist.
Tatsache ist: Wir Deutschen verbrauchen pro Person und Tag 122 Liter Trinkwasser. Ein Drittel davon rauscht durch die Toilette, ein Drittel geht für Körperhygiene drauf, und ein weiteres Drittel benötigen wir zum Wäschewaschen und Geschirrspülen. Für Kochen und Trinken brauchen wir gerade mal – fünf Liter!
Die UN, die Vereinten Nationen, sagen, dass ein Mensch täglich 50 Liter Wasser braucht, um Essen zuzubereiten und genug für die Hygiene zu haben. 50 Liter Wasser pro Tag seien nötig, um Krankheiten zu vermeiden und die persönliche Leis-tungsfähigkeit zu erhalten.
Viele Menschen in Afrika hingegen müssen mit gerade mal 20 Litern pro Tag auskommen. Das ist die Menge Wasser, die ich beim Duschen in eineinhalb Minuten verbrauche.
Während ich in der Mittagspause um 13 Uhr zum Essen gehe, macht sich in Uganda Theresa erneut auf den Weg zur Wasserstelle. Was wäre, wenn sie in den sechs Stunden eine Schule besuchen würde, statt Wasser zu schleppen?
Mit diesem Tagesablauf ist Theresa nicht allein: Für 500 Millionen Menschen in Afrika ist das Alltag, um ihre Familien mit sauberem Trinkwasser zu versorgen. Und sie schätzen sich glücklich: Denn weitere 200 Millionen Menschen haben gar keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser; sie versorgen sich aus verschmutzten Tümpeln, Flüssen oder Seen. Mit der Folge, dass täglich 6000 Menschen an Wurmkrankheiten und Durchfall sterben – 4000 davon Kinder unter fünf Jahren.
In diesen sieben Wochen habe ich gelernt, mit weniger auszukommen. Klar, dadurch, dass ich Wasser spare, muss Theresa nicht einen Liter weniger schleppen. Aber wenn ich die Ersparnis – und ein wenig mehr – als Spende an Organisationen schicke, die in Afrika oder
Südamerika Brunnen bohren und Wasserreservoirs bauen, ist manchem vielleicht doch geholfen.
Lebensmittel nach ökologischen Gesichtspunkten einkaufen, mit dem Fahrrad fahren, kein Fleisch essen - lesen Sie in der Februar-Ausgabe der stadtgottes, was die anderen Redaktionsmitglieder in den sieben Wochen der Fastenzeit erlebt haben.
Sie können Sie auch gerne ein kostenloses Probeexemplar bestellen.
Februar 2012
Fasten ist mehr als eine Wellness-Veranstaltung, um ein paar Pfunde abzunehmen. Denn was nützt es, schlank zu sein und gesund zu leben, wenn ich nicht weiß, warum ich lebe?
Neun Jahre hat sie nachgedacht, in sich hineingehört, Krisen durchlebt und doch wieder Mut gefasst. Jetzt legt Schwester Michaela Leifgen, 29, die Ewigen Gelübde ab: Sie verspricht, ein Leben lang mit den Steyler Missionarinnen Gott zu dienen. Was gibt ihr die Zuversicht, diese Zusage auch einzuhalten?
Nicht nur die Redaktionsmitglieder haben verzichtet, sondern auch Mitbrüder und Mitarbeiter der Steyler Missionare. Sie beschreiben, worauf sie in der Fastenzeit verzichten möchten.