Lebens- und Familienberater

Ist Organspende eine Sünde?

Ich habe einen Organspendeausweis. Ich glaube an Gott und an ein Leben nach dem Tod. Da sich im Tod meine Seele von meinem Körper trennt, brauche ich ihn nicht mehr und kann ihn anderen zur Verfügung stellen. Jetzt habe ich Bedenken. Jemand sagte mir, es sei Sünde, den Körper auszuschlachten. Niemand wisse, wann genau der Tod einträte. Der Hirntod sei eine künstliche Festlegung, um möglichst „frische“ Organe gewinnen zu können. Was meinen Sie?

Es gibt viele ernst zu nehmende Menschen, die so denken, wie „jemand“ es Ihnen vermittelt und Sie dazu führt, Ihre bisherige Haltung zu überdenken und eventuell zu ändern. Das Problem ist halt, dass wir im Grunde nicht wissen, wie der Sterbeprozess sich im Einzelnen vollzieht, wie lange er dauert und wann er vollendet ist. Darüber gibt es mehr oder weniger gut begründete Theorien. Der sogenannte Hirntod ist tatsächlich eine übereinkünftige Festlegung, um den Ärzten bei der eventuellen Entnahme von noch funktions- tüchtigen lebenden Organen eine Rechtssicherheit zu garantieren.

Auch die Überzeugung „Sterben = Trennung von Leib und Seele“, von der her Sie Ihre (bisherige?) Entscheidung herleiten, ist eine gut begründete Theorie, um die bleibende Gott-Unmittelbarkeit des Menschen über den Tod hinaus zu gewährleisten. Wie lange dieser Prozess der „Trennung von Leib und Seele“ dauert und wann er vollendet ist, der Mensch also gestorben ist, ist schwer zu sagen.  Angesichts dieser Lage kann man meiner Meinung nach sowohl Ihre bisherige Auffassung und auch die Haltung von „jemand“ vertreten. 

Bei der eigenen Entscheidung sollte man sich allerdings fragen, was mehr zählt: das Weiterleben von Tausenden von Menschen durch gespendete Organe und die damit auch eröffnete neue Lebensqualität ihrer Angehörigen oder eigene „Sicherheiten“. Auch hier müssen wir vielleicht lernen, mit Unsicherheiten zu leben.

Februar 2013

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