Interview

"Für mich sind Kirchen Orte der Ruhe"

Gott, Glaube und Sinnsuche – dazu hat der beliebte Schau­spieler einiges zu sagen. stadtgottes-Redakteurin Melanie Fox traf den Quizmaster ihrer Kindheit zum Interview

Michael Schanze© Gaetano De Martino

Ihr Leben verlief nicht immer leicht. Als Sie neun waren, starb ihr Vater, später dann die Trennung von Ihrer Frau, ein schwerer Skiunfall. Wie haben Sie all das überstanden?
Mein Bruder Christian, sieben Jahre älter als ich, war immer da, wenn ich jemanden zum Reden brauchte. Auch heute stehen wir uns noch sehr nah, besuchen uns regelmäßig. Die Musik bedeutet Trost: Nach dem Tod meines Vaters habe ich einige Jahre in einem Pfarrwaisenhaus gelebt, dort habe ich Kirchenmusik, speziell Barockmusik, kennengelernt. Ich finde sie unglaublich berührend. Deshalb gehört für mich jetzt in der Adventszeit der Besuch eines Weihnachtsoratoriums als schöne Tradition zu meinem Leben.

Was sind Ihre schönsten kirch­lichen Weihnachtserinnerungen?
Ich liebe die Christmetten bei den Benediktinermönchen auf dem Berg im Kloster Andechs. Das ist eine so besondere Stimmung, dazu die Lieder und Kerzen, wunderbar!

Wie hat Sie die Zeit im Pfarr­waisenhaus geprägt?
Nur ein paar Kilometer entfernt war die „Gesellschaft für Innere und Äußere Mission“ untergebracht. Einige Väter meiner Mitschüler waren Missionare. In dieser Zeit habe ich ernsthaft mit dem Gedanken gespielt, später auch in die Mission zu gehen.

Was hat Sie davon abgehalten?
Ein Religionslehrer, mit dem ich überhaupt nicht klargekommen bin. Damals, ich war 15, hat unser Pfarrer ein Schäflein verloren.

Wie stellen Sie sich Gott vor?
Wenn es einen Gott gibt, dann ist es ein Gott der Liebe. Da bin ich mir ziemlich sicher.

Bewundern Sie tiefgläubige Menschen?
Ja, und ich beneide sie, weil sie in der Gnade des Glaubens sind. „In der Gnade sein“ heißt für mich, geborgen und aufgefangen zu sein im Glauben. Als Kind habe ich zu Gott gebetet, mich ganz ihm anvertraut und bin geborgen eingeschlafen.

Und was hindert Sie heute daran?
Die Kriege und das Leid in der Welt. Nach wie vor würde ich mich als einen Suchenden im Glauben bezeichnen.

Was bedeuten Ihnen Gotteshäuser?
Ich mag die Atmosphäre, auch außerhalb von Gottesdiensten. Wenn ich auf Tournee bin, passiert es, dass ich mich in einer Kirchenbank wiederfinde, um nachzudenken. Für mich ist die Kirche ein Ort der Ruhe und Sammlung.

Wo kommen Sie zur Ruhe und finden zu sich?
In einer abgelegenen Hütte in den Bergen. Ganz ohne elektronische Geräte. Dort kann ich mich prima auf meine nächste Rolle vorbereiten und Kraft tanken. Dort setze ich mich mit Fragen auseinander wie: Wie ordne ich mich in der Welt ein? Tue ich die Dinge, die ich mache, wirklich noch gerne? Bin ich glücklich?

Was bedeutet es Ihnen, Theater zu spielen?
Die Bühne ist für mich zu einem Glücksraum geworden, in dem ich mich sehr wohl fühle.

Melanie Fox

Dezember 2017

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Zur Person

Michael Schanze, 70, ist Schauspieler, Autor und Komponist. Vielen ist er als Moderator von "1,2 oder 3" und "Flitterabend" im Gedächtnis geblieben. Heute spielt er überwiegend Theater und schreibt Musicals, wie Scrooge - Eine Weihnachtsgeschichte", "Bambi" und "Heidi".