"Für eine Beziehung zu Gott braucht es keinen Zwischenhändler!"

Die Bibel spielt im Unterhaltungsprogramm von Dr. Eckhart von Hirschhausen eine zentrale Rolle. stadtgottes sprach mit dem engagierten Christen

Eckart von Hirschhausen© Agentur EvH

Sie sind ein positiv denkender Mensch, der gerne lacht. Was machen Sie, wenn es Ihnen mal nicht so gut geht?
Nicht still sitzen und grübeln, sondern aktiv sein. Im Wald, in der Natur oder am Meer. Für mich ist Schwimmen zum Beispiel sehr nah dran an Meditation. Du tauchst im wahrsten Sinne ab, die Körpergrenzen verschwimmen, man wird eins mit dem Wasser. Beim Schwimmen hab ich immer witzige Ideen. Unter Wasser ist es nur blöd mit dem Aufschreiben.

Was bringt Sie zum Lachen?
Ich bin ein großer Loriot-Fan. Aber es gibt noch unglaublich viele gute Komiker und witzige Autoren, die man am besten live auf der Bühne und nicht „nur“ im Fernsehen erlebt. Also, wer nichts zu lachen hat, ist selber schuld!

Oft zitieren Sie Bibelstellen in Ihren Programmen. Welche ist Ihre Lieblingsgeschichte in der Bibel?
Die Heilungsgeschichten, die bis heute Gültigkeit haben. In dem Sinne, dass die seelische Gesundheit wichtiger ist als die rein körperliche.

Lesen Sie regelmäßig in der Bibel oder wann nehmen sie diese zur Hand?
Für die Vorbereitung auf das Lutherjahr habe ich wieder ein bisschen mehr in der Bibel gelesen und dabei ist mir klargeworden, wie viel Luther in Bewegung gebracht hat, vielleicht mehr, als er anfangs ahnen konnte. Seine Überzeugung, dass der Mensch in der Beziehung zu Gott keine Zwischenhändler braucht war doch revolutionär. Ebenso der Gedanke, dass Menschen Texte, die sie angehen, in einer verständlichen Sprache lesen können sollen. Da ist die Medizin bis heute nicht drauf gekommen! Und als ich einmal das Ärztelatein für mein erstes Buch „Arzt-Deutsch“ ins Verständliche übertrug, wurde mir klar, was er da mit der ganzen lateinischen Bibel geleistet hat! Respekt.

Sie waren Botschafter des Reformationsjubiläums. Viele Feierlichkeiten haben gemeinsam mit der katholischen Kirche stattgefunden. Welchen Stellenwert hat Ökumene für Sie?
Es gibt ein paar Dinge, die sind Gott wichtig. Religion gehört nicht dazu. Angesichts der echten Probleme um uns herum, in unserem Land und in beiden großen Kirchen, finde ich es Energieverschwendung, sich über theoretische theologische Details zu streiten, statt die gemeinsame Basis zu betonen und froh zu sein um jeden, dem ein christlicher Glaube überhaupt noch etwas bedeutet. Immer weniger Deutsche glauben an Gott. Ich hoffe, es beruht nicht auf Gegenseitigkeit.

Was bedeutet es Ihnen zu glauben?
Ich bin davon überzeugt, dass Menschen zu ihrem Glück eine Lebenseinstellung brauchen, die nicht materialistisch ist. Das muss keine Religion, aber ein Gefühl von Sinnhaftigkeit sein. Dass viele diese in der Kirche heute nicht mehr finden kann ich nachvollziehen. Ich bin in einem christlichen Umfeld groß geworden, und bin dafür sehr dankbar. Einige der glücklichsten Menschen, die ich kennen gelernt habe, sind sehr spirituell orientiert - ob das ein Zufall ist?

Wie leben Sie Ihren Glauben im Alltag?
Ich versuche täglich einen Moment der Besinnung hinzubekommen. Vor großen Aufgaben oder schwierigen Gesprächen bitte ich um Unterstützung und um die richtigen Worte. Mir hilft die Vorstellung, Teil einer Glaubensgemeinschaft zu sein, und nicht mich, sondern eine Idee in den Mittelpunkt zu stellen. Aber es wäre gelogen zu sagen, dass ich das immer hinbekäme. Klar, wendet man sich eher in Notsituationen an „den Himmel“ als wenn man selber im siebten Himmel ist.

Wie würden Sie mehr Menschen für den Glauben begeistern?
Mit mehr Humor! Es wäre schon hilfreich, dass die, die die Erlösung predigen, etwas erlöster gucken! (lacht). Nein, im Ernst, ich habe auch schon Seminare für Pfarrer gegeben zu Humor in der Predigt. Da kam oft der Einwand, dass sie Angst haben, von der Gemeinde nicht ernst genommen zu werden. Humor ist nichts Oberflächliches, sondern das tiefe Bejahen der unfassbaren absurden Situation, in der wir uns auf Erden befinden: Wir kommen aus Staub, wir werden zu Staub, darum meinen die meisten, es müsse darum gehen, viel Staub aufzuwirbeln.

Musik stiftet Gemeinsamkeit und Freude. Sie mögen die Lieder der Taizé-Andachten.
Mein liebstes Taizé-Lied ist „Nade te turbe“. Ich verbinde damit eine prägende Zeit als Jugendlicher und Student, in der ich das Lied in einer Kommunität in Assisi kennenlernte. Ich war auch schon in Taizé und mag diese meditative Stimmung, die beim Singen entsteht. Außerdem ist die Botschaft eine sehr schöne: Nichts soll dich erschüttern...

Wie gehen Sie mit Stress um?
Die Definition von Stress ist sehr individuell, zum Glück bin ich sehr selten gestresst, da ich das, was ich täglich tue, gerne tue. Es heißt nicht umsonst: wenn man sein Hobby zum Beruf macht, muss man auch nie wieder arbeiten! Die Kunst besteht darin für etwas zu brennen ohne auszubrennen. In den letzten Jahren wurde viel über Resilienz geforscht, die Fähigkeiten mit Belastungen positiv umzugehen. In meinem Buch „Glück kommt selten allein“ habe ich die wichtigsten Übungen vorgestellt und auch auf einem online Portal www.glueck-kommt-selten-allein.de frei zugänglich gemacht.

Ihre Stiftung trägt den Namen HUMOR HILFT HEILEN. Wo kann Humor noch hilfreich sein?
Wo nicht? Eine der größten Herausforderungen im Bereich Gesundheit ist es, den Menschen über den ganzen Bogen des Lebens im Blick zu behalten und zu begleiten. Die Kassen zahlen, wenn Leute krank werden. Dabei kann man aber sehr viel tun, damit sie überhaupt nicht krank werden. Aber solange Operationen besser bezahlt werden als Gespräche, darf man sich nicht wundern, dass mehr geschnippelt als zugehört wird. Ein nachhaltiges Ziel für meine Stiftung HUMOR HILFT HEILEN und mich persönlich ist es, das Thema Gesundheit wieder mit Lebensfreude zu verbinden. HUMOR HILFT HEILEN begann vor zehn Jahren, den Einsatz von Clowns in Krankenhäusern zu unterstützen und zu professionalisieren. Lachen hilft gegen Schmerzen. Das kann jeder ausprobieren: Hauen Sie sich mit einem Hammer zweimal auf den eigenen Daumen, einmal alleine und dann noch einmal in Gesellschaft. Sie spüren den Unterschied. Wenn ich mit Anderen lachen kann, lässt der Schmerz nach. Deshalb sollte im Krankenhaus niemand lange alleine sein und etwas zu lachen bekommen. In Deutschland sind wir die einzige Organisation, die bundesweit Projekte fördert, auch durch Weiterbildung, für Ärzte und Pflegekräfte. Wir haben auch sensationelle Forschungsarbeiten finanziert: Humor bringt auch Erwachsenen etwas, zum Beispiel nach Schlaganfall oder bei Herz- und Atembeschwerden. Die Pflege profitiert deutlich von der Persönlichkeitsbildung, der Selbstfürsorge und dem Teamgeist, den wir in den Seminaren vermitteln.
Wer es genauer wissen will, findet auf www.humorhilftheilen.de weitere Informationen.

Melanie Fox

Januar 2018

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Zur Person

Der studierte Mediziner, 50, ist seit über 20 Jahren als Moderator, Redner, Kabarettist und Bestseller-Autor bekannt und beliebt. Seine Bücher und TV-Sendungen wie „Glück kommt selten allein“ und „Frag doch mal die Maus“ erreichen ein Millionenpublikum. Mit seiner Stiftung „Humor hilft heilen“ engagiert er sich für mehr „gesundes Lachen“ in Krankenhäusern und Schulprojekten.