Interview

Die kleinen Wunder wahrnehmen

Jahrelang war der Satz: „Alles wird gut“ Abschluss jeder ihrer Sendungen und spiegelt ihre Lebenseinstellung wider: Nina Ruge. Ein Gespräch über Glaube, Glück und den Sinn des Lebens

Nina Ruge© GTVH/Jaqueline Krause Buberg

Als Kind haben Sie Gott als einen strafenden Gott empfunden. Wie ist es heute? An welchen Gott glauben Sie?
Gott ist Licht und Liebe – wie die Botschaft von Jesus Christus. Gott ist Licht und Liebe in einer Welt der partiellen Dunkelheit. Unsere Aufgabe ist es, Licht und Liebe in uns leuchten zu lassen. Ob Gott diese Welt geschaffen hat, diese Frage stelle ich mir nicht. Was ist, ist. Und unsere Aufgabe ist es, das Wunder zu entdecken und zu „aktivieren“, das in uns wohnt.

In welchen Momenten beten Sie?
Ein Gebet spreche ich, wenn ich mich bewusst mit dem großen Frieden, mit dem Sein, mit der Ewigkeit verbinden möchte – in meinem Inneren und im Außen.


Die Meditation ist ein wichtiges Element in Ihrem Leben. Was gibt Ihnen die Meditation?
Ich meditiere, wenn ich das „Linksseitige“, Rationale, in mir zum Entspannen in die Hängematte schicke und das „Rechtsseitige“, Intuitive, zum Klingen bringen möchte. Ich meditiere auf bestimmte Emotionen, die ich zu­vor selbst wähle: Auf „Wärme“ zum Beispiel, auf „Freude“, „Dankbarkeit“, „Liebe“. Und dann versuche ich, beide Seiten, „rechts“ und „links“ in mir in einen Dialog zu bringen, beide wirken zu lassen: das geniale Geschenk meines Verstandes und das Wunder des Lebens, des Heiligen, des Ewigen in mir.

Was ist für Sie der Sinn des Lebens?
Um mit Viktor Frankl zu sprechen: „Der Sinn des Lebens ist das Leben.“ Ich übe mich darin, tatsächlich alles, was kommt, anzunehmen und mich den damit erscheinenden Aufgaben zu stellen. Dabei kann ich mich in jedem Augenblick entscheiden, ob ich im „Eigen-Sinn“, allein für mich – oder ob ich im Geist der Liebe handeln möchte und in Verbindung mit dem Heiligen. Und Letzteres führt mich unmittelbar zu einem sinn-vollen Leben. Es bestimmt, wie ich meine engsten Beziehungen gestalte, wie ich meinen Beruf ausübe und was ich in meiner Freizeit zum Schwerpunkt mache. Also: Ein Leben in Liebe zu führen zu allem, was ist, – und meinen Beitrag zum inneren Wachstum zu leisten, hin zu einem neuen Bewusstsein – das macht Sinn.

Welche sind Ihre persönlichen Glücksmomente?
Ich übe mich darin, mich möglichst oft auf Empfang zu schalten für die Miniatur-Wunder des Alltags: für einen Sonnenstrahl, der sich durch die Wolkendecke schmuggelt, für ein Lächeln, das mich spontan erreicht, für einen Fetzen Musik, der heranweht. Solche Momente – bewusst erlebt – verbinden mich mit dem Wunder des Seins und erfüllen mich mit Dankbarkeit und Demut.

Wofür sind Sie außerdem dankbar?
Ich bin rundum dankbar. Was für ein Privileg, in diesem reichen, freien, sicheren Land leben zu dürfen! Was für ein Geschenk, immer wieder größere und kleinere Aufgaben gestellt zu bekommen und sie mir auch selbst suchen zu dürfen, die bislang sämtlichst zu bewältigen waren und mir beim Wachstum halfen! Was für ein Geschenk, bis heute in einem gesunden Körper wohnen zu dürfen!

Melanie Fox

Mai 2018

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Zur Person

Die Journalistin, Moderatorin und Autorin, 61, moderierte zehn Jahre lang das Magazin „Leute heute“. Nina Ruge hat über 20 Bücher veröffentlicht, moderiert Kongresse und Podiumsdiskussionen und ist vielfältig sozial engagiert. Unter anderem ist sie UNICEF-Botschafterin