Gewalt gegen Kirchen im Kongo

06.03.2017, Kongo

 

Die angespannte politische Lage in der Demokratischen Republik Kongo führt dazu, dass es zu immer mehr Übergriffen auf katholische Kirchen kommt. Der Steyler Pater Hugo Tewes lebt seit mehr als 45 Jahren im Kongo und beschrieb uns in einem Interview die Situation in der Haupstadt Kinshasa

Pater Hugo Tewes mit einer Gruppe kongolesischer Kinder© Markus Frädrich
Pater Hugo Tewes mit einer Gruppe kongolesischer Kinder

Gab es bisher auch schon Übergriffe auf Ihre Kirche?
Am 19. Februar, einem Sonntagmorgen um 5.00 Uhr wurde das Innere der katholischen Pfarrkirche St. Dominikus in Kinshasa von "Unbekannten" verwüstet: Bänke wurden umgeworfen und zum Teil beschädigt, der Altar, Statuen und andere sakrale Gegenstände demoliert, der Tabernakel umgekippt und Hostien am Boden zerstreut. Die Polizei, die ganz in der Nähe stationiert war, wurde herbeigerufen, stellte aber Bedingungen und zeigte keine Eile, sodass die "Bilderstürmer" ungeschoren entkommen konnten. Noch am selben Tage hat Weihbischof Bafwidinsoni die Kirche für religiöse Handlungen geschlossen erklärt.

Was steckt hinter den Angriffen auf die Kirchen? Gab es auch Widerstand dagegen?
Die Angriffe fanden zur gleichen Zeit in den Städten Subumbashi, Kananga und Mbuji-Mayi statt. Schon während der gesamten Verhandlungen, die auf Initiative der CENCO (Conférence Episcopale Nationale du Congo) zwischen den Oppositionsparteien und den Vertretern der Regierung geführt wurden, sprachen politische Fanatiker Drohungen vor allem gegen Priester und Ordensleute aus. Falls die Verhandlungen zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis führen sollten, wollte man sich an kirchlichen Vertretern und katholischen Institutionen rächen. Ordensfrauen gegenüber wurden offene Vergewaltigungsdrohungen ausgesprochen. Viele radikale Oppositionelle waren auch nicht damit einverstanden, dass man Präsident Kabila nach dem 19. Dezember (Ende der 2. Amtsperiode von Josef Kabila) überhaupt eine Übergangsperiode zugestanden hat. Sie wollten, dass Kabila mit diesem Datum seine Präsidentschaft schlicht niederlege. 

Am Tage vor dem Angriff auf die Kirche der Pfarrei St. Dominikus waren Flugblätter im Umlauf, die forderten, dass die Bischöfe den Dialogprozess einstellen sollten, andernfalls würde man sich an katholischen Institutionen vergreifen. Die Polizei hat durch ihre desinteressierte Haltung soviel Zeit verstreichen lassen, dass die Frevler ihrer kirchenfeindlichen Wut freien Lauf lassen und ungeschoren entkommen konnten. In der Nähe wurde ebenfalls ein Kloster angegriffen. In diesem Falle hat die Bevölkerung eingegriffen und zwei Randalierer dingfest machen können.
Das zögernde und verspätete Eingreifen der Polizei kann auf verschiedene Weise gedeutet werden. Viele Leute sind davon überzeugt (und selbst Bischöfe sprechen ziemlich offen davon), dass dieser ganze Überfall möglicherweise von der Polizei inszeniert wurde.

Die Kirche war bei der Vermittlung zwischen Opposition und Regierung maßgeblich beteiligt, hat sie einen starken Stand im Land? Hört die Bevölkerung auf ihre Botschaften? Könnte sie noch mehr tun als das, was sie schon versucht hat?
Die Kirche hat in der Bevölkerung in den letzten Jahren an Einfluss verloren. Viele Menschen kehrten der katholischen Kirche den Rücken zu und suchen ihr Heil in den sogenannten Erweckungskirchen. Seither sind die Leute der katholischen Kirche teilweise sogar feindlich gesinnt. Trotzdem hat das Wort der Bischöfe weiterhin Gewicht, und in heiklen Situationen haben sie immer den Mut gehabt, Stellung zu beziehen. Aber Teile der Bevölkerung reagieren aus den genannten Gründen (Hinwendung zu den Sekten) zum Teil abweisend auf Bischofserklärungen. Mehr zu tun ist schwierig. In der Vergangenheit hat die Kirche manchmal zu Protestmärschen aufgerufen, die dann zum Teil in einem Blutbad endeten.

Haben Sie als ausländischer Beobachter Sorge, dass sich ein Bürgerkrieg entwickelt?
Die Gefahr eines Bürgerkrieges wurde und wird immer wieder heraufbeschworen. In der Vergangenheit hat man immer eine mehr oder weniger friedliche Lösung gefunden. Ich hoffe und vertraue darauf, dass das auch dieses Mal der Fall sein wird.

Fühlen Sie sich als Steyler auch bedroht?
Nicht mehr und nicht weniger als andere Ordensleute oder kirchliche Vertreter.

Interview: Christina Brunner

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