Die Arbeit ruft im Frühling

24.04.2017, Rumänien

 

Schwester Lioba beschreibt, wie sie die Zeit um Ostern erlebt

Die Kinder helfen bei der Gartenarbeit© SSpS
Die Kinder helfen bei der Gartenarbeit

Ostern ist das wichtigste Fest. Hier in Roman wurde die ganze Stadt auf Hochglanz poliert. Die Familien waschen ihre Teppiche und Decken und die Gärten werden gerichtet. In den Häusern werden die Wände mit Kalkfarbe gestrichen, sodass alles frisch und schön aussieht. Der Bürgermeister lässt die Straßenschäden vom Winter reparieren und alle Straßenbäume und Pfosten werden bis etwa 1 Meter Höhe weiß gestrichen. Im Kreisverkehr wird ein großes Osterei und eine Osterkerze aufgebaut, die bei Nacht leuchtet. Auch in den Gärten rund um die Häuser sind jetzt schon fast alle Bäume am Blühen. Die Kinder sind im Frühling wie die jungen Lämmer. Sie toben und springen über das junge Gras. Wir haben in unserem Gärtchen rote und weiße Zwiebeln gestupft und dazwischen Möhren und Radieschen gesät.

Mit den großen Buben grub ich zuvor den Boden um. Soviel ich hier gesehen habe, machen das fast alle Leute so, dass sie im Frühjahr den Boden umgraben und nicht im Herbst. In unserem Klostergarten hilft mir eine Frau (29) aus dem Olympia-Dorf bei der Gartenarbeit. Sie ist Witwe und hat fünf Kinder im Alter von zwei bis zehn Jahren. Im vergangen November ist ihr Mann plötzlich an einer Herzkrankheit verstorben. Zu dieser Zeit war sie hochschwanger mit dem sechsten Kind. Dieses Kind bereitete schon während der Schwangerschaft Komplikationen und kam im Januar mit Atemproblemen auf die Welt, sodass es nach nur drei Wochen verstarb. Die gute Frau ist sehr fleißig. Auch ihre Töchter die zu uns in die Schule kommen sind immer sehr ordentlich und hilfsbereit. Ihre älteste Tochter heißt Gabriela, so wie meine ältere Schwester. Sie geht in die Klasse, die auch ich unterrichte. Das sind Kinder, die auf den Schulbeginn in der „2. Chance“ vorbereitet werden.

Kleine Nester für die Kinder© SSpS
Kleine Nester für die Kinder

Da die Frau nicht offiziell mit dem Vater der Kinder verheiratet war, bekommt sie keine Witwenunterstützung. Das Kindergeld und das Mittagessen aus der Armenküche reich nicht zum Leben. So geht sie mit anderen Leuten aus dem Armenviertel zur Müllhalde um dort Wertstoffe zu sammeln und zu verkaufen. Hier in Rumänien ist das Bewusstsein zur Mülltrennung noch nicht vorhanden und es findet sich im Hausmüll alles Mögliche: Plastikflaschen, Aluminium etc. Zwar ist es in der Gemeinde prinzipiell möglich den Müll zu trennen und einmal pro Monat die Wertstoffe abzugeben, aber das wird nur von Wenigen angenommen.Wir trennen den Müll in unserer Kommunität. Die abgegebenen Wertstoffe werden gewogen und registriert. So verringern sich für uns die Müllgebühren, die wir monatlich bezahlen.

Ich möchte versuchen meinen Kontakt zu den Frauen im Olympia-Dorf zu bekommen um sie für das Thema zu sensibilisieren. Die Notwendigkeit ist groß. In unserer Stadt Roman ist vor vier Monaten der Bürgermeister als nationaler Abgeordneter nach Bukarest ins Parlament gezogen, sodass wir hier momentan vom Vizebürgermeister regiert werden. In den letzten fünf Jahren hat sich hier viel zum Besseren entwickelt. Dazu haben auch europäische Mittel beigetragen.
Der Nordosten ist immer noch der ärmste und unterentwickeltste Teil von Rumänien. Es fehlt vor allem auch an einer guten Verkehrsanbindung, um noch mehr Unternehmen hier her zu bringen, damit diese hier Arbeitsplätze schaffen. Im Moment müssen noch viele ins Ausland fahren um einen Job zu finden.

Ein Junge erzählte mir erfreut, dass seine Mutter für die Osterfeiertage aus Freichreich zurückgekommen sei. Er hat mich aus lauter Freude umarmt und gedrückt. Diese Freude möchte ich euch allen weitergeben, über das neue Leben, die Auferstehung unseres Herren Jesus Christus.

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