Mit Federn zur Uni-Feier

05.04.2018, Papua-Neuguinea

 
Geschafft! Anna Damas überreicht einem Stundenten seine Abschlussurkunde© SSpS
Geschafft! Anna Damas überreicht einem Stundenten seine Abschlussurkunde
Unsere Kolumnistin Schwester Anna Damas SSpS lebt und arbeitet in Papua-Neuguinea. In ihrem Rundbrief erzählt sie von den Nachwirkungen eines schweren Erdbebens und der Abschlussfeier der Universität

Viele von Euch haben es in den Nachrichten oder übers Internet mitbekommen: Im Februar ereignete sich im Hochland der Insel ein Erdbeben der Stärke 7,5. Das ist eigentlich nichts Außergewöhnliches hier. Da Papua-Neuguinea auf dem seismisch hochaktiven “Pazifischen Feuerring” liegt, bebt die Erde hier oft, und nicht selten in den Stärken von 5, 6 und 7. Meistens passiert fast nichts, weil fast alle Gebäude aus elastischen Baumaterialien sind (Holz). Diesmal aber sind etwa 100 Menschen zu Tode gekommen, fast alle durch Erdrutsche. Die Erde ist vom ständigen Regen so aufgeweicht, dass unzählige Hänge in diesem bergigen Gebiet ins Rutschen kamen und Bäume und Häuser mitrissen. Viele Hilfsaktionen, nationale und internationale, sind im Gange.

Das Erdbeben hat aber auch eine Diskussion ausgelöst, die ich in den Leserbriefseiten der Zeitungen verfolge. Jeden Tag schreibt mindestens ein Leser zum Thema: WARUM? Warum hat sich das Erdbeben ereignet? Sicher, plattentektonische Bewegungen haben es ausgelöst – aber das ist für die meisten Menschen hier keine befriedigende Erklärung, warum die Erde bebte und so viele Menschen und Häuser unter sich begrub. Da gibt es Stimmen, die vermuten, dass die Abbaumethoden der ansässigen Exxon Mobil Gasföderanlagen das Erdbeben, wenn nicht ausgelöst, dann doch intensiviert haben. Aber auch das beantwortet nicht die Frage: Warum?

Die weitaus meisten Leserbriefe gehen über naturwissenschaftlich-technische Erklärungen hinweg und vermuten spirituelle Gründe. Man habe die in den Bergen wohnenden Naturgeister mit den Industrieanlagen gestört und verärgert. (Ein ehrenwerter Erklärungsversuch, wie ich finde. Leider ziehen die Briefschreiber daraus dann nicht die Konsequenz, dass man in Zukunft besser auf den Schutz und die Rechte der Natur achten müsse, sondern fordern stattdessen bloß mehr Geldauszahlungen von Exxon Mobil an die Grundeigentümer.) Andere sprechen von der Rache Gottes; Gott sei zornig über die Menschen im Hochland, und das Erdbeben sei eine Strafe. Wenn so ein Leserbrief erscheint, kann ich sicher davon ausgehen, dass am nächsten Tag ein (meist von einem Katholiken verfasster) Leserbrief sich beeilt, dem zu widersprechen: Gott rächt sich nicht. Das Erdbeben sei ein rein natürlicher Vorgang, und wenn es überhaupt eine Botschaft Gottes beinhalte, dann sei das die Aufforderungen, den Betroffenen und Opfern großzügig zu helfen. Also: Humanität statt Theodizee. – Und damit stehen wir wieder da ohne eine Antwort auf die Frage: WARUM?

Nun ganz etwas Anderes: Studienabschluss-Feier an der Divine Word Universität. Da ich ex-officio Mitglied im Universitätsrat bin, nehme ich daran teil in der hierzulande üblichen Robe. (Zugegeben, sieht aus wie Karneval.) Auf dem Foto überreiche ich gerade eine akademische Auszeichnung an einen Studenten, der sich außerdem noch durch den aufwändigsten Kopfschmuck auszeichnete. Es gibt zwar immer mehr StudentInnen, aber immer noch ist ein Universitätsabschluss etwas Besonderes in Papua-Neuguinea, und sicherlich etwas, auf das man – die Eltern manchmal mehr als die StudentInnen selber – mächtig stolz ist. Was wohl für jedes Land und jede Gesellschaft gilt, ist noch einmal zugespitzt in Papua-Neuguinea: Bildung ist der Schlüssel zu einem besseren Leben.

Eure Anna Damas, SSpS

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