Als Gabe der Barmherzigkeit

Jeden Tag 40 Kinder und 30 mittellose Familie zu bekochen – das ist keine Kleinigkeit. Und doch eine Selbstverständlichkeit für die orthodoxen und katholischen Christen in Roman/Rumänien. Jeden Tag sorgt eine andere Familie dafür, dass alle satt werden.

Der Tisch für die Kinder ist gedeckt

Der Höhepunkt des Sommers ist vorüber, hier wird traditionell der Herbst schon ab dem ersten September gerechnet. Dieses Jahr ist auch hier in Rumänien alles früher reif. Die Trockenheit kam erst später zu uns, und in manchen Teilen des Landes sind und waren auch schwere Überschwemmungen. In unserer Gegend im Nord-Osten von Rumänien ist es trocken. Wegen des vielen Regens im Juni und Anfang Juli haben die Freilandtomaten eine Krankheit bekommen, und ich musste schon alle herausnehmen. Die Paprika und die Auberginen haben das Wetter mehr geliebt. So schöne und so viele Auberginen von nur vier Pflanzen habe ich noch nie gehabt.

Jeden Tag spendet eine Familie das Mittagessen für die 40 Kinder und noch 30 arme Familien. Hier bei den Orthodoxen und auch bei den Katholiken ist es üblich, für die Verstorbenen eine gute Tat zu vollbringen. Besonders gilt das für die leiblichen Werke der Barmherzigkeit, das heißt: Hungrige zu speisen und da besonders die Armen. Vor dem Essen sind deshalb immer auch die Gebete für die Verstorbenen dieser Familie. Das dauert etwa 20 Minuten. P. Popovici betet und segnet das Brot. Es ist ein runder Zopf aus Weißbrot; auf den wird eine Kerze gesteckt. Danach essen die Kinder und auch die Gastfamilie das Mittagessen. Mittwochs und freitags ist das Essen vegan, weil das Fasttage in der orthodoxen Kirche sind. Außerdem sind noch Fastentage vor bestimmten Feiertagen, besonders natürlich vor Ostern, aber auch Mariä Himmelfahrt. An solchen Tagen gibt es dann Gerichte mit Pilzen, Bohnen, Soja und anderen Gemüsepflanzen. An Festtagen in der Fastenzeit darf Fisch gegessen werden. Ansonsten gilt für die Fastentage strenge vegane Ernährung. Es gibt hier viele Produkte, auf denen direkt aufgedruckt ist, dass sie für die Fastentage geeignet sind, z.B. Kekse, Margarine, Joghurt und verschiedene Sojaprodukte.

Heute wollte ich auch noch ein klein wenig über die politische Lage schreiben. Im Großen und Ganzen halte ich mich ziemlich raus aus der Politik, dazu verstehe ich zu wenig. Was mich am meisten betrifft ist die Lokalpolitik, das bedeutet, wie wird die Situation mit dem Roma-Dorf und die Situation für die Schüler sein. In der Landespolitik ist sehr viel Unruhe, da waren die großen Demonstrationen am 10. August, die mit brutaler Gewalt verschlagen wurden, und jetzt hat die Polizei 400 Anklagen von friedlichen Demonstranten, die dabei teilweise schwer verletzt wurden. Es wurden 450 Demonstranten verletzt, wenigstens eine Person ist an den Verletzungen gestorben. Die Innenministerin oder der Staatschef haben sich bis jetzt noch nicht entschuldigt. Der Präsident Klaus Johannis ist von der deutschen Minderheit, und wird von der Regierungspartei PSD stark angegriffen.

So viel für heute. Liebe Grüße an Euch alle, Gesundheit und Gottes reichen Segen.

Im Gebet verbunden Grüße ich von Herzen,
Eure Sr. Lioba Brand SSpS

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