Aus Solidarität mit den Flüchtlingen

Die 10. ROMARIA-Wallfahrt gedachte der 15.000 Menschen, die in den vergangenen Jahren auf der Flucht über das Mittelmeer starben 

200 Interessierte, Engagierte und Asylwerbende gingen den 24 Kilometer langen Weg der Romaria-Wallfahrt oder Teilstrecken davon, um darauf hinzuweisen, dass Asylwerbende Schutz suchen und brauchen. Die Wallfahrt in Solidarität mit Flüchtlingen fand am 27. April 2019 zum 10. Mal statt, der Weg führte von Schwechat über Wien nach St. Gabriel/Maria Enzersdorf.

Die Stationen am Weg gaben Anlass, sich die Lage von Asylwerbenden in Österreich bewusst zu machen. Der Steyler Missionar Pater Franz Helm wies auf die „verstärkte Abschiebung, gerade auch von gut integrierten Lehrlingen in Mangelberufen“ hin. Auf die Frustration, die sich dadurch auch unter Ehrenamtlichen breitmache. Und darauf, dass die Rettung von Menschen in Seenot im Mittelmeer kriminalisiert wird.

Die neue Mission des Missionshauses

Dass Flüchtende an ihrer Flucht nach Europa gehindert werden, zeigt sich unter anderem auch daran, dass die 27-jährige Geschichte des Caritashauses St. Gabriel in diesen Wochen zu Ende geht. Pater Josef Denkmayr erinnerte daran, dass seit der Gründung St. Gabriels vor 130 Jahren 2000 Missionare von hier in die Welt gezogen sind. „In nur 27 Jahren kamen doppelt so viele Menschen in unser Haus. 4000 Menschen haben im Caritashaus St. Gabriel seit 1992 ein vorübergehendes Zuhause und Betreuung gefunden. Das ist der Caritas zu verdanken und einer großen Schar von ehrenamtlichen HelferInnen.“ St. Gabriel habe durch die Asylwerbenden „eine neue Mission bekommen“. 

Konstantin Weckers Grußbotschaft an die Romaria

„Es geht ums Tun und nicht ums Siegen“ zitierte die letzte Leiterin des Caritashauses St. Gabriel Edith Ivancsits den Liedermacher Konstantin Wecker, der eine persönliche Grußbotschaft an die Romaria-Wallfahrer schickte. Weckers Gruß erinnerte daran, dass die Flüchtlinge „vor unseren Waffen, vor unseren Finanzspekulationen, vor unserer Ausbeutung“ fliehen. Und dass die christlichen Werte orientalischen Ursprungs sind. „Die Bibel ist nicht in Gelsenkirchen oder Strassburg geschrieben worden.“ 

Zukunft des Caritashauses St. Gabriel ungewiss

Pater Franz Helm erinnerte im politischen Abendgebet in St. Gabriel an den Beginn der jährlichen ROMARIA-Wallfahrten. Daniel Vychytil von der Erzdiözese Wien und er wunderten sich schon damals über das immer unmenschlicher werdende Asylwesen in Österreich. „Da hilft nur noch beten!“, waren sie sich einig und gründeten die Tradition der Romaria nach dem Vorbild von brasilianischen Basisgemeinden, die auf Wallfahrten für politische Anliegen beten. Ob die Wallfahrt auch 2020 wieder nach St. Gabriel führen wird, ist nicht sicher. Denn die Idee der Romaria ist, Flüchtlingshäuser zu verbinden, und das Flüchtlingshaus in St. Gabriel ist definitiv Geschichte. Über eine Nachnutzung des 3000 Quadratmeter großen Gebäudetrakts von St. Gabriel eventuell für andere Bedürftige wird mit der Caritas noch beraten.

Monika Slouk

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