Chinesisches Neujahr in Südafrika

Julia war von als Missionarin auf Zeit in Taiwan, wo sie auch das Neujahrsfest gefeiert hat. Im aktuellen Freiwilligendienst in Johannesburg, Südafrika, arbeitet sie bei einer Organisation, die kostenlose psychosoziale Dienste anbietet, überwiegend für Menschen mit Migrationshintergrund aus anderen afrikanischen Ländern. Sie war überrascht, dass das chinesische Neujahr auch in Südafrika gefeiert wird.

In China wurde erst Ende Februar das Jahr der Ratte begrüßt. | Foto: privat

Warm eingemummelt liege ich in meinem Bett, das Licht ist aus und ich bin bereit zu schlafen. Plötzlich höre ich ein Rascheln, das aus meinem Schrank zu kommen scheint. Ich versuche es nicht weiter zu beachten. Dann fällt irgendetwas in meinem Schrank um und weiteres Geraschel ist zu hören. Ich bin mir relativ sicher, dass das eine Ratte sein könnte, die sich gerade durch meinen Schrank wühlt. Einen Augenblick überlege ich, was ich machen soll. Der Gedanke, jetzt aufzustehen und einer Ratte gegenüber zu stehen, reizt mich gar nicht. Da fällt mir ein, dass ich ja schlecht am ersten Tag des Jahres der Ratte, eine Ratte verjagen kann, zumal ich ja selbst vom chinesischen Tierkreiszeichen her eine Ratte bin. Mit der Begründung im Kopf kann ich mehr oder weniger gut schlafen und weiteres Geraschel annähernd ignorieren.

©privatNachdem ich 2014/15 für ein Jahr als Missionarin auf Zeit (MaZ) in Taiwan war, hat mich die chinesische Kultur nie mehr losgelassen. Es war ein prägendes Jahr für mich und das merke ich gerade jetzt, wo ich erneut für einen Freiwilligendienst für ein Jahr im Ausland bin. Dieses Mal hat es mich nach Südafrika gezogen. In Johannesburg arbeite ich bei der Organisation "Sophiatown Community Psychological Services", die kostenlose psychosoziale Dienste anbietet. 

Am Tag nach der Beinahe-Begegnung mit einer Ratte fahre ich mit taiwanischen Freunden zum Nan Hua Tempel, dem größten buddhistischen Tempel Afrikas. Ich habe die beiden Frauen, die schon seit vielen Jahren in Südafrika leben, bei einem Sonntagsmarkt kennengelernt, bei dem sie taiwanische rote Bohnenkuchen verkauften. Voller Begeisterung eine meiner Lieblingsspeisen aus Taiwan in Südafrika zu finden, bin ich damals mit den beiden ins Gespräch gekommen. Heute werde ich die Kuchen bei dem chinesischen Neujahrsfest verkaufen. 

@privatDoch zuerst mache ich mich auf den Weg zum Hauptschrein, wo die Feier mit einem Lichterfest beginnen soll. Auf dem Weg dorthin wird mir noch angeboten meinen Wunsch fürs neue Jahr auf den Wunschbaum zu werfen und wenn mein Band, woran eine Münze befestigt ist, nicht runterfällt, dann geht er in Erfüllung. Später! Zunächst eile ich in die Halle und suche mir einen Platz relativ weit vorne. Buddhistische Mönche beten singend etwas vor. Ein Licht wird weitergeben und nach und nach bringt jeder sein kleines entflammtes Teelicht nach vorne zum Schrein. Eine Nonne heißt alle Willkommen und weist auf die drei Taten der Güte hin: Gutes tun, Gutes sprechen und Gutes denken.

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Auf dem Vorplatz wird das neue Jahr dann mit Gong und ohrenbetäubenden Böllern eingeläutet. Es folgen Drachen- und Löwentanz und ich bin einfach beeindruckt, so viele Menschen zu sehen, die zu den Feierlichkeiten gekommen sind. Bei dem weiteren kulturellen Programm, kulinarischen Besonderheiten wie Bubble Tea und Sojamilch verfliegen die Stunden wie im Flug. 

Schließlich mache ich mich vom Nebentempel wieder auf den Weg zum Haupttempel, um zum Stand meiner Freunde zu gehen. Auf dem Weg dorthin werde ich plötzlich von einem Mann gegrüßt. Zunächst kann ich ihn überhaupt nicht einordnen. Doch dann fragt er weiter, ob ich denn nun schon meinen Wunsch gemacht hätte. Etwas perplex, dass er mich unter so vielen Menschen wiedererkannt hat, erkläre ich ihm, dass ich es jetzt versuchen wolle. Ich komme gerade noch rechtezeitig, um meinen Wunsch aufzuschreiben und auf den Wunschbaum zu werfen, wo er zum Glück hängen bleibt. 

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Das chinesische Neujahrsfest in Südafrika hat mich begeistert und war eine besondere Erfahrung der Diversität Südafrikas, sowie von Anerkennung und Respekt für andere Kulturen, weil so viele Menschen die Gelegenheit genutzt haben, mitzufeiern. Überrascht und gefreut hat mich auch auf so viele Menschen aus Taiwan in Südafrika zu treffen, was mich an meine Zeit als MaZ in Taiwan zurückdenken lässt und viele Erinnerungen weckt.

Die Gedanken gehen vor allem auch zu Freunden in Taiwan und China, weil an vielen anderen Orten weltweit größere Neujahrsfestlichkeiten (wie auch weitere geplante Feiern in Johannesburg) aus Solidarität und aus Betroffenheit über die Auswirkungen des Corona-Virus abgesagt wurden.

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Kommentare (1)

  • Br. Bernd
    Br. Bernd
    vor 6 Tagen
    Ein wunderbarer Bericht! Beim Lesen konnte ich die Ratte hören ...

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