Ein Jahr Missionarin in Indien

Wie war's in Indien? Dies ist die Frage, die Davia in nächster Zeit häufiger hören wird. Hier erzählt sie über ihre Erfahrungen als MaZ.

Ich habe mein Jahr in einem Dorf namens Haflong verbracht, das im wunderschönen Staat Assam im Nordosten von Indien liegt. - Ja genau, da wo der Tee herkommt! Gearbeitet habe ich im Holy-Spirit-Hospital als Krankenpflegerin und an der angrenzenden Krankenpflegeschule als Lehrkraft. Am meisten Spaß hatte ich bei der Arbeit mit den Studenten. Ich kann mich noch genau an meine erste Unterrichtsstunde erinnern. Ich war so aufgeregt vor der Klasse zu stehen, weil ich mir unsicher war, ob mich die Schüler akzeptieren würden oder nicht. Schließlich habe ich erst kurz bevor ich nach Indien gekommen bin meine Ausbildung abgeschlossen. Als ich aber in die Klasse reinkam waren die Zweifel so gut wie verschwunden. Die Schülerinnen waren immer freundlich, zuvorkommend und ihnen war es auch egal, wenn ich mal einen Fehler machte.

Auch im Krankenhaus habe ich mitgeholfen. Zum Beispiel, wenn Operationen stattfanden oder mal ein Notfall war. Das Krankenhaus hier gibt es noch nicht so lange, jedoch arbeiten die Schwestern hart daran, es voran zu bringen und diese Arbeit trägt auch Früchte. 

Gelebt habe ich mit den Schwestern und es war nicht immer einfach sich den Regeln des indischen Convent-Lebens anzupassen. Schließlich habe ich aber meinen Weg gefunden und mich wohl gefühlt. Wenn ich dann doch etwas Convent-Auszeit benötigt habe, habe ich mich mit den Krankenschwestern getroffen, die im Krankenhaus arbeiten und von denen sich besonders zwei als richtig gute Freunde entpuppt haben. Diese beiden werde ich wohl in Deutschland dann sehr dolle vermissen. Mit denen bin ich auch auf verschiedene Hochzeiten, Tänze, Veranstaltungen gegangen, speziell zu denen ihres Dimasa-Tribes. 

Nun scheint es so als wäre ich am Ende meiner Mission, denn ich bereite mich gerade darauf vor, wieder nach Deutschland zurückzukehren. Wenn man aber etwas genauer hinsieht hat sich so einiges geändert. Zurzeit meiner Ankunft in Indien war ich so voller Neugier und habe überall etwas ungewohntes entdeckt. Jetzt ist hier alles für mich zur Gewohnheit geworden. Ich habe Indien nun fast schon als mein zweites Zuhause angenommen. Das liegt vor allem an den Menschen, die mich in der Zeit begleitet haben und mir mittlerweile echt ans Herz gewachsen sind. Ich finde es ist bewundernswert einen Menschen, den man nicht kennt und der aus einem anderen Land kommt so herzlich aufzunehmen wie ich hier aufgenommen wurde. Und dass, obwohl der Umgang mit mir wahrscheinlich nicht immer so ganz einfach gewesen ist. Die Situation als Freiwillige ist nicht leicht zu beschreiben, aber ich kann nur sagen, dass es auch nicht immer leicht für mich war. 

Ich glaube mit dem Freiwilligenjahr ist es wie mit allen anderen Dingen im Leben: Probleme geben Raum, um zu wachsen. Probleme erscheinen uns im ersten Moment nervig, ohne die das Leben aber ganz schön langweilig wäre. Wie genau ich aus meinen Problemen gewachsen bin und mich verändert habe, wird sich wahrscheinlich erst in Deutschland zeigen. Natürlich sind nicht alle Differenzen aus der Welt geschafft. 

Mit einigen Aspekten der indischen Kultur kann ich mich nach wie vor nicht anfreunden. Beispielsweise das Kastensystem oder die Rolle der Frau hier in Indien. Aber sind wir mal ehrlich. Gibt es in der deutschen Kultur keine Probleme? Es ist immer leichter auf andere zu zeigen, als die eigene Denkweise zu hinterfragen. Kurzgefasst: Jede Kultur hat seine schönen Seiten, aber auch Ecken und Kanten.

Somit danke ich allen, die mich in dieser Zeit begleitet haben, mir die Zeit versüßt haben, mich verstanden haben und mir ihre Kultur so nah wie möglich gebracht haben. Mir hat der Aufenthalt in Indien sehr gefallen und freue mich schon auf ein Wiedersehen.

Davia H.

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