Eine intensive Zeit

Fünf Monate verbrachte Sr. Thao Nguyen im Rahmen ihres Noviziatspraktikums in unserer "Gemeinschaft in Bewegung" in Athen. Die Begegnungen mit den Geflüchteten haben sie stark beeindruckt.

Die Kommunität in Athen: Sr. Thao (Mitte) mit Sr. Preethi (links) und Sr. Ada (rechts).

In Athen bin ich mit vielen Facetten des Lebens in Berührung gekommen: jugendlicher Lebensfreude, Enthusiasmus, Engagement, hoffnungsvoller Erwartung auf die Antworten der Zulassungspapiere, unerwartete Abschiede, Gottesbegegnung in Menschen und Freundschaften, Leiderfahrungen, fremder und eigener Ohnmacht und Hilflosigkeit ausgesetzt zu sein. Dort verbrachte ich die intensivste Zeit meines bisherigen Lebens.

Am 4. Juni kam ich mit Sr. Marie José Rebelo in Athen an. Sie blieb für einen ganzen Monat bei uns, um uns bei der Kommunitätsbildung zu unterstützen und auch bei den Flüchtlingen zu sein.

In den ersten Monaten gingen Sr. Ada und ich mit einem kleinen Team vom  Jesuiten-Flüchtlingsdienst (JRS) zweimal in der Woche zu einem Camp, das außerhalb Athens liegt. Dieses Camp ist besonders fragil und chaotisch. Das alltägliche Leben der Geflüchteten wird dort nicht von einer Organisation begleitet. Die Kinder gehen nicht zur Schule. In ihrem Alltag haben die Kinder und Erwachsenen bis heute keine Beschäftigungen. Sie leben unter katastrophalen hygienischen Bedingungen und unter enormer Unsicherheit hinsichtlich ihrer Zukunft.

Viele wurden physisch und psychisch krank. Da sie keinen Zugang zu medizinischer Versorgung haben, sind sie auf sich allein gestellt. Sie sind dieser miserablen Situation ausgesetzt, in der es ihnen noch schlechter geht, als in ihrem Heimatland. Junge Männer begehen Selbstmord oder werden sehr aggressiv, weil sie diese Lebensbedingungen für einen längeren Zeitraum nicht mehr ertragen können.

Bis Oktober konnten wir dort Kinderaktivitäten und Gespräche anbieten. Danach wurde es für uns und andere Organisationen unmöglich, das Camp ohne offizielle Erlaubnis zu betreten. Das strategische und politische Ziel der Regierung ist es, alle Camps in schlechten Bedingungen zu belassen, damit die dort Lebenden keine „Werbung“ machen und keine neuen Flüchtlinge anziehen. Gleichzeitig lassen sie einen Eintritt in die Camps nur unter strengen Auflagen zu, damit kein negatives Bild nach außen dringen kann.

Einen anderen Teil meiner Kapazität widmete ich den Menschen im Shelter (Unterkunft) des JRS sowie der Kontaktpflege zu den freiwilligen Helferinnen und Mitarbeitern. Jeden Freitag feierten wir zusammen mit einem Teil der Freiwilligen, der Mitarbeiter und Flüchtlinge den Gottesdienst in unserem kleinen Gebetsraum mit anschließendem Mittagessen für alle. In diesem spirituellen Raum durften wir zusammen unsere Sorgen und die Menschen vor Gott bringen und um sein Erbarmen bitten.

Unsere geleistete Arbeit ist weniger als ein Tropfen auf den heißen Stein. Deshalb bitte ich Euch weiterhin um das Gebet für die Flüchtlingsarbeit in Athen, für unsere Gemeinschaft, für die Mitarbeiter und nicht zuletzt für die Flüchtlinge, denen wir dienen dürfen.


Sr. Thao Nguyen

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben

Aus welchem Land suchen Sie Neuigkeiten?