Eine Mission für Europa

Sr. Ada Lick beschreibt in ihrem neuen Rundbrief aus Griechenland Szenen, die unter die Haut gehen. Geschichten von Menschen, denen geholfen wird, und solchen, die helfen. Berührendes, Verstörendes, Empörendes, Hoffnungsvolles.

Sr. Ada kümmert sich um kleine und große Patienten in Athen

Wieder einmal ein kurzer Gruß und Bericht von uns Dreien aus Athen. Zuallererst danken wir für Euer MIT-UNS-SEIN im Gebet und sonstigen Hilfen, für alle Briefe und Informationen! Wir fühlen uns wirklich getragen und weltweit mit unserer SSpS-Gemeinschaft verbunden. Für das deutsche Provinzkapitel haben wir natürlich extra gebetet, wussten wir doch, dass es dabei auch um unser Griechenland geht. Aber nun Einiges von hier.

Anfang Juni kam Sr. Thao, unsere Novizin aus Deutschland, in Begleitung von Sr. Maria Jose, zu uns. Sr. Thao ist sehr aktiv und mit den anderen Freiwilligen zusammen viel unterwegs. Hier geht es vor allem um das Flüchtlingslager eine Stunde von Athen entfernt, wo sie bislang zwei Mal wöchentlich hingefahren sind. Sr. Preethi ist eingespannt in die Alltagssorgen unserer Flüchtlinge, aber auch von Hilfe- und Wohnungssuchenden von auswärts. Und ich bin so quasi "Mädchen für alles" und fühle mich auch als Krankenschwester gebraucht.

Die negative Flüchtlingspolitik vom übrigen Europa bekommen auch wir hier stark zu spüren, ganz abgesehen von Lesbos. Wie vielfach schon bekannt, besuchen wir seit Ostern oben erwähntes Flüchtlingslager. Es ist ein großes Gebäude und wurde schon bis November 2017 als solches benutzt. Von überall her aus Griechenland wurden nun Menschen dorthin gebracht und keine Organisation war richtig zuständig.

Es war kalt und viele der 400 Menschen waren krank. Unsere Jesuiten wurden aktiv und baten mich, mitzukommen. Das erste Mal, erinnere ich mich, habe ich mit P. Maurice SJ, unserem Direktor, einige Stunden stehend im Gang-Medikamente verteilt. Danach fuhren wir mit unseren Freiwilligen sogar alle zwei Tage dahin, bis sich die Lage etwas gebessert hatte. Die einen von unserer Gruppe halfen den Kranken und die anderen beschäftigten sich mit den Kindern. Auch diese fühlten sich sehr verlassen, weil es keine Aktivitäten wie Unterricht oder ähnliches für sie gab.

Einmal, ich war voll beschäftigt, kniete sich plötzlich ein junger Mann nieder, zog meine Sandale aus und küsste meinen rechten Fuß. Danach stand er auf, küsste meine Hand und verschwand. Dabei war es gar kein Patient von mir, sondern nur ein Zuschauer. Das zeigt nur, wie dankbar die Menschen wegen unserer Hilfe waren. Leider musste ich meine medizinische Hilfe einstellen, weil Bedenken kamen: "Was, wenn etwas passiert; Sr. Ada ist ja nur Krankenschwester..."

Seit einiger Zeit gehe ich mit den Mutter-Teresa-Schwestern zu den Obdachlosen. Erst war die Begegnung im Park, aber seit dieser für solche Menschen gesperrt ist, werden sie buchstäblich in den Straßen gesucht und auch gefunden. Die freundliche Art der Schwestern, wie sie mit diesen oft armseligen Gestalten auch in der Öffentlichkeit umgehen, beeindruckt mich tief! Es werden Nahrung und Getränke verteilt. Im Nu ist das Auto von Menschen umringt. Wunden dürfen auch auf offener Straße versorgen werden....

Einen Mann besuche ich seither alle 2-3 Tage, weil er - nur auf einem Betonpflaster liegend und von einem schmalen Dachvorsprung etwas geschützt – große und tiefe Wunden am Bein, am Gesäß (Dekubitus) und den Fingern hat. Dies alles ohne jeglichen Verband und Schmutz rundum. Das nächste Mal hatte er Hunger - ich kaufte etwas im Shop. Seither nehme ich heißen Milchkaffee und etwas zum Essen mit. Alleine dahin zugehen ist nicht ratsam – Drogensüchtige! Ich denke, auch mein Iraner ist ein solcher. Nicht weit weg wäre nämlich auch ein "Arzt ohne Grenzen", aber ich merkte sofort ein großes Unverständnis dafür. Matthäus aus Frankreich begleitet mich gerne, wie er sagt, auch morgen wieder. Es ist 45 Minuten von hier - mitten in der Stadt und ganz in der Nähe eines Marktes, wo Fleisch und anderes verkauft wird.

Bei dieser Arbeit lernte ich auch die "Gemeinschaft von Papst Johannes XXIII." kennen. Es sind Familien. Sie leben mit "Menschen am Rande" zusammen und sind in 26 Ländern weltweit vertreten. Es ist eine Familie aus Italien, die andere aus Frankreich. Wenn nötig, helfen sie den Mutter-Teresa-Schwestern. Genaueres darüber weiß ich nicht.

Vor Kurzem durfte endlich unsere zweite Familie hier in unserem Hause nach Deutschland ausreisen. Beide waren aus Afghanistan und wir hatten ein sehr gutes Miteinander. Beim Abschied wurde regelrecht geweint von beiden Seiten. Solche Begegnungen und Momente sind immer auch Geschenke, die wir bekommen. Das sind aber auch bleibende Geschenke für unsere Muslime und unsere Zukunft in Europa, denke ich! "Gutes Empfangen" ist bleibend und wir drei sind überzeugt: Unser Hiersein ist zugleich auch MISSION für Europa!

Mittlerweile haben wir sechs afrikanische Frauen mit Kindern in unserem Heim. Eine davon hat ganz liebe Zwillinge - leider alle ohne Vater. Unser Haus ist wirklich voller Schicksale, aber ich bin dankbar dafür, dass wir "mittragen" dürfen, wenn auch nur in ganz kleinem Ausmaß im Vergleich zu den Betroffenen!
 
Wir vertrauen fest auf das Wirken des Heiligen Geistes und Euer Gebet. Allen unseren Helferinnen und Helfern - es sind viele, wir wissen es - möchten wir danken und "Vergelt`s Gott" sagen! Unser DANK ist GEBET!

Und darin verbunden, auch im Namen von Sr. Preethi und Sr. Thao,
grüßt ganz herzlich, Sr. Ada

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