Mission auf Kuba: "Vieles ist momentan ungewiss"

P. Hans Weibel, seit 2014 als Steyler Missionar in Kuba tätig, ist auf Heimaturlaub in der Schweiz. Ein Gespräch mit ihm über die politische, kirchliche und soziale Situation auf der Karibikinsel.

Hans Weibel, aufgewachsen im luzernischen Schongau, ist für ein paar Wochen zurück in der Schweiz. Seit fünf Jahren arbeitet der Pater in der Stadt Mayarí. Sie hat rund 100'000 Einwohner und liegt im Nordosten der Insel. Die Pfarreiseelsorge und die Jugendarbeit stehen hier im Zentrum seiner Arbeit. "Es ist momentan sehr schwierig, vieles ist ungewiss", sagt er, angesprochen auf die Situation der Menschen in Kuba. Seit einem Jahr ist erstmals seit 60 Jahren kein Castro mehr Präsident. An der Macht ist nun Miguel Díaz-Canel, Schwiegersohn von Raúl Castro. Hans Weibel zeigt sich skeptisch, ob die vom Präsidenten angekündigten Reformen, wirklich so kommen oder sich als schöne Versprechungen ohne Wirkung erweisen: "Die wirtschaftliche Situation ist immer noch schlecht. Die Leute – auch wir – wissen nicht, ob es am nächsten Morgen beim Bäcker Brot gibt. Alles ist rationiert, es gibt Essensmarken. Und die Esswaren, die die Menschen bekommen, reichen vielleicht für 10 Tage statt für den ganzen nächsten Monat."

Das Seelsorge-Team in Mayarí sei mittendrin in dieser Situation, erzählt P. Weibel: "Wenn die Leute am Morgen kommen, dann gibt es immer zwei Themen: Krankheiten und Ernährung, also konkret die Frage: Wo finden wir etwas zu essen?" Viele Menschen hätten immerhin ein paar Hühner, und die Eier gelten als "salva vida", also Lebensretter. Eigeninitiative gebe es selten, und wenn es doch Bauern gebe, die mehr anpflanzten als sie selbst brauchen, dann werde das vom Staat noch konfisziert. 

Schwerpunkt "Gemeinde aufbauen"

60 Prozent der Bevölkerung sind hier "auf dem Papier" katholisch und die katholische Verankerung ist noch da, obwohl Kuba früher ein atheistischer Staat war. Inzwischen steht die Religionsfreiheit in der Verfassung, und viele Menschen praktizieren ihren Glauben wieder in der Gemeinschaft. In der großen "Steyler" Gemeinde sind nur zwei Priester und vier Schwestern tätig, so dass sie auf die Unterstützung von Gemeindeleitern in den Außenstationen und viele freiwillig Engagierte angewiesen sind. Rund 40 Leute helfen in der Leitung der Gemeinde mit, wo es neben der Seelsorge vor allem um Weiterbildung und Bewusstseinsbildung geht. Gleichzeitig gibt es zwei Caritas-Küchen in der Pfarrei, wo die Ärmsten ein- bis zweimal pro Woche verpflegt werden.

"Die Leute kommen einfach und erzählen von ihren Sorgen. Sie schätzen es sehr, dass ihnen einfach mal jemand zuhört", sagt Pater Weibel und betont, wie wichtig diese "Hör-Seelsorge" sei. Der Schwerpunkt der Arbeit ist "Gemeinde aufbauen" – und dazu gehören alle: "Hier sind wir gut unterwegs". Die Besuche von drei Päpsten (Johannes Paul, Benedikt und jetzt Franziskus) habe die ganze Bevölkerung gestärkt, aber auch die Glaubenspraxis positiv beeinflusst, findet Hans Weibel. In den Kirchen, die während der kommunistischen Zeit stehenblieben, darf man heute wieder Kerzen anzünden und Eucharistie feiern. 

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