„Mission heißt Entwicklung und Bewahrung“

Zum Welttag der indigenen Bevölkerungsgruppen am 09. August ein Blick nach Papua Neuguinea zu Pater Victor Roche SVD 

Wenn Pater Roche durch die Dörfer im Hinterland läuft, sieht er an jeder Ecke Menschen hoch oben in den Bäumen sitzen. Ein ganz normaler Anblick in Papua Neuguinea. Was sie dort machen? „Sie telefonieren“, erzählt er. „Denn dort oben gibt es mittlerweile sogar in den dichten Regenwäldern ein Signal. Wenn der eine fertig ist, klettert der nächste hinauf.“ 

Im Jahr 1981 kam Pater Victor Roche SVD als Missionar in das Land im südwestlichen Pazifik. Erst wenig später öffnete die Regierung bestimmte Regionen des Inselstaates, die zur Sicherheit vor Kannibalen für Ausländer gesperrt waren. Heute, fast 40 Jahre später, sei der Fortschritt in allen Bereichen des Lebens tagtäglich sichtbar, sagt Pater Roche. „Es gibt Infrastruktur in den Städten, neue Brücken, Strom und Internet“, berichtet er. Wichtig seien aber natürlich vor allem die wachsenden Möglichkeiten, Zugang zu Bildung sowie zu medizinischer Versorgung zu erhalten.

© SVDMit Hilfe der Steyler Missionare konnten in den letzten Jahren zahlreiche Schulen sowie Krankenhäuser errichtet, bis heute betreut und damit weitere Schritte aus der Armut heraus unternommen werden. „Und auch in den Dörfern im Hinterland geht es vorwärts. Häuser, die vorher aus Buschmaterial gebaut wurden, werden massiver. Das führt dazu, dass sich die Bevölkerungsstrukturen verändern. Viele ziehen in die Städte, weil es dort Arbeit gibt, sodass sich die alten Stammesstrukturen auflösen. Trotzdem hat der Stamm an sich immer noch eine große Bedeutung für die Einwohner. Und das ist auch ganz wichtig“, so der Missionar. „Natürlich wollen wir Steyler den Menschen helfen, indem wir die Entwicklung vorantreiben. Gleichzeitig aber ist es essenziell, die Traditionen und Strukturen der Bevölkerungsgruppen zu bewahren“, weiß P. Roche. Dass viele in die Städte zögen, habe zum Beispiel zur Folge, dass die Alten zurückblieben. In den Stämmen sei es noch selbstverständlich, dass sich die Jungen um die Alten kümmerten. „Mit der Urbanisierung stehen wir aber vor neuen Herausforderungen.“

Nach acht Jahren als Generalsekretär der katholischen Bischofskonferenz Papua Neuguineas ist Pater Victor Roche SVD zurzeit im Sabbatjahr. Dieses möchte er besonders dem Thema der Re-Evangelisierung widmen. „Mission heißt Entwicklung. Dadurch stehen wir Steyler Missionare immer vor neuen Herausforderungen“, erklärt er. „Denn Entwicklung heißt auch Zunehmen von Möglichkeiten. In Papua Neuguinea steht der Glaube zurzeit noch im Mittelpunkt des Lebens. Mit fortschreitender Entwicklung lässt sich allerdings eine leichte Tendenz erkennen, dass die Bedeutung von Kirche und Religion sinkt.“ Aufgrund dieser Beobachtung sei er auch zurzeit in Deutschland unterwegs. Es folgten noch Italien und die USA. „Hier ‚brauchen‘ viele Menschen die Kirche nicht mehr. Anhand von Gesprächen, Erfahrungen und Beobachtungen möchte ich Wege finden, wie wir den Glauben lebendig halten bzw. sogar neu erwecken können.“ Die Ergebnisse nehme er wieder mit nach Papua Neuguinea, um sie dort in ein Pastoralkonzept umzusetzen. „Im Stamm richten sich das ganze Leben und der Alltag noch nach der Kirche aus. Wie wird das aber in Zukunft aussehen?“, fragt er.

Melanie-Pies Kalkum

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