SVD-Bischof: Wie die Kirche in Indien in der Coronakrise hilft

Erzbischof Leo Cornelio berichtete in einer Online-Konferenz über die Corona-Hilfe in der Diözese Bhopal und forderte globale Solidarität.

Erzbischof Leo Cornelio SVD leitet die Erzdiözese Bhopal.

Als die Corona-Pandemie im April auch die zentralindische Stadt Bhopal erreichte, gingen rund 45 Ordensfrauen, Priester, Ordensbrüder und Laien in die Slums der Stadt, um die Bewohner nach Corona-Symptomen zu befragen. Die mit Schutzanzügen und Masken ausgerüsteten kirchlichen Mitarbeiter besuchten in drei Tagen mehr als 8.600 Familien mit fast 36.000 Personen. Mögliche Verdachtsfälle wurden der Gesundheitsbehörde gemeldet, um Tests auf das Corona-Virus zu veranlassen.

Das Projekt ging auf eine Initiative der Erzdiözese Bhopal zurück, an deren Spitze mit Erzbischof Leo Cornelio, 75, ein Steyler Missionar steht. Die katholische Kirche ist im Bundesstaat Madhya Pradesh eine verschwindend kleine Minderheit. Dennoch ist sie im Bildungsbereich und mit Sozial- und Gesundheitsprojekten sehr präsent. Bischof Cornelio sprach bei einer Online-Konferenz unter dem Titel „Globale Krise – Globale Kirche“, bei dem Projektpartner kirchlicher Hilfswerke aus Asien, Afrika und Lateinamerika über die Corona-Situation in ihrem Land und über kirchliche Hilfsmaßnahmen berichteten.

©Diözese BhopalGlobal denken, lokal handeln

Um weltweite Herausforderungen wie die Corona-Krise zu bewältigen, bedürfe es gemeinsamer Anstrengungen nach dem Prinzip „think global, act local“ (global denken, lokal handeln), betonte Erzbischof Cornelio. Von der Pandemie sei jeder betroffen, egal ob arm oder reich, egal welcher Religion er oder sie angehöre. „Wir sind alle Schwestern und Brüder.“

Auch heute, da die Welt ein globales Dorf sei, brauche es die mit bestimmten Orten verbundene Identität. Das Denken dürfe sich aber nicht darauf beschränken. „Wir müssen dort helfen, wo Not herrscht und solidarisch mit den Armen sein, die sich nicht selbst helfen können.“ Sich als „Weltbürger“ zu verstehen, bedeute, allen Menschen – unabhängig von Nation, Ethnie, Sprache, sozialer Stellung und Religion – respektvoll zu begegnen. Der Steyler Missionar appellierte an die Menschen in Europa, „nicht auf die Welt außerhalb ihres Landes zu vergessen“.

©Diözese BhopalUnterstützung durch die Steyler

Mit ihrer Hilfsorganisation „Samman“ ist die SVD schon viele Jahre mit Selbsthilfegruppen, Sozialprojekten und Bildungsprogrammen in den Slums von Bhopal präsent. „Ein unkontrollierter COVID-19-Ausbruch in den Slums, in denen so viele Menschen auf engsten Raum leben, hätte furchtbare Folgen“, weiß Susanne Pell von der Missionsprokur St. Gabriel International, die wenige Wochen vor Ausbruch der Pandemie Projekte in Bhopal besucht hatte. „Die Menschen in den Slums gehören zu den Randgruppen der Gesellschaft, die keinen Zugang zum öffentlichen Gesundheitssystem haben. Deshalb waren die Corona-Voruntersuchungen der Diözese von unschätzbarem Wert“, betont Pell.

Die neue Zentrale von „Samman“ wurde mit Hilfe der Steyler Missionsprokuren in Österreich, Deutschland und der Schweiz sowie der lokalen SVD-Provinz errichtet. „Natürlich haben wir unsere Partner auch in der Coronakrise nicht im Stich gelassen und ihnen ermöglicht, die Sozialarbeiter weiter zu beschäftigen. Es ist wichtig, dass dieses Netzwerk weiterhin funktioniert“, erklärt Pell.

©Diözese BhopalErsatz für weltkirche.tagung

Bei dem Webinar „Globale Krise – Globale Kirche“ kam neben Erzbischof Cornelio auch der aus Beirut zugeschaltete Jesuitenpater Daniel J. Corrou zu Wort. Der Regionalleiter für den Mittleren Osten und Nordafrika beim Jesuiten-Flüchtlingsdienst JRS berichtete über die Auswirkungen von COVID-19 im Libanon und informierte über JRS-Projekte im Nordirak, in denen von Krieg und Genozid gezeichnete Christen, Muslime und Jesiden psychologische Unterstützung bekommen. Eine Vertreter der Christlichen ArbeiterInnenjugend auf den Philippinen sowie das Vikariat Soddo in Äthiopien sandten Videobotschaften.

Das Online-Seminar diente als Ersatzprogramm für die diesjährige „weltkirche.tagung, die wegen der Corona-Pandemie auf 2021 verschoben werden musste. Sie wurde von der Koordinierungsstelle der Bischofskonferenz für Entwicklung und Mission (KOO), den Ordensgemeinschaften und der Missions-Verkehrs-Arbeitsgemeinschaft (MIVA) organisiert.

Ursula Mauritz/kathpress

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