Zukunftspläne statt Angst vor dem Ruhestand

Vom Bayrischen Wald zog es ihn einst als Missionar in die weite Welt. Nach seinem Abschied aus der Pfarrseelsorge in Wien ist Pater Hans Ettl nach St. Gabriel zurückgekehrt.

Immer mittendrin: Hans Ettl SVD

In einem Alter, in dem andere Menschen schon ein Jahrzehnt in Rente sind, blickt Pater Hans Ettl SVD, 75, neugierig und voller Tatendrang in die Zukunft. Ende August ist der Ordensmann ins Missionshaus St. Gabriel zurückgekehrt.18 Jahre war Hans Ettl im 10. Wiener Gemeindebezirk als Seelsorger tätig gewesen. Gerne schaut er auf diese Zeit zurück: „Ich hatte immer das Gefühl, angenommen und wertgeschätzt zu sein!“

©privat, Pfarre Zum Göttlichen WortDabei sah Hans Ettl anfangs seine Berufung als Missionar auf einem anderen Kontinent und nicht als Pfarrer in Europa. Als junger Mann lernte der gebürtige Bayer die Steyler Missionare durch Vorträge und die Zeitschrift 'stadtgottes' kennen. Er begann Philosophie und Theologie in München zu studieren, mit dem Ziel Priester zu werden. Bald war ihm aber klar: „Ich will nicht in einer Pfarre im Bayrischen Wald sitzen bleiben, sondern als Missionar in die ‚weite Welt’ gehen, wo sie mich vielleicht mehr brauchen.“ Um seinen Plan zu verwirklichen, beschloss er, sich einem Missionsorden anzuschließen und trat 1967 ins Noviziat der Steyler Missionare in St. Gabriel ein. „Ich war fasziniert vom offenen Geist und der Aufbruchsstimmung, die hier nach dem 2. Vatikanischen Konzil herrschten“, erinnert sich Pater Ettl. Nach der Priesterweihe reist er 1974 nach Argentinien. Die Ordensoberen hatten seinen Wunsch, nach einer Missionsbestimmung in einem lateinamerikanischen Land entsprochen. In der Region „Misiones“ im Nordosten Argentiniens betreuten die Steyler Missionare Pfarren und Schulen.

Hans Ettl war zunächst als Kaplan in den kleinen Land-Gemeinden tätig. „Wir kamen einmal im Monat in die Gemeinden, um Messe zu feiern und die Katecheten und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Glaubensweitergabe zu unterstützen“, erzählt der Steyler Missionar. Neben Einwanderern aus Europa und Japan lebten in Misiones auch Kreolen und kleine Gruppen von Guaraní-Indios. Bald war Pater Ettl auch für die Berufungspastoral zuständig und begleitete junge Männer, die Interesse am Ordensleben hatten.

©privat, Pfarre Zum Göttlichen WortAls Missionar in Europa

1989 kehrte er nach Österreich zurück. Seine Erfahrungen in der Mission konnte er nun in der Leitung des Noviziats und Postulats einbringen. Im Anschluss an diese Aufgaben übernahm er für sechs Jahre das Amt des Rektors im Missionshaus St. Gabriel. „Ich dachte immer, ich kehre wieder zurück nach Argentinien“, sagt Hans Ettl im Rückblick. Doch schließlich entschied er sich dafür, in Österreich zu arbeiten. Mit 56 Jahren wollte der Steyler Missionar allerdings unbedingt wieder „an die Front“ gehen und nicht im Missionshaus bleiben.

„Der Orden hat 1990 festgelegt, dass auch Europa Ziel unserer missionarischen Arbeit ist. Dass hat für mich eine neue Perspektive ergeben: Mir war klar, dass die Mitbrüder, die aus anderen Kontinenten nach Europa kommen, Begleitung und Unterstützung brauchen sowie Orte und kleine Gemeinschaften, an denen sie Pastoralpraxis sammeln können.“

Steyler Geist in der Gemeinde

Zusammen mit den Steyler Schwestern, die einen Kindergarten, und eine Schule führten und in der Pfarre tätig waren, drückten Pater Ettl und die jungen Mitbrüder aus den verschiedensten Ländern seiner neuen Wiener Gemeinde einen „Steyler-Stempel“ auf. Weite Welt-Spiritualität und die Beschäftigung mit dem Wort Gottes in Bibelgruppen und der Dialog mit anderen Kulturen und Religionen waren spezielle Akzente. Bei „Kulturabenden“ kamen Menschen unterschiedlichster Herkunft zusammen.

Mit 75 Jahren äußerte Hans Ettl bei der Ordensleitung den Wunsch, die Pfarrarbeit zu beenden und wieder nach St. Gabriel zurückzukommen. „Ich wollte bei meiner Rückkehr noch aktiv und nicht schon pflegebedürftig sein.“ Für die Zukunft hat Pater Ettl bereits Pläne: „Ich habe zwei Hände, die eine würde ich gern im Sinn der Ordensgemeinschaft verwenden, zum Beispiel beim Aufbau eines Steyler Freundeskreises. Die andere Hand möchte ich im Sinn der Pastoral nach außen einsetzen. Ich könnte mir zum Beispiel vorstellen, in einem Hospiz oder in der Krankenhausseelsorge mitzuarbeiten.“

Ursula Mauritz

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