Weltweit

Algen: Ein Stoff für alle und alles

Er steckt in Softdrinks, Shampoos oder Fertiggerichten und wird aus Rotalgen gewonnen, die Frauen im seichten Wasser vor den Küsten Sansibars anbauen. Weltweit boomt die Nachfrage, auch weil er Vegetariern und Veganern tierische Produkte ersetzt. Aber das Geschäft mit den Rotalgen ist bedroht, unter anderem durch den Klimawandel

Im Wasser stecken Reihen mit Holzpflöcken. Hier wachsen Algen.

Türkisblaues Wasser und weißer Sand, soweit das Auge reicht. Paje Beach im Südosten Sansibars ist der Traum aller Touristen.

Hier lebt Mwanaisha Makame. Mit zusammengekniffenen Augen blinzelt sie über die Bucht. Die grelle Sonne, der weiße Strand und die salzige Luft – alles eine Strapaze für die Augen. „Aber wir müssen nach unseren Algen sehen.“ Die 45-Jährige wickelt ihr buntes Kopftuch fest, zieht den langen Rock etwas hoch und watet durch das lauwarme Wasser, gemeinsam mit zwei anderen Algenfarmerinnen. Ihr Ziel liegt hinter der leichten Brandung, die auf den Strand zurollt. Dort stecken Reihen mit Holzpflöcken im Sand, seicht umspült von dem Wasser des Indischen Ozeans, das auch hier draußen immer noch flach und sehr warm ist. Die Frauen bücken sich, zupfen Unkraut, befestigen einige Algen neu und sammeln vereinzelte Verschmutzungen heraus. Auch ernten sie einige der Algen. Am Ende tragen die Frauen einige gelbgrüne Bündel an den Strand. Mwanaisha Makame zeigt auf eines der Bündel, in dem sich glibberige Stängel voller Verästelungen wie Würmer aus Gummi umeinanderschlängeln. „So sieht sie aus, die Wunderpflanze, die sie überall auf der Welt brauchen.“

@Jörg BöthlingNicht gerade appetitlich. Doch das spielt keine Rolle für das Endprodukt Carrageen, das aus diesen schnell wachsenden Wasserpflanzen gewonnen wird. Als E 407 bindet und verdickt Carrageen Tortenguss, Joghurt und andere Milchprodukte, Softdrinks, Pudding oder Fertiggerichte. Vor allem auch die wachsende Menge der Vegetarier und Veganer verspeist es häufig. Anwendung findet Carrageen zudem in vielen Kosmetika und Körperpflegemitteln, in der Farbenindustrie oder als Zutat in Arzneimitteln. „Die Nachfrage steigt seit Jahren mit den immer noch wachsenden Möglichkeiten der Anwendung“, sagt eine Sprecherin von Cargill, einem der weltweit größten Hersteller von Carrageen.

Umgerechnet 40 Eurocent gibt es für ein Kilo; pro Monat 30 bis 40 Euro. Ist das ein gerechter Preis? Ein Kilo Carrageen kostet bei uns ein Vielfaches. Jina Makame zuckt mit den Schultern. Der Preis sei dank des Engagements des Seaweed Cluster besser als früher: „Er ist aber immer noch zu niedrig.“ Und ob das weiterhin eine Stütze für ihre Familien sein kann, haben sie nur bedingt selbst in der Hand. Wird die Erderwärmung nicht gestoppt, könnten ihnen höchstens neue Rotalgen-Sorten helfen, denen die steigenden Wassertemperaturen nicht zusetzen. Ansonsten gibt es am Strand von Paje bald nur noch Touristen. 

Die ganze Geschichte lesen Sie bei uns im Heft.

Klaus Sieg

Januar 2020

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