Interview

Anja Kruse: Dialog ist wahnsinnig wichtig

Die Schauspielerin Anja Kruse ist aus zahlreichen TV-Serien und Filmen bekannt. Berühmt wurde Sie unter anderem durch ihre Rolle in "Der Schwarzwald-Klinik".

Unsere Redakteurin Melanie Fox mit der Schauspielerin Anja Kruse, die bereits 1984 die "Goldene Kamera" erhielt.

Für sein Glück ist man selbst verantwortlich, auch das mussten Sie lernen. Wie haben sich seither die Beziehungen in Ihrem Leben verändert?

Die anderen Menschen sind der Spiegel für einen selber. Also: Wie ich in den Spiegel hineinschaue, reflektiert mich das Spiegelbild. Insofern haben sich meine Beziehungen zu anderen Menschen erheblich verändert. Ich kam früher mit Leuten oft gar nicht klar, weil ich sie aus völlig belanglosen Gründen abgelehnt habe. Heute begegne ich meinem Gegenüber mit meiner größtmöglichen Freundlichkeit, Empathie, einfach positiv. Da kommt so viel mehr an Positivem zurück und auf einmal ist es so, als ob man Schmieröl in seine Beziehungen und Vernetzungen gegeben hat. Es macht den Umgang mit anderen Menschen und somit auch das Leben leichter.

Können Sie gut verzeihen?

Teils, teils. Es gibt Dinge in meinem Leben, die sind unverzeihlich und unvergesslich. Ich bemühe mich um eine weise Ansicht der Dinge. Die Person, die mir in meinem Leben Schwierigkeiten gemacht hat, hatte eine bestimmte Funktion. Kann ich jetzt dieser Person verzeihen oder es vergessen? Ich halte es eher so, dass ich das ganze theorisiere und es als eine teuflische Funktion in meinem Leben sehe. Dennoch gibt es Menschen in meinem Leben, die will ich einfach nicht wiedersehen. Mir selbst kann ich ganz gut verzeihen, ich ärgere mich schon über mich, aber nicht lange, das macht keinen Sinn und ist auch nicht sehr hilfreich.

Können Sie denn gut loslassen?

Ein buddhistisches Sprichwort sagt: Die Hand, die etwas loslässt, zeigt auf etwas Neues. Das versuche ich seit Jahren zu verinnerlichen und in mein Leben zu integrieren. Egal ob es Dinge, Lebensumstände oder Menschen sind, wir halten ganz gerne fest. Das ist nicht immer gesund. Bei mir war das ein langer Prozess über viele Jahre. Ich möchte auch nicht behaupten, dass ich damit am Ende bin, aber ich bin auf einem ziemlich guten Weg.

Wofür sind Sie dankbar?

Ich habe das große Glück einen Beruf auszuüben, der mir Spaß macht. Dafür bin ich dankbar. Diese Dankbarkeit darf ich jeden Abend, wenn ich auf der Bühne stehe, zurückgeben, bekomme aber durch den Applaus auch so viel wieder. Es ist eine gegenseitige Wertschätzung.

In dem Film „A Rose in Winter“ spielen Sie die Schwester von Edith Stein, die vom jüdischen zum katholischen Glauben konvertierte, Ordensschwester wurde und 1942 im KZ Auschwitz umkam. Was haben Sie aus diesem Film mitgenommen?

Bei diesem Film wird deutlich, welch ein wunderbarer Dialog zwischen den Religionen stattfinden kann. Dass der Dialog wahnsinnig wichtig ist – Frieden durch Dialog – das habe ich in jeder Szene dieses Films gesehen. Wie wichtig das Gespräch ist, um eine friedliche Basis zu schaffen.

Mehr Fragen und Antworten finden Sie bei uns im Heft.

Melanie Fox

April 2020

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Zur Person

Anja Kruse, 64, studierte Gesang und Schauspiel an der Essener Folkwangschule. Ihre Karriere begann auf der Theater- und Musicalbühne. Anfang der 80er Jahre wurde sie auch im TV bekannt durch Rollen in „Die schöne Wilhelmine“, „Schwarzwaldklinik“ und „Forsthaus Falkenau“.

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