Steyler Welt

Auch der Pförtnerdienst ist eine Mission

Bruder Thomas Ferenczy wollte eigentlich als Missionar nach Papua-Neuguinea. Stattdessen war er in der Druckerei und an der Pforte tätig und merkte: Auch das sind erfüllende Dienste.

Bruder Thomas Ferenczy wurde 1934 in Wien geboren und erlernte den Beruf des Steindruckers. 1959 trat er bei den Steyler Missionaren in St. Gabriel ein, wo er auch das Noviziat absolvierte. In der Druckerei des Missionshauses baute er die Offset-Abteilung auf, die er viele Jahre leitete. 1995 wechselte Bruder Thomas von der Druckmaschine an die Pforte von St. Gabriel. Seit 25 Jahren übt er den Beruf des Pförtners mit großer Freundlichkeit und Umsicht aus.

Ich kann mich noch gut an den Tag erinnern, als ich als junger Mann mit meinem Rennrad von Wien nach Maria Enzersdorf gefahren bin, um mich bei den Steyler Missionaren zum Ordenseintritt anzumelden. Das Rad habe ich neben der Pforte abgestellt, dort, wo sich heute mein Arbeitsplatz befindet. St. Gabriel und die Steyler habe ich schon aus meiner Kindheit gekannt. Zu Hause hatten wir die Zeitschriften „Jesusknabe“ und „stadtgottes“ abonniert.

Ich bin ein „echter Wiener“: Mein Vater stammte aus Ungarn, die Mutter war Wienerin. Sie haben sich beim Studium kennengelernt. Meine Schwester, meine beiden Brüder und ich wuchsen zweisprachig auf. Mein Vater war evangelisch, die Mutter eine sehr gläubige Katholikin. Wir Kinder wurden katholisch erzogen, ich habe oft und gern ministriert.

Ich hatte eine sehr behütete Kindheit – auch noch in den ersten Kriegsjahren. Diese schöne Zeit endete abrupt, als mehrere Bombentreffer unsere Wohnung zerstörten. Bis zum Kriegsende lebten wir dann in Ungarn und schafften es gerade noch zurück nach Wien, ehe der „Eiserne Vorhang“ zuging. Weil unsere Wohnung unbewohnbar war, wurden wir nach Oberösterreich ausquartiert. Im Stift Kremsmünster besuchte ich drei Jahre das Gymnasium. Ich bin ein „Bücherfreund“. Das habe ich meinem Bruder zu verdanken, der mir viele Bücher geschenkt hat. Eine besondere Liebe habe ich seit meiner Jugend zur Heiligen Schrift.

Als ich in die „Gesellschaft des Göttlichen Wortes“ eintrat, war ich schon 25 Jahre alt. Ich habe eine Steindrucklehre gemacht und danach vier Jahre in einer Wiener Druckerei gearbeitet. Ich habe gut verdient, war ein begeisterter Leichtathlet, Radfahrer, Eisläufer und Tänzer. Aber das hat mich alles nicht wirklich erfüllt. Ich war auf der Suche nach „mehr“! Zuerst überlegte ich, in das Benediktinerkloster Beuron einzutreten. Aber dann hat es mich doch eher zu den Steyler Missionaren gezogen.

©Hans BrunnerIm Dienst der Druckerei

In St. Gabriel wurde zuerst meine Demut geprüft. Zunächst durfte ich nur Bürotätigkeiten verrichten, obwohl ich doch schon in einer großen Druckerei erfolgreich mitgearbeitet hatte! Doch bald wurde ich im Offset-Druck eingesetzt, eine neue Technik, die sich rasant entwickelte. Ich bin Abteilungsleiter mit bis zu 17 Mitarbeitern geworden. Im Offset-Druck wurden Kataloge und Zeitschriften ebenso gedruckt wie die Poster von „Weite Welt“ oder Bilderbücher des Kinderbuchverlags St. Gabriel. Ich schätzte die gute Zusammenarbeit in der Druckerei, zum Beispiel mit Bruder Bernhard Fembek, der den Tiefdruck leitete.

Ich wäre gerne als Missionar ins Ausland gegangen, aber ich wurde in St. Gabriel gebraucht. Als die Druckerei 1997 geschlossen wurde, hat mir das sehr wehgetan! Ich hatte damals allerdings schon eine neue Aufgabe: 1995 wurde ich Pförtner! Ich glaube, die Arbeit an der Pforte liegt mir. Jeder, der nach St. Gabriel kommt oder hier anruft, landet zunächst bei mir. Auch für die Post bin ich teilweise zuständig. In keiner anderen Ordensfunktion hat man so viel Kontakt zu den unterschiedlichsten Menschen. Ich versuche, jedem ein nettes Wort mitzugeben und, wenn nötig, Probleme zu lösen. Die „stadtgottes“ liegt mir sehr am Herzen, daher kümmere ich mich besonders um Förderer, die die Hefte direkt an der Pforte abholen.

Besonders gefordert war ich, als zu den Veranstaltungen des Weltdorfs viele Jugendliche als Übernachtungsgäste ins Haus kamen. Auch die Zeit des Umbaus in St. Gabriel, als die Pforte an einen anderen Ort übersiedeln musste und es viel Lärm und Schmutz gab, war belastend. Mittlerweile sind die Zeiten ruhiger geworden, es gibt weniger ordenseigene Betriebe in St. Gabriel. Deshalb ist auch an der Pforte weniger zu tun. Ich wechsle mich mit mehreren Mitbrüdern ab. Jeden Tag ab 7.30 Uhr bin ich an der Pforte zu finden – wie lange ich meinen Dienst noch verrichten kann, das weiß nur der liebe Gott.

Die ganze Geschichte lesen Sie bei uns im Heft.

Aufgezeichnet von Ursula Mauritz

April 2020

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