Steyler Welt

"Bildung ist das Allerwichtigste"

Fast die Hälfte der Bevölkerung Togos ist unter 15 Jahre alt und kommt aus ärmsten Verhältnissen. Ihr einziger Ausweg ist eine gute Schulbildung. Deshalb leiten die Steyler Missionarinnen in der Hauptstadt eine Schule und einen Kindergarten

Die Schüler kommen gerne zur Schule der Steyler Schwestern in Lomé.

Pause in der Schule der Steyler Schwestern von Lomé. Türen öffnen sich. Nur wenige Sekunden und der bis jetzt leere Schulhof ist voller Kinder. Hellblau sind die Oberteile ihrer Schuluniformen, alle bestickt mit Aufnähern: „Ecole Saint Esprit. Sagesse. Connaissance. Bonheur. Heilig-Geist-Schule. Weisheit. Kenntnis. Glück.“

Die Steyler Schwester Neeta Rani Joseph bahnt sich einen Weg durch die spielenden und schreienden Kinder: „300 Schülerinnen und Schüler haben wir zurzeit hier bis zur 5. Klasse. Und gerade bauen wir neue Klassenräume für eine weiterführende Schule, damit wir auch die älteren Kinder unterrichten können“, erklärt die Projektleiterin. Und auch im benachbarten Kindergarten herrscht reger Trubel. Kinder singen, spielen und toben auf den Schaukeln. „Hier werden noch einmal 120 Kinder betreut“, sagt Schwester Neeta.

Kaum zu glauben, wie schnell sich der belebte Ort im Stadtteil Abovey im Zentrum der Millionenstadt Lomé entwickelt hat. Im Jahr 2000 kamen die Steyler Missionarinnen in die Hauptstadt im Süden des Landes. 2007 begannen sie mit der Betreuung des Kindergartens, 2011 mit der Grundschule. „Zu den 16 Lehrerinnen und Lehrern gehören auch vier unserer Mitschwestern“, erzählt Schwester Neeta. „Aber bald werden wir noch mehr brauchen, wenn wir die weiterführende Schule eröffnen.“

Die Schule ist beliebt

Die Menschen in Lomé sind von Schule und Kindergarten so begeistert, dass die Nachfrage enorm steigt. Immer mehr wollen ihre Kinder hier anmelden. Dass sich Schule und Kindergarten so gut machen, ist nicht zuletzt der Verdienst der Steyler Missionarinnen. „Das liegt an der guten Ausbildung“, weiß die 12-jährige Fare. Schon früh hat ihre Mutter entschieden, die Tochter in der Ecole Saint Esprit anzumelden. Deshalb ist das Mädchen mit der Sonnenbrille schon seit der Kindergartenzeit hier. „Meine Mutter wollte, dass ich eine christliche Erziehung erfahre und einen guten Unterricht.“@Melanie Pies-Kalkum

Die Qualität der Bildung an öffentlichen Schulen der Regierung sei oft sehr schlecht. Lehrer würden nicht ordentlich bezahlt, streikten deshalb oder kämen nicht zur Arbeit. Unterrichtsausfall, überfüllte Klassen und Schulabbrüche seien der Alltag. „Kein Vergleich zu unserer hier“, sagt Fare, deren Ausdrucksweise der eines Erwachsenen gleicht. „Hier gibt es Disziplin, und das ist gut so. Denn nur so lernen wir ordentlich.“ Die Viertklässlerin liest für ihr Leben gerne. Nach der Schule leiht sie sich in der Bibliothek Bücher aus und bringt sie nach ein bis zwei Wochen wieder zurück. Sie möchte einmal Ärztin werden. Und dafür nimmt sie auch gerne den 45-minütigen Fußweg zur Schule in Kauf. „Ist doch um die Ecke!“, sagt sie. „Ich mag die Schule sehr gerne. Und neben dem Unterricht bleibt auch immer Zeit für Sport und Spiel“, lächelt sie.

„Bildung ist in dieser Gegend das Allerwichtigste“, betont Schwester Neeta. „Ohne Bildung haben die Menschen keine Chance, der Armut zu entkommen.“ Wie andere afrikanische Länder sei Togo extrem kinderreich. Knapp die Hälfte der 7,5 Millionen Einwohner sei unter 15 Jahre alt.

Jeder soll lernen dürfen

„Jeder Einzelne hat das Recht auf eine gute Ausbildung“, weiß die Missionarin. Ohne Schulgebühren aber wäre die gute Qualität der Bildung an der Schule der Steyler Schwestern nicht möglich. Ein Schuljahr kostet hier umgerechnet 140 Euro. „Für die reicheren Familien kein Problem“, sagt Schwester Neeta. „Die meisten aber sind arm. Die Eltern haben keinen festen Job, verkaufen mal hier, mal da kleine Dinge und können die Gebühren natürlich nicht zahlen. Diese Kinder werden von unseren Spendengeldern unterstützt.

Egal ob reich oder arm – uns Steyler Schwestern ist wichtig, dass jeder Zugang zu Bildung bekommt. Was uns aber auch sehr freut, ist, dass immer mehr Eltern aus verschiedenen Schichten sogar zu uns kommen und sagen, wir sollen die Gebühren bloß nicht senken, denn sie haben Angst um die Qualität der Bildung“, so die Ordensschwester. „Für uns natürlich ein gutes Zeichen. Und wichtig ist, dass die Kinder aus ärmsten Verhältnissen später mit einem guten Job auch ihre Familien unterstützen werden. So helfen wir langfristig noch mehr Menschen mit unserer Schule.“

Im Hintergrund rufen die Lehrer die Kinder wieder zusammen. Die Pause ist vorbei. Alles strömt zurück in die Klassenräume. Es dauert einen Moment, bis Ruhe einkehrt. Dann sitzen alle wieder auf ihren Plätzen. Nun kann der Unterricht weitergehen.

Melanie Pies-Kalkum

November 2019

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