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Bischof Fürst kann sich Frauen als Diakoninnen vorstellen

Im Bistum Rottenburg-Stuttgart werden drei Gemeinden von Laien geleitet. stattgottes-Redakteurin Christina Brunner hat mit dem zuständigen Bischof Gebhard Fürst über die Rolle der Laien - und insbesondere der Frauen - in der katholischen Kirche gesprochen.

Bischof Gebhard Fürst weiß das Engagement der Frauen zu schätzen.

Herr Bischof, Begrüßen Sie es, dass in Ihrem Bistum Pfarrbeauftragte Leitungsfunktionen übernehmen, auch Frauen?

Ja, ich begrüße die Gemeindeleitung von St. Johann Baptist in Obersulm-Affaltrach als Pfarrbeauftragte nach § 517.2 (des Kanonischen Rechts, Anm. d. Redaktion) durch Bärbel Bloching. Die Gemeindeleitung als Pfarrbeauftragte(r) durch Laien - und das können ausdrücklich Frauen und Männer sein - ist im Kirchenrecht verankert. Es gibt in der Diözese Rottenburg-Stuttgart drei Kirchengemeinden, die nach diesem Modell geleitet werden. Frau Bloching ist dabei bisher die einzige Frau, die als Pfarrbeauftragte eine Gemeinde leitet.

Oft wird ja gesagt: "Wir haben eben nicht mehr genug Priester, da muss eben eine andere Lösung her.“ Das wertet die Nicht-Priester in der Leitungsverantwortung eher ab, oder?

Zunächst sollten wir die Möglichkeit, dass nicht geweihte Hauptberufliche in der Seelsorge einer Kirchengemeinde in dieser Weise verantwortlich gestalten können, als gute Möglichkeit und große Chance sehen, dass unsere Kirche vor Ort nahe bei den Menschen bleibt. Der Priester kann dabei natürlich nicht als der Spender der Sakramente außen vor bleiben.

Können die Nicht-Priester mit etwas Spezielle dieses Amt bereichern?

Seelsorgerinnen und Seelsorger helfen durch ihre spezifische Beauftragung als Männer oder Frauen ihr besonderes Charisma zur Verlebendigung der Gemeinde mit einzubringen.

Im Moment gibt es eine große Debatte über die Rolle von Frauen in der Kirche. Was wünschen Sie sich in diesem Zusammenhang?

Ich habe Verständnis dafür, wenn Frauen an leitender Stelle in der Kirche mitwirken und Verantwortung übernehmen möchten. Wo immer möglich, möchte ich es daher unterstützen, dass Frauen in Führungspositionen kommen. In der Diözese Rottenburg-Stuttgart sind wir auf diesem Weg bereits relativ weit vorangekommen. In einer Zielvorgabe wird in der Diözese angestrebt, bis ins Jahr 2020 den Frauenanteil in verschiedenen Führungspositionen auf 30 Prozent zu steigern. Führungsstellen werden dabei definiert als Stellen mit Personal- und Budgetverantwortung. Ich kann mir auch vorstellen, dass Frauen zu Diakoninnen werden und habe das in den vergangenen Jahren schon mehrmals als 'Zeichen der Zeit' bezeichnet. Beim bevorstehenden synodalen Weg möchte ich mich daher für die Diakoninnenweihe einsetzen. Alle müssen aber wissen, dass dies eine weltkirchliche Frage ist.

Wenn Sie in die Zukunft der Kirche und Ihres Bistums schauen: Wohin soll der Weg gehen? Was macht Ihnen Mut?

Es macht mir Mut und es macht mich zuversichtlich, dass wir zum Beispiel in den rund 1000 Kirchengemeinden und in den rund 100 muttersprachlichen Gemeinden circa 10.000 Ehrenamtliche haben, die Mitverantwortung in der Gemeindeleitung übernommen haben und übernehmen. Wir möchten gerne unser Rottenburger Modell im Sinne der Partizipation, der Synodalität und der Subsidiarität weiterentwickeln.

Christina Brunner

Februar 2020

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