Steyler Welt

"Bruder sein hat mich glücklich gemacht"

Bruder Adolf Stegmaier schloss sich bereits als 14-Jähriger den Steyler Missionaren an. Über 46 Jahre lang war er in der Mission im Kongo tätig. In unserer Serie "Schatz der Alten" blickt er auf sein Leben zurück

Bruder Adolf Stegmaier wurde 1936 in Wisloch bei Heidelberg geboren und legte 1962 seine Ewigen Gelübde ab. Seine persönliche Bibliothek zeigt seine Liebe zur Sprache. "In meinem Zimmer verbringe ich gerne Zeit. Ich lese oder spiele auf dem Keyboard."

Ich war schon immer ein eifriger Leser. Zu Hause hatten wir die stadtgottes und Karl-May-Bücher. Abenteuer und Kirche – das war für mich eine gute Kombination. Daher schloss ich mich als 14-Jähriger den Steyler Missionaren an und kam nach Sankt Augustin. Und hier begann gleich das erste Abenteuer, nämlich mit meiner Ausbildung. Ich wollte Elektroniker werden. Angeboten haben sie mir Glaser, Schuhmacher oder Maler. Das taugte mir alles nicht, und so landete ich in der Küche. Dort blieb ich nur kurz und ging dann nach Steyl, aber auch dort war kein Elektrikermeister. Was jetzt? Ich kam in die Druckerei und arbeitete an der Tiefdruckmaschine. Meine Prüfung habe ich später im Buchdruck abgelegt. Genau zu dieser Zeit habe ich mich für die Mission gemeldet.

© Vaclav Mucha SVDAuf die Frage, in welchem Land ich meine Dienste zur Verfügung stellen wolle, habe ich geschrieben: Dort, wo es am nötigsten ist. Denn ich wollte sicher sein, dass ich hinausgehen durfte in die Mission.

Freude und Unbehagen waren groß, als ich erfuhr, dass es der Kongo werden würde. Mein Abenteuer begann. Mit mir hatten noch zwei weitere Brüder die Bestimmung für den Kongo. Einer hatte bereits mit den Steylern vor Ort Kontakt aufgenommen, und die hatten geschrieben, dass wir Brüder kein Französisch lernen müssten, schließlich sollten wir ja nicht predigen oder unterrichten. Aber nicht mit uns, wir haben fleißig gepaukt. Die Sprache war mein Türöffner zu den Menschen. Ich lernte vor Ort auch noch Kikongo, damit ich mit meinen Arbeitern reden konnte. Die Druckerei in Bandundu (etwa eine Flugstunde von der Hauptstadt Kinshasa entfernt, Anm. d. Red.), in der ich arbeiten sollte, war ein Ziegenstall, den wir ausbauten. Ich habe Lehrlinge ausgebildet und die Druckaufträge erledigt. Nach den ersten drei Jahren kam ich für mein Ewiges Noviziat zurück nach Steyl und nach Paris, wo ich in der Druckerei der großen französischen Tageszeitung „La Croix“ ein Praktikum absolvieren durfte. Danach blieb ich fast 46 Jahre in der Druckerei im Kongo.

Zudem habe ich mit Bruder Clemens eine große Obstplantage angelegt. Mit Zitrusbäumen, Kaffee, Mango, Kokospalmen, Bananen und Ananas. Es duftete immer fantastisch. Diese Plantage war auch einmal mein Zufluchtsort: Zur Einweihung von neuen Druckmaschinen gab es ein großes Fest. Hochrangige Politiker kamen, ich sollte natürlich auch dabei sein. Doch denen hab‘ ich es gezeigt: Während die Reden gehalten wurden, war ich in der Plantage und habe mich nützlich gemacht.

Ich kam freiwillig unfreiwillig zurück nach Deutschland. Mobutu kam an die Macht. Er hatte angeordnet, dass jeder Betrieb einen einheimischen Chef haben musste. Dazu kam die Inflation. Wir hatten keine Aufträge mehr, haben unsere Arbeiter ausgezahlt und die Druckerei geschlossen.

© Vaclav Mucha SVDIm Dezember 2005 kam ich in Sankt Augustin an und sollte mich als Hausmeister um die Elektronik in der Missions-prokur kümmern. Mit 69 Jahren musste ich mir neue Fähigkeiten aneignen. Nebenher habe ich noch Deutschunterricht gegeben. Ich bin ein Einzelgänger, aber ich helfe gerne. Lautlos. In meiner Werkstatt repariere ich Uhren, Fahrräder, Kaffeemaschinen und was so anfällt. Ich habe für vieles das richtige Schräubchen, kann nichts wegwerfen und schaue am Straßenrand den Sperrmüll durch. Regelmäßig schicke ich Pakete mit Klein-Elektronik in den Kongo. Dort wird genutzt, was hier achtlos weggeworfen wird. Über meiner Werkbank hängt ein Bild der Fußwaschung. Dieses Bild zeigt mir, wo ich herkomme. So habe ich auch meine Mission immer verstanden: Die Brüder sind da, um durch ihrer Hände Arbeit die Priester zu entlasten. Heute sind die Brüder auch Verkündiger und gleichberechtigt. Früher war das nicht so. Für mich war das aber nie ein Problem. Ich war in meiner Latzhose und mit den dreckigen Händen immer glücklich.

Aufgezeichnet von Steffi Mager

Juli 2019

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Bisherige Folgen der Serie

In unserer Serie "Der Schatz der Alten" stellen wir Ihnen jeden Monat einen besonderen Schatz aus der Steyler Ordensfamilie vor. Hier finden Sie die bisherigen Folgen:

Sr. Tarcildis SSpS

Br. Heinz Helf SVD

P. Gerhard Lesch SVD

Sr. Marianeldis SSpS

P. Herbert Scholz SVD

P. Hermann Bickel SVD