Brauchtum

Bunte Bilder zu Ehren Jesu

In Tirol leuchten am Herz-Jesu-Freitag nicht nur die Berge, sondern auch die Häuser. Ein junger Osttiroler hat die alte Tradition der Fensterbilder wieder aufgegriffen

Viel Geduld und handwerkliches Geschick sind nötig, bis die Kunstwerke ins Fenster gestellt werden können. Und dann leuchten sie nur für einen Abend ...

Wenn auf den Bergen die Herz-Jesu-Feuer leuchten, muss auch das Dorf stimmungsvoll beleuchtet sein. Deshalb griff der 28-jährige Andreas Kollreider eine alte Tradition in Osttirol auf und fertigte bunte Fensterbilder mit religiösen Motiven an. „Basteln“ darf man dazu nicht sagen, denn seine Arbeiten sind wahre Kunstwerke, die aufwendig hergestellt werden. „Mit meinem Vater zusammen hab‘ ich zuerst mal drei Stück gemacht, das hat dann ein Nachbar gesehen und wollte auch eins für sein Haus. Und so wurden es dann immer mehr.“

Der junge Künstler zeichnet zunächst seine Ideen auf Papier vor. Der Maßstab 1:10 zwingt ihn, auf Details zu verzichten. „Das Motiv darf nicht zu kleinteilig sein, es muss ja auf Distanz wirken“, erklärt er. Die Bleistiftzeichnungen werden mithilfe eines Overheadprojektors auf die Schultafel im Strassener Schulhaus geworfen und auf großes Kartonpapier übertragen. Alle ausgeschnittenen Felder bekommen einen Hintergrund aus farbigem Papier, durch das das Licht scheint. Die Bilder sind so groß, dass sie die Fenster vollständig bedecken. Und so steht ein mannshoher Petrus auf dem Dachboden des alten Schulhauses und wartet auf seinen Einsatz im Schulhaus. Die anderen Fenster werden durch fünf Bilder verdunkelt, die zusammen eine ganze Herz-Jesu-Prozession abbilden: Frauen in Tracht, die eine Marienfigur tragen, das Allerheiligste unter dem Himmel, die Schützen mit ihren Gewehren.

35 Fensterbilder hat der junge Strassener schon gemacht: immer wieder das Herz Jesu, das berühmte Maria-Hilf-Bild aus dem Innsbrucker Dom, Heilige und Apostel. Die sieben Sakramente schmücken das denkmalgeschützte Widum in Strassen.
Mittlerweile gibt Andreas, der Neffe des bekannten Malers Oswald Kollreider, sein Wissen auch gern weiter: Im Nachbardorf Anras trafen sich 14 traditionsbewusste Männer und Frauen und gestalteten unter seiner Anleitung die Glaubensbekenntnisse fürs eigene Haus.

Silvia Kofler hat sich für die klassische Herz-Jesu-Figur entschieden: „Jesus mit dem brennenden, mit Dornen durchzogenem Herzen, das für die Menschen Quelle allen Heils sein soll. Ich möchte, dass die Geschichte unseres Landes nicht in Vergessenheit gerät und wir uns erinnern, warum in Tirol dieses Herz Jesu verehrt wird. In der modernen Welt wissen viele, vor allem die Kinder, gar nicht mehr, warum wir Häuser und Berge mit den Feuern beleuchten.“ „Es ist Kunst für einen einzigen Abend, dann ist sie wieder weg“, sagt Andreas Kollreider und lächelt. „So gehört sich das. Dafür gibt’s bei uns eben keine Weihnachtsbeleuchtung!“

Christina Brunner

Juni 2018

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Herz-Jesu-Fest

Am Herz-Jesu-Fest, das in diesem Jahr auf den 8. Juni fällt, werden in ganz Tirol Feuer auf den Bergen entzündet, in vielen Dörfern werden die Häuser stimmungsvoll beleuchtet. Der Brauch erinnert an die Weihe des Landes Tirol an das Herz Jesu im Jahr 1796, als französische Truppen an der Grenze aufmarschierten. Die Tiroler Landstände hofften so auf göttlichen Beistand. Durch Andreas Hofer wurde das Bündnis 1809 zum Feiertag.