Interview

"Den Kindern christliche Werte vermitteln"

Seine Leidenschaft fürs Kochen hat einen Ursprung: "Am liebsten war ich bei Oma in der Küche", sagt Mario Kotaska. Mit uns hat sich der beliebte Fernsehkoch über seine Glauben unterhalten

Sie sind Koch aus Leidenschaft und Überzeugung und haben einen sehr perfektionistischen Anspruch an sich. Aber was ist, wenn mal nicht alles rundläuft?
Meine Frau und besonders meine beiden Kinder haben mir geholfen, im Alltag nicht immer alles durch die Perfektionsbrille zu sehen. Ich muss ab und zu mal die Perspektive wechseln. So habe ich mir angewöhnt, die Dinge auch mit den Augen meiner Kinder zu sehen, dass beispielsweise die Couch nicht nur der schöne Platz zum Sitzen ist. Vielleicht ist sie in den Augen der Kinder gerade eher das Trampolin, dann dürfen sie auch mal drauf rumhopsen. Diese Gelassenheit hilft mir sowohl im privaten als auch im beruflichen Alltag enorm.

Was möchten Sie Ihren Kindern fürs Leben mitgeben?
Ich denke, es sind die klassischen Grundwerte: Ehrlichkeit, Pünktlichkeit, Aufrichtigkeit und einen gewissen Fleißanspruch natürlich auch.

Diese Werte haben ihren Ursprung im christlichen Glauben. Sind Sie religiös erzogen worden?
Ich bin konfirmiert worden. Mit meiner Familie gehe ich auch hin und wieder in die Kirche. Unser Sohn geht zum Katechumenen-Unterricht. Ich finde es wichtig, den Kindern die christlichen Grundwerte nahezubringen.

Welchen Stellenwert hat der Glaube für Sie?
Ohne Glauben geht es nicht. Man macht alles aus einer gewissen Überzeugung. Glaube und Überzeugung gehören für mich zusammen. Es muss nicht der Gottesglaube sein, ich glaube aber, dass er es sein kann.

Woran glauben Sie denn?
Ich glaube an das Gute im Menschen und dass die Freundlichkeit, die man aussendet, Dinge, die man gut tut – auch für andere –, zu einem zurückkommen. Ich habe einen sehr ausgeprägten Gerechtigkeitssinn.

Ist es wichtig, dass es die Institution Kirche als Glaubensvermittler gibt?
Ja, in gewissen Situationen und für manche Menschen ist das eine ganz wichtige Anlaufstelle. Auch in meinem Leben gab und gibt es gewisse Momente, zum Beispiel den Verlust von meiner Oma oder meinem Schwiegervater, in denen ich anders innehalte, ich in Gesprächen mit dem Pfarrer feststelle, dass man sich gewisse Haltepunkte oder Anker setzen kann. Deshalb finde ich es ganz wichtig, dass es ein solches Angebot gibt, um in einer speziellen Situation Aufmerksamkeit, Zuspruch und Schutz zu erhalten.

In welchen Situationen spüren Sie die Nähe Gottes?
Besonders in Extremsituationen. Beispielsweise, als wir auf der Autobahn einen schlimmen Verkehrsunfall verhindern konnten. Da denke ich dann schon, es gibt jemanden, der auf uns aufpasst. In solchen Momenten erwische ich mich dabei, dass ich ein Dankgebet zum Himmel schicke.

Was beten Sie dann?
Ich bin der klassische „Vaterunser“-Typ. Ein Vaterunser gehört auch zu den Dingen, die man seinen Kindern mindestens mit auf den Weg geben sollte. Für mich steckt im Vaterunser sehr viel, auch Dankbarkeit. Oftmals bete ich es vor dem Einschlafen.
              

In Ihrem High-School-Jahr in Amerika waren Sie auf einer sehr christlich geprägten Schule. Was haben Sie in dieser Zeit über den Glauben gelernt?
Dass man in verschiedenen Sprachen beten kann. Das hat mich persönlich sehr beeindruckt und weitergebracht. Deshalb bin ich auch der Überzeugung, dass man viel offener über das Thema Glaube sprechen sollte, gerade auch, um dieses immer noch vorhandene Image einer verstaubten Kirche wegzubekommen. Gerade jungen Menschen muss man ein Verständnis dafür nahe bringen, warum sie in die Kirche gehen sollten. In der Jugend wird der Glaube angelegt, später verfestigt er sich. Wenn man dann etwas hat, wo man sich dran festhalten kann, ist das in unserer heutigen Zeit nicht verkehrt.

Melanie Fox

April 2019

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Zur Person

Mario Kotaska, 45, ist Sternekoch und hat mehrere Kochbücher veröffentlicht. Zusammen mit Rolf Zacherl betreibt er ein Restaurant in Berlin. Im TV ist er regelmäßig als Moderator in der ZDF-Kochsendung „Die Küchenschlacht“ zu sehen. Mario Kotaska ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in Köln.

Mehr Infos unter www.mariokotaska.com