Brauchtum

Der dritte Engelbert

Engelbert Sampl ist einer der letzten Fassbindermeister im Land Salzburg. Der Lungauer rettete ein kostbares Handwerk in unsere Zeit.

Auf der Hoanzlbank stellt Engelbert Sampl die Holzreifen her.

Natürlich ist auch Engelbert Sampl aus Unternberg im Lungau mit der Zeit gegangen: Mit modernen Maschinen produziert er für seine Auftraggeber Stiegensprossen, Mühlräder, Spieltürme und Gartenmöbel. Das verschafft dem  Tischler aber einen „kleinen Luxus“: Nämlich jenen, immer wieder in seinen Herzensberuf wechseln zu dürfen, von dem er längst nicht mehr leben könnte: in das Metier der Fassbinder, an die Schnitzbank seiner Vorfahren.

Noch vor 60 Jahren gab es in Österreich in jeder größeren Ortschaft zwei bis drei Fassbinder. Jedes Behältnis, das etwa in der Landwirtschaft zum Einsatz kam, wurde aus Holz angefertigt. Später wurden sie von Plastik- und Edelstahlbehältern verdrängt.

Erfahrung und Wissen

Es ist Engelbert Sampl anzusehen, welche Freude es ihm bereitet, wenn Bauern alte Gebinde aufbewahrt haben und zur Reparatur bringen! Die Butte einer Sennerin, in der das Wasser bis zu den Bergwiesen hinauf wunderbar kühl blieb. Ein Butterfass, in dem die Butter fest und schön wurde. Einen Surkübel, in dem das Fleisch sehr schmackhaft geriet. Man merkt schon: Ein solches Fass ist nicht nur robust und langlebig. Es muss auch so beschaffen sein, dass der Inhalt sich darin optimal entfalten kann. „Dafür müssen einige Faktoren zusammenspielen und man muss viel Erfahrung und Wissen haben“, sagt Sampl, der dritte Fassbindermeister in seiner Familie.

@Walter ScheinösterGerade hat ihm ein Kunde 60 Jahre alte Eisenreifen vorbeigebracht, für die der 49-Jährige nun einen neuen Behälter bindet. Während er mittels Krumm-Messer das Holz mit viel Feingefühl aushöhlt, kommt er ins Schwärmen über die Akribie seiner Zunft. „Auf ein Haar genau“, zieht er den Vergleich, müsse in der Uhrmacherwerkstatt gearbeitet werden. „Nicht ein Haar“ dürfe aber dem Fassbinder in die Quere kommen. „Sonst rinnt das Fass“,  sagt er und lässt sich auf dem alten Reifstuhl nieder.

„Wertbeständigkeit liegt wieder mehr im Trend“

Hier war tagein, tagaus bereits Großvater Engelbert gesessen, nachdem er 1936 seinen Betrieb am Dorfplatz eröffnet hatte. Zuvor war er mit der „Binderkraxn“, voll beladen mit Werkzeug, von einem Lungauer Hof zum nächsten auf die „Stör“ gezogen. Auf diese Weise musste die Familie daheim nicht Hunger leiden. Hatte Sampl nämlich einen Butterkübel repariert, bestimmte er: „Ois Lohn krieg i dös erste Rierrat (die erste Butter).“ War der Speckkübel wieder einmal perfekt gelungen, brachte der Bindermeister g’schmackiges Geselchtes nach Hause.

Später kamen die Landwirte dann zu ihm in die Werkstatt, die er 1963 an Sohn Engelbert übergab. Engelbert der Dritte übernahm 1998 und stößt mit seinem gediegenen, sehr aufwändigen Handwerk auf neue Kundenwünsche: Er bindet Fässer, Regentonnen und Blumentöpfe. „Wertbeständigkeit liegt wieder mehr im Trend“, findet er.

Die nächste Generation steht bereit

Was auch seinen 15jährigen Sohn David ermutigt, schon bald das Tischlerhandwerk sowie die Fassbinderei zu erlernen. Wie sein Vater wird auch er dann penibel auf Nachhaltigkeit achten, das witterungsbeständige Lärchenholz aus der Region verwenden und die uralten Holzregeln beachten. 

Christine Schweinöster

November 2019

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