Steyler Welt

Der Pater, der Müll und die Mission

Bei Pater Jan van As landet alles, was andere Menschen nicht mehr haben wollen. Das recycelt er zugunsten der Mission. Er macht den Müll zu Geld. Alles ganz nachhaltig.

Religiöse Gegenstände stellt Pater Jan in Steyl aus. Seine Mitbrüder dürfen sie mitnehmen.

Pater Jan van As steht in den leeren Räumen der alten Druckerei von Steyl und steckt die Nase tief in eine etwas muffig riechende Bananenkiste. „Wunderbar, wunderbar!“ Er holt einen Pullover heraus, zwei alte Computerkabel, eine bunte Vase, einen silbernen Bilderrahmen. „Hm, der könnte was wert sein!“ Ohne hinzuschauen, verteilt Pater Jan die Fundstücke in Dutzende von Kisten und Kästen, die hinter ihm an der Wand stehen. Fein säuberlich sortiert lagern hier Papier und Schrauben, Tassen und Lumpen, Brillen und Schallplatten. Was für andere nur Müll ist, macht der niederländische Pater zu Geld. Für die Mission.

Vieles, was in den Bananenkisten steckt, ist Schrott. Aber auch der bringt Geld in die Kasse. Für ein Kilo Messingschrauben bekommt er 7 Euro, auch Kabel enthalten Wertstoffe. Zerbrochenes Porzellan wird dem Straßenbelag untergemischt, Spielzeug aus Hartplastik kann recycelt werden. Voraussetzung: Die Wertstoffe sind gut sortiert. Zangen und Schraubenzieher sind deshalb die wichtigsten Werkzeuge des Paters, mit denen er die alten Geräte in Sekundenschnelle zerlegt. „Gott sei Dank habe ich mein Geld mit dem Tapezieren und Einrichten von Wohnungen verdient, bevor ich Priester wurde!“, lacht der 78-Jährige.

©Heinz Helf SVD30.000 Zuckerpäckchen

Was fürs Wegwerfen noch zu gut ist, wandert in einen kleinen Lkw. Und damit beginnt ein zweites Leben für Jans Kostbarkeiten – auf dem Flohmarkt von Deurne bei Eindhoven. 1972 verkauften die Steyler zum ersten Mal Überflüssiges und Schönes im Missionshaus von Deurne. Als das Kloster verkauft wurde, mietete Pater Jan van As, damals Pastor in der Nachbargemeinde Asten, einen ehemaligen Hühnerstall, um die Waren auszustellen. „Es gibt nichts, was Menschen nicht sammeln“, sagt der Missionar. Auch er selbst hat so einen Tick: „Ich sammle Zuckerpäckchen, ungeöffnet natürlich.“ Wie viele hat er? „30.000.“

Der Sammeltick von Menschen finanziert Jans Mission. Und mit ihm engagieren sich rund 50 Ehrenamtliche in der Stichting Vlooienmarkt Deurne (SVD). Jeden Mittwoch und Samstag stehen sie vor dem Hühnerstall, um neue Ware anzunehmen und die Kisten aus Steyl auszupacken. „Manchmal staune ich, was Menschen so weggeben!“, sagt Anne. Sie klebt auf jedes Stück ein Preisschild. Denn auf dem Flohmarkt in Deurne wird nicht gehandelt; das erleichtert die Aufgabe der zwei Ehrenamtlichen an der Kasse.

Geld für Indien, Kamerun und Tansania

Zwei Stunden lang öffnet das Team der Ehrenamtlichen jeden Samstag den Laden. Dann drängen sich die Kunden an den Regalen und Tischen entlang, kaufen Backformen, eine Stehlampe, die Stereoanlage zum kleinen Preis. Dass die auch funktioniert, hat ein Techniker vorher kontrolliert. Ehrenamtlich natürlich. 

Rund 1.000 Euro landen jeden Samstag in der Kasse. Wo das Geld hingeht, dürfen auch die Ehrenamtlichen mitbestimmen. Sie unterstützen Projekte in Indien, Kamerun und Tansania, aber auch in den Niederlanden. Der Kindergarten in Deurne brauchte neues Spielzeug, ein Eine-Welt-Laden musste die Kasse ersetzen. 425.000 Euro konnten sie in den 45 Jahren ihres Bestehens verteilen, und darauf sind alle sehr stolz. „Gutes zu tun ist mir wichtig“, sagt Sabine, die erst seit einigen Monaten dabei ist.

Die ganze Geschichte lesen Sie bei uns im Heft.

Christina Brunner

Juni 2020

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Wichtig für Sie

Der Flohmarkt in Deurne ist jeden Samstag geöffnet von 14–16 Uhr.

  • Ab 10 Uhr können auch Waren abgegeben werden.
  • Nicht angenommen werden Möbel, VHS-Kassetten, kaputte Kleidung, unvollständige Spielsachen sowie Ringordner u. ä.
  • Adresse: Brouwhuisweg 36, 5756 PR Vlierden www.vlooienmarktdeurne.nl