Steyler Welt

"Der Weg" der polnischen Steyler für Familienhilfe

Alkohol, Depressionen, Überforderung – wer mit diesen Problemen kämpft, kann nicht für seine Kinder da sein. Hier hilft der Steyler Priester Edward Konkol. Eltern und Kinder finden bei „Droga“ im polnischen Białystok Rat und Unterstützung

Der Steyler Pater Edward Konkol ist die gute Seele des Projekts "Droga".

Eine schnelle, liebevolle Umarmung für den Vater, ein Kuss, das Versprechen, zum gemeinsamen Abendessen wieder zu Hause zu sein. Dann sind Gabriela, 15, Kasia, 12, und Jakub, 9, aus der Tür, um ihre Freunde zu treffen. Eine ganz normale Familienszene. Und doch ist nichts selbstverständlich daran.

Noch vor wenigen Monaten mussten die Geschwister zusehen, wie ihre alleinerziehende Mutter immer wieder zur Flasche griff, sich vor ihren Augen ritzte und drohte, sich umzubringen. Nachts suchten die beiden Mädchen in den Straßen von Białystok nach ihrer betrunkenen Mutter, tagsüber kümmerten sie sich um den kleinen Bruder und den Haushalt. Vertauschte Rollen.

©Piotr MaleckiLiebe für Kinder mit beschädigten Seelen

Seit Jaroslaw, der Vater der Kinder, die alleinige Sorge für die drei hat, geht es bergauf. Jetzt lernen die traumatisierten Geschwister, wieder Vertrauen ins Leben zu fassen. Alleine hätte die Familie dies vermutlich nicht geschafft. Aber sie ist nicht allein. Vater und Kinder werden intensiv von der polnischen Familienhilfsorganisation „Droga“ (der Weg) unterstützt.

Der Steyler Pater Edward Konkol hat sie vor knapp 30 Jahren in Białystok gegründet, einer 300.000 Einwohner zählenden Stadt im Osten Polens nahe der weißrussischen Grenze. Ziel von „Droga“ ist es, Familien mit Problemen zu stärken, die Beziehung zwischen Eltern und Kindern zu verbessern, die Erziehungskompetenz von Vater und Mutter zu fördern.

Therapie und Freizeit in „unserem Heim“

„Nasz Dom“, auf Deutsch „Unser Heim“, heißt das große Haus mit Garten am Stadtrand von Białystok – es ist das Herzstück von „Droga“. Jungen und Mädchen aus 65 Familien finden hier tagsüber einen sicheren Zufluchtsort und Zuwendung. 

Neben zahlreichen Freizeitangeboten gibt es auch therapeutische Hilfe. Vor allem aber finden die Kinder hier Menschen, die ihnen im täglichen Miteinander vorleben, wie man wertschätzend miteinander umgeht und Gefühle wie Zorn und Wut in den Griff bekommt.

©Piotr Malecki„Schön, dass es dich gibt.“

Verurteilt wird hier keiner. „Es gibt zwei ungeschriebene Gesetze bei uns“, sagt Pater Konkol, ein großer, mächtiger Mann mit rauchiger Stimme und verschmitztem Lächeln. „Das erste lautet: ‚Jeder Mensch ist gut.‘ Und wenn sein Herz verletzt ist, müssen wir helfen, es zu heilen.“ Das zweite heißt: „Auch Menschen, die arm sind, die sich verloren haben, brauchen das Gefühl, gesehen zu werden. Auch sie wollen hören: ‚Schön, dass es dich gibt.‘“

Die Betreuerinnen messen den Erfolg ihrer Arbeit in kleinen Schritten. Die Familie von Jaroslaw ist schon viele solcher Schritte gegangen, die Mitarbeiter von „Droga“ sind stolz auf sie. Gabriela, Kasia und Jakub werden am Abend pünktlich zu Hause sein und mit ihrem Vater gemeinsam zu Abend essen. Wie eine ganz normale Familie.

Die ganze Geschichte lesen Sie in unserer Zeitschrift.

Ulla Arens

Oktober 2020

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