Steyler Welt

"Im Leben und der Mission: Es geht nur miteinander!

Pater Gerhard Lesch war über 30 Jahre lang Missionar im Kongo. Dort baute er mit seinen Mitbrüdern unter anderem Kirchen, Schulen und Krankenstationen auf.  Später kümmerte er sich um die deutschen Missionare im Ausland und deren Angehörige

Pater Lesch wurde 1940 in Neunkirchen (Saar) geboren, 1966 zum Priester geweiht und war als Steyler Missionar im Kongo tätig. Heute tankt der 79-Jährige Kraft in der Natur und beim Gärtnern.

In all den Jahren bei den Steyler Missionaren habe ich neue Aufgaben immer mit Zittern und Zagen angenommen. Oft wollte ich ablehnen, denn ich bin kein Johannes der Täufer, der offen sagte, er sei berufen. Ich handelte eher nach dem Motto: Es spricht nichts dagegen, also versuche ich es. So kam ich 1968 auch nach Zentralafrika.

Die Mission im Kongo war noch jung, unsere Gruppe der Missionare klein, aber trotzdem international schon bunt gemischt. Drei niederländische Mitbrüder hatten 1951 begonnen.

© privatUnser Auftrag klang steif und verkopft, wir sollten die „Diözese zur kirchlichen Reife führen“. Wir sind die Sache pragmatisch angegangen und haben gebaut: Kirchen, Schulen, Krankenstationen, Pfarrhäuser. In den Städten und in den Buschdörfern waren wir präsent. Das Schulwesen war noch am Anfang.

Bei all unserem Tun wurden wir sehr genau beobachtet. Den Afrikanern entgeht nichts, sie sind gute Psychologen. Sie schauten, wie Menschen unterschiedlicher Herkunft miteinander lebten. Ein weiser Kirchenvater hat einmal gefragt: Warum schickte Jesus die Jünger immer zu zweit aus? Die Antwort auf diese Frage steht sinnbildlich für das, was ich in all den Jahren in der Mission und auch später erlebt habe: ‚Wer mit seinem Mitbruder nicht klarkommt, kann direkt zu Hause bleiben!‘ Eine gelungene Mission ist das Werk guter Zusammenarbeit: mit den Einheimischen, den Mitbrüdern und anderen Ordensgemeinschaften.

Dieses Miteinander wuchs stetig. Um unseren Auftrag zu erfüllen, fehlte etwas Entscheidendes: eine gut kommentierte Bibel in der Landessprache. Als Pater Generalsuperior Heekeren bei seinem Besuch den Plan vorlegte, einen Bibelverlag „Verbum Bible“ zu gründen, war ich skeptisch und konnte mir nicht vorstellen, daran mitzuarbeiten. Heute ist unsere rote Bibel mit der Silhouette von Afrika und den Buchstaben „V&B“  auf dem ganzen Kontinent verbreitet. Nach zwei Jahrzehnten lag die Bibel in zwölf Sprachen vor.

Das Wort Gottes in der Sprache des Volkes ist ein wirksames Mittel in unserem seelsorglichen Bemühen. Immer mehr Kongolesen traten in unseren Orden ein. Manche sagten, die „rote Bibel“ habe sie auf uns aufmerksam gemacht. Als stolze Söhne des Landes wollten sie ihre Kirche nicht mehr den Weißen überlassen, sondern mitgestalten. Eine spannende und herausfordernde Zeit.

Beim Generalkapitel 2000 in Nemi (bei Rom, Anm. der Red.) handelten der deutsche und der kongolesische Provinzial in einer Eisdiele meine weitere Missionsbestimmung aus.

© privatIn Sankt Augustin wurde ich als sogenannter Superior Delegatus erster Ansprechpartner für die deutschen Missionare im Ausland und deren Angehörige. Gleich zu Beginn rief mich eine Frau an, die sich nach ihrem Angehörigen in Argentinien erkundigte. Ich musste sie zunächst vertrösten und begann zu recherchieren. Und dann der Schock: Der Missionar war wenige Tage zuvor gestorben. Ganz plötzlich und unerwartet. Ich schwor mir, dass es niemals wieder passieren dürfe, dass ich eine solche Nachricht erst Tage später erfuhr. Gemeinsam mit meiner Mitarbeiterin Luzia Groß baute ich ein Netzwerk auf. Ich telefonierte, schrieb unermüdlich Briefe und später Mails. Meine eigene Missionserfahrung half mir, sensibel zu sein für die Sorgen und Anliegen der Missionare im Einsatzland.

Heikel war es, wenn Missionare auf Heimaturlaub kamen und hier die Nachricht erhielten, dass es aus gesundheitlichen Gründen besser wäre, nicht ins Ausland zurückzukehren. Dann war Fingerspitzengefühl gefragt, um die Missionare auf den letzten Lebensabschnitt vorzubereiten und sie dabei zu begleiten.

Es war mir ein großes Anliegen, das Werk eines Missionars zu würdigen. Die Lebensleistung anzuerkennen. Über den Tod hinaus. Das tat ich in den Todesanzeigen. Besser gefällt mir der Name der Rubrik, in der sie erscheinen: „Dankbares Gedenken.“

Wir sind es den Missionaren schuldig, der Nachwelt zu zeigen, was sie im Kleinen und Großen geleistet haben. Schließlich hört das gute Miteinander im Tod nicht auf.

Aufgezeichnet von Steffi Mager

März 2019

Kommentare (1)

  • Rüdiger Brunner
    Rüdiger Brunner
    am 27.02.2019
    Liebe Frau Steffi Mager!
    Sie haben es wieder geschafft, mit Ihrer einfühlsamen Darstellung die Gestalt eines Mitbruders mir glaubwürdig nahe zu bringen. DANKE!

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