Reportage

Unter Tage

Ende des Jahres schließt die letzte Zeche in Deutschland. Im Ruhrgebiet geht eine Ära zu Ende. Christina Brunner hat die letzten Bergleute in Bottrop besucht

Trotz aller Sicherheitsmaßnahmen: Die Arbeit der Kumpel ist hart und gefährlich

Ich will in die Unterwelt. 1200 Meter tief. Wo die Wände 42 Grad heiß sind und ein Funke alle umbringen wird. Dorthin, wo noch 1036 Männer hingehen. Ich will einfahren. Auf Prosper Haniel, dem letzten Bergwerk Deutschlands in Bottrop. Bevor es für immer schließt.

Ich bin ein Kind der Ruhrgebiets, die nächste Zeche lag 500 Meter von unserem Haus weg. Mein Vater wurde mit 15 Jahren Berglehrling. Eigentlich wollte er nicht: Automechaniker, das war sein Traum. Aber das Geld lockte. 170 D-Mark vom ersten Tag an, 30 gabs im Handwerk. Für meinen Opa, selbst auch Bergmann, war klar: Du gehs auf'n Pütt.

Begleitet von den Bergleuten Dirk Tomke und Klaus Pütz (vorn) durfte Christina Brunner einfahren

Ich will wissen, was mein Vater, mein Großvater, unsere Nachbarn dort erlebt haben. Deshalb frage ich bei der Pressestelle der Ruhrkohle AG an - und muss lange warten. In den letzten Monaten ist der Run auf die Seilfahrten enorm. Jeder will noch mal runter. Die Kolpingsfamilie von Kirchhellen, Fußballer des FC Schalke, die Grünen-Politiker Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter. Dietmar Bär, Tatort-Kommissar aus Köln begegnet mir in der Lampenstube. Denn es klappt tatsächlich – drei Fotografen und zwei Journalistinnen schickt Pressesprecher Christoph Beike in die Besucherkaue, wie die Umkleiden hier genannt werden. Mit einem fest zusammengerollten Bündel verschwinde ich in der Kabine. Die Bergleute sind da gar nicht prüde – für sie gibt es eine große gemeinsame Kaue,  wo die sauberen Klamotten wie eh und je unter die Decke gezogen werden.

„Alles ausziehen!“ lautet die Anweisung. Keine Kunstfaser soll untertage einen Funken auslösen. Ich rolle das Bündel auf: Männerunterwäsche, vom vielen Waschen schon grau, blaues Arbeitshemd, Socken, ein Halstuch. Über die Brille kommt eine Schutzbrille. Weiter! Der Kauenwärter hat Schuhe in jeder Grüße, die Schienbeinschoner passen mehr schlecht als recht, der Helm rutscht. Klaus Pütz und Dirk Tomke, zwei Bergleute, die uns begleiten, stecken mir eine Wasserflasche in die Jackentasche, Staubmaske und Gehörschutz in die andere. Ein Sauerstoffgerät für den Notfall an den Gürtel, die Batterie für die Lampe daneben. Noch keinen Meter in der Tiefe und ich bin schon nassgeschwitzt.

Ich staune über Dirk und Klaus – „unter Tage wird geduzt!“ –, die auch noch die kiloschweren, besonders gesicherten Lampen für die Fotografen mittragen. Denn unter Tage darf nicht digital und mit Blitz fotografiert werden – zu gefährlich. Mein Kollege Pascal Amos Rest rollt den Film in seine 40 Jahre alte Kamera: „Hab ich auch schon lange nicht mehr gemacht!“. Dann rüttelt der Fahrstuhl heran, der uns in die Tiefe bringen wird.

Mein Vater war 16, als er zum ersten Mal dort einstieg. Angst hatte er nicht, „da noch nicht. Ich war neugierig, wie man das als junger Mensch ja ist!“ Mit einem Hauer zog er los, Eisen zu den verschiedenen Örtern bringen. Sieben Stunden Schicht, eine Stunde für Umziehen wurde auch bezahlt. Heute sind die Kumpels sechs Stunden untertage, in drei Schichten.

Unser Aufzug landet in der U-Bahn. Jedenfalls sieht es so aus. Der Schacht ist breit, gut ausgeleuchtet. Eine kleine Statue der hl. Barbara begrüßt die Vorbeigehenden. Unter der Decke an den Stahlträgern hängen gewaltige Bottiche, gefüllt mit 80 Liter Wasser. „Bei einer Explosion kommt erst der Druck, dann das Feuer“, erklärt Christoph sachlich. „Die Bottiche kippen auf Druck und verhindern, dass sich der Brand ausbreitet.“ Feuer, Gas, Unfälle – der Beruf des Bergmanns ist immer noch einer der gefährlichsten der Welt.

Die enormen Sicherheitsanstrengungen sorgten dafür, dass es im letzten Jahr nur 2,2 Unfälle auf eine Million Arbeitsstunden gab. Aber wenn etwas passiert, sind die Wunden meist schwer. Und wer Kilometer vom nächsten Arzt entfernt einen Herzinfarkt bekommt, darf kaum auf schnelle Hilfe hoffen. Auch ein Grund, warum die Bergleute mit 49 aus der Grube müssen. Opa blieb über 40 Jahre unter Tage. Er war Schießhauer, sprengte die Steine weg, damit die Kohle herausgeholt werden konnte. Er machte seine Arbeit gut, vielleicht ließen sie ihn auch deshalb nicht gehen, als der Fünfzig-Jährige raus aus der Grube wollte.

Klaus, der Bergmann an meiner Seite, will nicht raus. Aber er muss. Prosper-Haniel, die letzte Zeche, schließt. „Vielleicht geh ich ins Besucherbergwerk“, sagt er und zuckt die Achseln. „Dann kann ich noch zeigen, wie wir gearbeitet haben. Besser als Hartz4 auf jeden Fall!“ 350 Bergleute haben – Stand Mai - noch keinen neuen Job gefunden, doch jeden Monat gehen rund 50, der anderswo Arbeit haben. „Viele werden Pfleger oder Feuerwehrmann,“ berichtet Christoph Beike. „Sie können anpacken, haben Kraft, kommen mit Schichtarbeit klar – ideal für diese Berufe.“

Seit Jahren wird bei der Ruhrkohle niemand mehr zum Bergmann ausgebildet, die jungen Leute sind heute Industriemechaniker oder Elektroniker für Betriebstechnik. Damit finden sie leichter Arbeit. Hunderttausende Jugendliche hat der Bergbau ausgebildet, und auch wer einen Migrationshintergrund hatte oder in der Schule langsam war, konnte sich bewerben. „Da sind wir stolz drauf. Denn damit haben wir was für die Gesellschaft getan. Denn wer Arbeit hat, radikalisiert sich nicht so schnell.“

Unter Tage ist Schichtwechsel. Die Morgenschicht ist um 4.40 Uhr eingefahren, jetzt kommen sie uns entgegen. Große Männer mit breiten Schultern, die Gesichter verschwitzt, die Klamotten schwarz. „Auf!“, grüßen sie, für das traditionelle „Glückauf“ sind sie zu müde. Für alle ist Schicht am 21. Dezember. Dann ist der Steinkohle-Bergbau in Deutschland Geschichte. „Wie ich dat finde? Is traurig!“,“ Reviersteiger Jürgen Jakubeit bleibt stehen und schiebt den Helm in den Nacken. „Und falsch auch. Wir machen uns abhängig vom Ausland. Und da riecht die Kohle auch nich nach Rosen. Billiglöhne, Kinderarbeit – kennen wir doch alles!“

„Seit Monaten werden die Kollegen gefragt, wie sie sich fühlen“, seufzt Pressemann Christoph. „Was sollen sie denn sagen? Klar fühlen die sich scheiße! Und jeden Tag geht wieder einer ...“ „Is eh nicht mehr wie früher“, sagt Dirk, seit 28 Jahren untertage. „Früher, da hat man nach der Schicht noch zusammen ein Bier getrunken, auf Schalke haben wir Fußball geguckt! Unn getz dat!“ Er zeigt auf ein Graffiti, das den Fußballklub RB Leipzig feiert. „So weit sind wir gekommen!“ Er lacht. Seit den 50-er Jahren spüren die Kumpel die Auswirkungen der Kohlekrise: Eine Zeche nach der anderen schließt. 1957, als mein Vater unter Tage malochte, hatte er über eine halbe Million Kollegen auf 153 Zechen. Bis zum Ende des Jahres sollen 2456 übrig sein. Sie kommen aus allen Himmelsrichtungen nach Bottrop und fahren nach Feierabend 100 Kilometer nach Hause. Sie züchten keine Tauben mehr, und ihre Fussballclubs zahlen Millionen für auswärtige Spieler.

Die Bergleute wollen uns zeigen, wie Kohle gefördert wird. Aber das ist inzwischen weit. 4,3 Kilometer untertage. Die Dieselkatze, eine Schienenhängebahn, wird uns hinbringen, komfortabel und ungefährlich. Die Kumpel reisen anders: Sie steigen auf das Band, das die Kohle transportiert, liegen auf den schweren Kohlen und rasen in die Dunkelheit. Kopf runter und rechtzeitig aufstehen – die Bandfahrt ist riskant. Wir dürfen nicht. Auch die Fotografen nicht, die von tollen Bildern träumen.

Langsam schaukeln wir in die Dunkelheit. Immer wieder muss der Personentransport die Maschinen vorlassen, die Fahrt scheint endlos. Das Band mit der Kohle rattert neben uns, manchmal sogar leer. Kabelschläuche hängen von der Decke, immer wieder Schaltplatten, Erste-Hilfe-Kästen, Wassertonnen. Ein kalter Wind zieht durch die schwarzen Gänge, die Bewetterung macht die Arbeit in 1200 Meter Tiefe überhaupt erst möglich. Seit 1992 hat es im deutschen Steinkohlebergbau kein Grubenunglück mehr gegeben, und die Bergleute sind stolz darauf. Auch meinem Vater ist nie etwas passiert, aber bei einem Strebeinbruch gab es auch auf seiner Zeche Tote. „Die Förderwagen kamen mit einem Kreuz bezeichnet nach oben, die hat man dann ausgekippt und die Leichenteile in Säcke gepackt.“ Eigentlich sollte der Junge das nicht mitkriegen, die Kumpels hatten sie rausgeschickt, aber durch das Fenster sahen die entsetzten Augen dann doch alles. „Danach bin ich nie wieder gern eingefahren,“, sagt mein Vater.

Immer stärkere Maschinen erfordern weniger Bergleute vor Ort. Der Walzenschrämlader kann pro Arbeitseinsatz bis zu einem Meter Kohleflöz abbauen

Nach einer Dreiviertelstunde in der Dunkelheit hält die Dieselkatze an. Dirk kommt, steckt die Kopflampe an meinen Helm, knipst sie an. Wir stapfen los durch schwarzen Kohleschlamm, es ist eng und heiß. Immer wieder lande ich in den dicken Pfützen auf dem Boden, das Wasser soll den Steinstaub binden, der vor allem für die Silikose, die berüchtigte Staublunge der Bergleute verantwortlich ist. Wenn mein Großvater hustete, hoben wir im Nachbarhaus die Köpfe. Auch damals wurden schon einmal im Jahre die Lunge geröntgt, wer Schatten auf der Lunge hatte, musste raus. Und war verzweifelt, denn die Jobs über Tage wurden sehr viel schlechter bezahlt.

Heute verdient ein Bergmann zwischen 1800 bis 2000 Euro netto. Längst kein Spitzenverdienst mehr. Die Kohle, die sie rausholen, will keiner mehr. Kohle aus Indien, aus Südafrika, selbst aus Polen ist billiger. „80 bis 90 Dollar kriegen wir pro Tonne Kohle,“ sagt Christoph. „100 müssten wir haben.“ Die Sicherheit unter Tage, die High-Tech-Geräte, die soziale Absicherung der Kumpel, die Ewigkeitsaufgaben wie Grundwasser reinigen und Grubenwasser pumpen – all das hat seinen Preis. Der Pressesprecher zuckt die Achseln: „Seit zehn Jahren ist klar: Wir machen Schluss. Ist ja auch zu schade um die hochwertige Kohle, einfach nur verfeuern. Vielleicht brauchen wir die mal in der Zukunft, für Medikamente oder so – wer weiß?“

„Herzlich willkommen im Revier 006!“ begrüßt uns ein Schild an der Strecke. Endlich sind wir vor Ort, da, wo der kostbare Stoff gefördert wird. Der Eingang zum Streb ist höchstens 1,40 Meter hoch, ich krieche hinein, stoße mir den Kopf an den Stempeln, der Schweiss läuft ins graue Unterhemd. Keiner der Kumpel trägt noch seine Jacke, die blauen Arbeitshemden stehen offen. Klaus zieht mich hinter das Transportband:„Gleich kommt der Hobel!“ Und da rast er an mir vorbei. Klaus schreit „3,6 Meter pro Sekunde“ in mein Ohr.

Mühlsteingroße Brocken fallen auf das ratternde Gummiband vor mir und werden nach draußen in die Strecke geschickt, um dort zerkleinert zu werden. Meter um Meter schrubbt sich der Hobel in das Gestein. Die hydraulischen Stempel rücken nach, sie halten den Streb offen, hinter ihnen fällt das Gestein, der „Alte Mann“ herunter. „Morgen gibt es diesen Ort nicht mehr“, sagt Klaus. Mir ist sonderbar zumute. Was hier unten passiert, bringt oben in so manchen Häusern die Tassen zum Zittern. Wo es richtig hohl ist, sind die Bergschäden schlimmer. 25 000 Meldungen über Risse, Löcher und Senkungen landen jährlich bei der RAG, 170 Millionen Euro kostete sie die Schadensregulierung in einem einzigen Jahr.

Die heilige Barbara, die Schutzheilige der Bergleute, wird unter Tage sehr verehrt

Die Hitze und die Enge wird unerträglich. Als ich rausstolpern will, drückt mir Klaus einen Brocken Kohle in die Hand. „Nimm mit! Die letzte Kohle.“ Ich stopfe den überraschend leichten Brocken in die schon vollgestopften Taschen der Bergmannsjacke, die schon längst nicht mehr weiß ist. Später werde ich das Glitzern bewundern, die Schichten aus uralten Pflanzenteilen und Asche. 4,4 Millionen Tonnen der schwarzen Goldes kommen in diesem Jahr ans Licht.

Draußen in der Strecke müssen wir über den Rüttler steigen, der die Kohlebrocken zerkleinert und damit verhindert, dass sie das Band beschädigen. Die Leiter beginnt erst in Männerhöhe, einen guten Meter über dem weichen Boden. Ich klemme den Block zwischen die Zähne, denn ich brauche jede Hand. Wahrscheinlich grinsen die Kumpel, aber was sie sagen, höre ich nicht, der Lärm ist trotz Gehörschutz gewaltig. Ich schreibe meine Fragen auf und halte Andreas, dem Kumpel auf dem Rüttler, den Block unter die Nase: „Sind sie froh, wenn Sie wieder oben sind?“ Er nickt und grinst. Wie lange sind sie schon auf dem Pütt? Er krakelt er seine Antwort im Licht der Helmlampe quer übers Papier: „Im August 28 Jahre.“ Unter dem Rüttler stellt Dirk stellt die Kameraleuchte ins Dunkel, das schwere Blitzlicht hat nur ein kurzes Kabel, das sich die drei Fotografen teilen müssen. Unter Tage ist auch jedes Foto schwer erarbeitet.

Die Dieselkatze wartet. Wie lange wir wohl schon hier sind? Mir ist jedes Zeit- und Raumgefühl verlorengegangen. Ich lehne mich zurück in meinen Sitz, und mit mir fahren die Geschichten, die mein Vater erzählte, in die Dunkelheit. Von den Broten, die mein Großvater für seine russischen Zwangsarbeiter einsteckte, bis ihn jemand verpfiff. Von dem Schießhauer, der die Zündschnur so kurz legte, dass das Gestein über „seinen Russen“ zusammenbrach. Von dem Hauerkollegen, der ihn vor einem brechenden Streb zurückzog und dem Steiger, der die beiden deshalb wegen Arbeitsverweigerung strafen wollte.

Dass das Ruhrgebiet jetzt so stolz auf seine Kohlevergangenheit zurückschaut, Knappenchöre, die auf Youtube das Steigerlied singen, hunderttausendmal angeklickt werden und die alten Zechen Besuchermagneten werden, kann mein Vater nicht verstehen. „Da gibt's nichts zu romantisieren. Die Arbeit war gefährlich und gesundheitsbelastend, und die Kameradschaft – ja, die war einfach notwendig, man musste sich verlassen können auf die anderen.“ Revier-Romantik fördern will Christoph, der Pressemann, auch nicht, aber er will auch nicht immer nur über die Kosten der Kohleförderung und die negativen Folgen reden. „Der Bergbau hat das Ruhrgebiet geprägt. Das Gesundheitssystem, der Wohnungsbau, die Kultur. Das muss man auch sehen!“

Mit Helm und Notizbuch: stadtgottes-Redakteurin Christina Brunner zurück aus der Unterwelt

Die Seilfahrt bringt uns wieder nach oben. In der Besucherkaue zerre ich die verschwitzte Wäsche vom Leib, wasche die Haare dreimal, dann ist immer noch Staub in den Ohren. Die schmutzige Arbeitskleidung wird in Holland gereinigt und geplättet, jede Woche gibt’s frische Wäsche für die Kumpels. Mein Vater hat sein Zeug zwei Wochen lang getragen, dann musste mein Oma Wasser heiß machen und ausreiben, was Mann und Sohn aus der Tiefe mitgebracht hatten. Und wehe, wenn der Wind ungünstig stand – dann legte sich der Dreck aus den Schornsteinen auf die Wäscheleinen.

Als das große Tor von Proper-Haniel hinter mir zufällt, drehe ich mich um. Noch wenige Tage, dann wird es auch für Dirk und Klaus und ihre Kumpel endgültig zufallen. Bis 2021 Jahre lang wird dann noch zurückgebaut, jede Neonröhre muss nach oben. Irgendwann wird wieder Gras über den Schacht wachsen, die Pumpen werden dafür sorgen, dass das Ruhrgebiet keine Seenplatte wird. 220 Millionen Euro muss die RAG dafür aufbringen. Pro Jahr. In alle Ewigkeit. Manchmal wird uns noch ein großes Loch in der Straße oder ein Riss in der Hauswand daran erinnern, dass die Unterwelt löchrig ist wie ein Schweizer Käse. Dirk und Klaus werden in einem Museumsbergwerk von ihrer Zeit unter Tage erzählen, und für die Zuhörer wird das so fern sein wie das Mittelalter. Wir werden neue Energien nutzen und vielleicht auch die Endlichkeit unserer Ressourcen respektieren. „Wir bringen das hier mit Anstand zu Ende,“ sagt Dirk, und ich bewundere ihn und seine Kollegen für seinen Durchhaltewillen und seine Geduld.

Ich zeige meinem Vater die Fotos, die unser Fotograf unter so großen Mühen gemacht hat. Er schaut kaum hin. Mein Vater hat 1959, als sich die Kohle-Krise schon abzeichnete, auf eigene Kosten umgeschult. Seine Kumpel hielten ihn damals für verrückt. Als Steinmetz hat er Kirchen restauriert, am liebsten den ganzen Tag draußen auf dem Gerüst, den Himmel über sich. Er ist nie wieder eingefahren.

Christina Brunner

November 2018

Kommentare (3)

  • Bernd Albertz
    Bernd Albertz
    am 30.10.2018
    Ich komme auch aus dem Ruhrgebiet und kenne viele Kumpel. Danke, dass Sie die Geschichte der vielen Bergleute erzählen und so die Männer nicht in Vergessenheit geraten lassen. Sehr authentische Schilderung der Reporterin.
  • Inken
    Inken
    am 03.11.2018
    Authentisch, aber recht fröhlich. Da klangen die Erzählungen meines Großvaters, dessen Vater als Steiger den Tod gefunden hat, doch sehr viel bedrückender. War auch eine andere Arbeitsweise- und ist lange her. Ich erinnere mich nur noch an die grauen Hausfassaden und den Kohlegeruch in der Luft - außerdem an meine Großeltern, die die frische Luft bei uns an der Nordsee immer sehr genossen.
    Danke für den Bericht!
  • Jörg Heuser
    Jörg Heuser
    am 04.11.2018
    Schade, dass das letzte Abenteuer nun zu Ende geht. Zwar ist es meist ein richtiger Knochenjob und im Winter sieht man die ganze Woche die Sonne nicht. Oft muss improvisiert werden. Man kann nicht einfach ins gut gefüllte Regal nach dem nächsten Spezialwerkzeug greifen, denn das gibt es nicht. Respekt vor den Jungs, die über Jahrzehnte unten waren!
    Hab es nur kurz mitgemacht, im Rahmen meiner Ausbildung als Schlosser unter Tage und Bermann in der dritten Generation. Aber beeindruckend waren auch die wenigen Monate. Glück auf!

Neuen Kommentar schreiben

Bisherige Beiträge

Vor mehr als 20 Jahren begann der Osttiroler Schnitzer Wilhelm Rainer für einen befreundeten Pfarrer aus Deutschland Krippenfiguren zu schnitzen....

[weiter...]

Bei einem Motorradunfall verliert Djato M’Pemon sein rechtes Bein. Mithilfe von Steyler Missionsschwestern im Norden Togos findet er zurück ins Leben

[weiter...]