Brauchtum

Die Steyler und der Heilige Geist

Der Bruder von Arnold Janssen, Johannes, wollte unbedingt erreichen, dass man den Heiligen Geist auch als Mensch darstellen darf.

Im oberbayerischen Urschalling hat ein Freskenmaler dem Heiligen Geist weibliche Züge verliehen.

Steyl – ein kleines Dorf mit einem weltweit bekannten Namen, das Ihnen, liebe Leserinnen und Leser der stadtgottes, sicher bekannt ist. Einige von Ihnen waren schon dort, um das Gründungshaus der Steyler Missionare und in dessen Unterkirche den Sarkophag mit den Gebeinen des Ordensgründers Arnold Janssen anzuschauen. Darauf zu sehen: vier Reliefs mit den Säulen seiner Frömmigkeit – Dreifaltigkeit, Herz Jesu, Wort Gottes und Heiliger Geist.

Die Verehrung des Heiligen Geistes war ein Erbe seines Vaters. Jeden Montag besuchte dieser die heilige Messe, um den Beistand des Geistes Gottes für die ganze Woche zu erfl ehen. Auf dem Totenbett bat er seinen Sohn Arnold, diesen Brauch als Familienerbe fortzuführen. 

Anfrage beim Papst

Der Kontakt mit einer frommen „Visionärin“ in Wien während der 1880er-Jahre bestärkte Arnold Janssen noch in seiner besonderen Beziehung zum Heiligen Geist. Sie hatte Visionen und regte eine intensivere Verehrung des Heiligen Geistes an, was Arnold Janssen gut gefiel. Übrigens: Dass Arnold Janssen die von ihm gegründeten Ordensschwestern „Dienerinnen des Heiligen Geistes“ nannte, war ohne Zweifel beeinflusst von jener Visionärin. Sie bestärkte ihn sogar, die Erlaubnis zu erwirken, den Heiligen Geist nicht ausschließlich in Form einer Taube, sondern auch in Gestalt eines Menschen darstellen zu dürfen, wie in der früheren Kunstgeschichte durchaus schon geschehen.

Eine Anregung mit weitreichenden Folgen: Der jüngste Bruder Arnold Janssens, Johannes, der bereits im Gründungsjahr der Steyler Missionare 1875 nach Steyl kam, bemühte sich in besonderer Weise um die Erlaubnis, den Heiligen Geist in Menschengestalt darstellen zu dürfen. 1895 besuchte er als damaliger Rektor des Steyler Missionshauses St. Gabriel bei Wien das Grab der heiligen Ordensfrau Kreszentia von Kaufbeuren (1682–1744). In deren Klosterzelle befand sich ein Gemälde, auf dem der Heilige Geist als junger Mann dargestellt war. Johannes Janssen war überwältigt und ergriffen von dem Gedanken, den Heiligen Geist ähnlich darstellen zu dürfen. Er machte eine Eingabe beim Vatikan, von der allerdings Arnold Janssen nichts wusste. Bei einer Papstaudienz in Rom preschte er mit seinem Anliegen vor „unter angeblicher Missachtung des päpstlichen Zeremoniells“. Damals ein Skandal! Er wurde des Raumes verwiesen. Aber es kam noch schlimmer: Er sollte als Rektor des Missionshauses St. Gabriel abgelöst werden. Arnold Janssen stellte nach einem langen Gespräch mit seinem Bruder einige Dinge beim Vatikan klar und verhinderte so die geforderte Absetzung.

Auch Bischof Anzer verehrte den Heiligen Geist

Eine andere wichtige Person der Steyler Gründergeneration war der Oberpfälzer Johann Baptist Anzer – als einer der ersten beiden Steyler, die Arnold Janssen in die Mission aussandte, nämlich nach China. Anzer wurde dort Bischof und war ebenfalls ein glühender Verehrer des Heiligen Geistes. Im Zentrum seines Bischofswappens ist eine Taube abgebildet. Während einer Privataudienz bei Papst Leo XIII. bat der junge Prälat um die Erlaubnis, den Heiligen Geist in menschlicher Gestalt darstellen zu dürfen. Er begründete dies damit, dass in China die Taube nicht Sinnbild der Reinheit und Unschuld, sondern vielmehr der „geilen Verliebtheit“ sei. Nach eigenen Angaben habe ihm der Papst eine mündliche Ausnahmeerlaubnis gewährt. Dies wurde umgehend dem Ordensgründer mitgeteilt. Bald darauf ließ Bischof Anzer durch einen Münchener Künstler ein entspre- chendes Gemälde anfertigen, das am Vortag von Pfingsten in seiner chinesischen Bischofsresidenz eintraf und am nächsten Tag feierlich enthüllt wurde. 

Auch in Steyl beauftragte Arnold Janssen den Künstlerbruder Lucas Kolzem, eine Dreifaltigkeitsdarstellung zu malen – mit dem Heiligen Geist in der Gestalt eines jungen Mannes. Bruder Lucas fertigte gleich drei davon an, die der Überlieferung nach großen Gefallen fanden. Ob sie in China ankamen und wo sie verblieben sind, ist unbekannt.

Manfred Krause SVD

Juni 2020

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Pfingsten

Pfingsten feiern wir am 50. Tag nach Ostern. Es erinnert uns an die Herabkunft des Heiligen Geistes auf die in Jerusalem Versammelten, die plötzlich in verschiedenen Sprachen reden und so das Wort Gottes zu allen Völkern bringen konnten.

Aber: Viele Christen haben kaum eine Vorstellung, was der Heilige Geist überhaupt ist. So erging es in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten auch den Künstlern – sie taten sich schwer mit der Darstellung des Heiligen Geistes. Wie sollte man etwas malen, das eigentlich unsichtbar war? Schließlich fanden sie in der Taube ein passendes Symbol. In der Antike stand diese nämlich für Sanftmut und Liebe. 

Auf anderen Bildern der Pfingstgeschichte sind über den Köpfen der Versammelten Feuerzungen zu sehen: ein Zeichen für die Erleuchtung durch den Heiligen Geist und für das innere Feuer, das damals in ihnen brannte und sie begeistert die Frohe Botschaft verkünden ließ.

Für Jesus galt auch der Wind als Symbol für den Heiligen Geist.