Reportage

Die Weihnachtsgeschichte erleben

In einem Dorf in der Schweiz können sich Bescuher auf einem Spaziergang vom Zauber der Weihnacht überraschen lassen

Auf 1.100 Metern Höhe ist die Weihnachtsgeschichte erlebbar

Heiligenschwendi ist ein kleines Schweizer Dorf im Berner Oberland. Es liegt auf 1100 Metern, hoch über dem Thunersee. Um die 700 Menschen leben hier, wo man die zweitbeste Luft im Kanton Bern einatmen soll. Hier können Sie im Winter mit Schneeschuhen im Mondschein wandern oder auch mit Alpakas durch die verschneite Landschaft stapfen. Und während der kompletten Adventszeit – bis hinein in den Januar – wird im Weiler „Aeschi“ die Weihnachtsgeschichte in sechs Bildern erzählt. Nicht in der Kirche und nicht in einem Buch, sondern in kleinen Scheunen auf dem Weihnachtsweg.

@ZvG80 Freiwillige bauen nun schon zum zehnten Mal die Stände auf, halten die Figuren instand, installieren das Licht und die Dekoration. „Wir können die Weihnachtsgeschichte nicht neu erfinden“, sagen sie, aber dank Spenden und freiwilligen Einsätzen wird das Weihnachtsdorf immer ein klein wenig größer. Allzu kommerziell will man nicht werden, sagt Peter von Känel, Chef der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer: „Wir wollen einen besinnlichen Weg, den auch Familien mit Kindern in Ruhe gemeinsam gehen können.“ Inzwischen ist der Weihnachtsweg eine Art Wallfahrtsort und für den lokalen Tourismus wohl ebenso wichtig wie der kleine Schlepplift fürs Skifahren im Dorf.

Vor allem Familien mit Kindern, aber auch ältere Menschen sieht man hier in Scharen. Auf dem Parkplatz stehen viele Autos mit ausländischen Nummern, im Bus hört man englische Konversation – bis ins Ausland ist dieser Ort also schon bekannt. Und die Gäste sind oft ganz begeistert, wenn sie ihr Erlebnis online kommentieren, wie etwa die Bloggerin Hanka aus Tschechien: „Es war wirklich ein zauberhafter Abend!“, schreibt sie zu ihrem Besuch samt Kindern und abschließender Schlittenfahrt.

@ZvGLos geht‘s: Sie werden über den nur leicht ansteigenden Rundweg und gleichzeitig durch die Weihnachtsgeschichte nach Wilfried Prioch geführt. Im Hintergrund ist der höchste Berg der Gegend, der Niesen, zu sehen, versehen mit einem Lichtstern. Die Stationen heißen: Maria und der Engel, Volkszählung, Betlehem, Im Stall, Die Hirten und Die weisen Könige. Einige sind für sich allein am Wegesrand platziert, die anderen in kleine Höfe (von denen es hier einige gibt) integriert: Diese „Schüürlis“ (schweizerisch für kleine Scheunen) wirken so, als ob jemand Weihnachtskrippen im Tiroler Stil vergrößert und hier aufgestellt hätte.

Kinder und Eltern lesen sich die Texte zu den biblischen Szenen vor und diskutieren, was zu sehen ist: „Wie ist der Engel denn zu Maria gekommen – konnte der wirklich fliegen?“, rätseln gerade zwei Mädchen und rennen zur nächsten Station, ohne eine Antwort ihrer Eltern abzuwarten, die darüber erleichtert scheinen. „Hier geht Weihnachten in die Verlängerung“, titelte vor einem Jahr die Lokalzeitung mit Blick auf die Zeit zwischen den Festtagen und Neujahr, wenn besonders viele Menschen den Weg besuchen.

@ZvGDie lebensgroßen Figuren wirken sehr beeindruckend. Was besonders schön ist: Neben einzelnen Stationen sind lebendige Tiere, vorwiegend Esel und Schwarznasenschafe, zu sehen. Hier bleiben viele sehr gerne stehen. Am Ende des Weges warten eine Hütte, in der St. Nikolaus lebt, und ein Bauernhof mit echten Alpakas und Lamas – und hier gibt es nach der Wanderung die Möglichkeit, sich zu verpflegen.

Der Weihnachtsweg ist idyllisch und gleichzeitig besinnlich – vor allem dann, wenn hier Schnee liegt und es früh dunkel wird. Dann strahlt die Weihnachtsgeschichte im Licht von 150 Laternen an manchen Tagen bis nachts um 23 Uhr. Die Besucher fühlen sich dann selbst wie mitten im biblischen Geschehen in der Nacht von Jesu Geburt. Und das mitten in der Schweiz.

Roger Tinner

Dezember 2019

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