Steyler Welt

"Ein besseres Leben kann ich mir nicht vorstellen!"

Bruder Fritz Tremp wollte eigentlich Missionar in Afrika werden. Es kam anders, doch heute sagt er "Man kann auch hier in Europa missionarisch tätig sein".

Bruder Fritz Tremp wurde 1937 in Maseltrangen bei St. Gallen/Schweiz geboren. Er absolvierte eine Lehre als Möbeltischler und arbeitete in einer Möbelfabrik. 1961 trat er bei den Steyler Missionaren ein und kam ins Noviziat nach St. Gabriel. In Mödling besuchte er die Meisterschule und übernahm 1966 die Leitung der Tischlerei im Missionshaus St. Gabriel. Auch nach der Schließung der Tischlerei blieb Bruder Fritz aktiv: Täglich arbeitet er in seiner kleinen Werkstatt, um Reparaturen und kleine Aufträge zu erledigen.

Als ich 23 Jahre alt war, zeigte ein Missionar in Schänis, in der Nähe meines Heimatortes, Lichtbildvorträge über Afrika. Er erwähnte auch, dass dringend Handwerker für Entwicklungshilfe-Einsätze gesucht werden. Ich erinnere mich noch gut: Es war ein regnerischer Abend, als ich von einem Vortrag nach Hause ging. Unter dem Regenschirm ging mir zum ersten Mal der Gedanke durch den Kopf: Wäre das nicht etwas für mich?

Eine Eingebung von oben

Die Steyler Missionare kannte ich von dem Reisebruder, der die stadtgottes in unsere Gegend brachte. Bei einem Steyler Bruder in der Marienburg wollte ich mich näher über die Arbeit in der Entwicklungshilfe informieren. Bruder Joseph erklärte mir den Unterschied zwischen Ordensbruder und dem noch neuen Beruf des Entwicklungshelfers. Ich rechne ihm noch heute hoch an, dass er mir beides neutral vorgestellt hat, ohne mich zu drängen, Ordensmann zu werden. Ich habe mich trotzdem noch am selben Wochenende entschlossen, bei den Steylern einzutreten. Vielleicht war das eine Eingebung von oben, denn sonst war es nicht meine Art, so spontan zu handeln. Aber ich habe es nie bereut!

@Hans BrunnerIm Herbst 1961 bin ich nach St. Gabriel ins Noviziat gekommen. Damals lebten noch 200 bis 300 Menschen im Missionshaus. Die Lebensbereiche der Brüder waren von jenen der Patres bzw. der Priesterstudenten streng getrennt. Wir Brüder-Novizen durften nicht mit den Studenten sprechen. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen! St. Gabriel war in dieser Zeit Selbstversorger: Es gab eine Landwirtschaft, eine Bäckerei, eine Schlosserei und Tischlerwerkstatt, Elektriker, Maler und natürlich die Druckerei. Ich arbeitete in der Tischlerei. Nach zwei Jahren hätte ich eigentlich wieder in die Schweiz zurückkehren sollen. Doch es kam anders: Ich wurde von der Ordensleitung zur Meisterschule geschickt. Das war das härteste Jahr meines Lebens: 50 Stunden Unterricht in der Woche! Doch die Mühe wurde belohnt. Im Juni 1964 habe ich die Meisterprüfung bestanden.

Nach zwei Arbeitsjahren in der Marienburg in der Schweiz kehrte ich 1966 nach St. Gabriel zurück, um die Leitung der Tischlerei zu übernehmen. Ich hatte zwischen fünf und neun Mitarbeiter. Brüder, aber auch auswärtige Arbeitskräfte und Lehrlinge. 15 Lehrlinge habe ich im Lauf der Zeit ausgebildet. Wenn ich wählen konnte, habe ich immer die Schwächsten genommen. Jungen, die nicht gut in der Schule waren oder aus schlechten sozialen Verhältnissen stammten. Ich habe das als missionarische Aufgabe gesehen. Alle haben die Gesellenprüfung auf Anhieb geschafft. Darauf bin ich ein bisschen stolz!

Die Krypta in Sankt Gabriel als letztes großes Werk

In der Tischlerei war in den 1970er- und 1980er-Jahren viel zu tun: Zum 100-Jahr-Jubiläum der Steyler Missionare mussten der Pfortenbereich und andere Räume umgestaltet werden. Speisesäle, Büros, Besucherzimmer und die Buchhandlung wurden ausgestattet, auch für die Druckerei, die  damals ausgebaut wurde, gab es viele Aufträge. Ich habe Entwürfe gemacht, die Tischlerarbeiten geleitet und die Bauaufsicht geführt. Am liebsten war mir, wenn ich meine Kreativität und meine Ideen einbringen konnte. Mein letztes großes Werk war die Ausgestaltung der Krypta in St. Gabriel mit einer Wandvertäfelung, Ambo und Altar.

@privatZehn Jahre lang habe ich Bruder Bernhard Fembek beim Verlegen von Mosaiken in der Kirche geholfen. Oft balancierten wir da auf 14 Meter hohen Gerüsten. Da muss man schon schwindelfrei sein! Mein Wunsch, in die Mission nach Afrika zu gehen, ging nicht in Erfüllung. Aber man kann auch hier in Europa missionarisch tätig sein: Zum Beispiel bei den Alpwochen für junge Frauen und Männer auf einer Alm in der Schweiz, die ich viele Jahre begleitet habe.

2015 wurde die Tischlerwerkstatt in St. Gabriel aufgelöst. Am Anfang war dieser Abschied schon hart für mich! Aber ich bin mit ein paar Maschinen in eine kleinere Werkstatt umgezogen, wo ich weiterhin Reparaturen und kleinere Aufträge erledige. Nichts tun geht einfach nicht!

Ich freue mich, dass die alte Tischlerwerkstatt mittlerweile wieder genutzt wird. In den Räumen haben Künstlerinnen und Künstler ein Gemeinschaftsatelier eingerichtet. In den letzten Jahren ist durch den Umbau des Missionshauses viel entfernt oder umgestaltet worden. Das tut schon weh, das zu sehen.

Neue Heimat in Sankt Gabriel

Ich fahre immer wieder in die Schweiz, um meine Geschwister zu besuchen, aber nach 58 Jahren in St. Gabriel ist hier meine Heimat. Ich gehöre hierher! Auf meinem Lebensweg bin ich oft ins kalte Wasser geworfen worden, aber ich habe mich immer von Gott geführt gefühlt. Ich kann sagen: Ein besseres Leben kann ich mir nicht vorstellen!  

Aufgezeichnet von Ursula Mauritz

Dezember 2019

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Sr. Tarcildis SSpS

Br. Heinz Helf SVD

P. Gerhard Lesch SVD

Sr. Marianeldis SSpS

P. Herbert Scholz SVD

P. Hermann Bickel SVD

Br. Adolf Stegmaier SVD

Br. Franz Xaver Romer SVD

Br. Othmar Jessberger SVD

P. Hermann Josef Kaiser SVD