Gesellschaft

Ein Kloster für die Ökumene

Seit über 25 Jahren bauen engagierte Christen das alte Kloster Volkenroda in Thüringen wieder auf. Große und kleine Gäste sind herzlich willkommen

Es war einmal ein altes Kloster in einem abgelegenen Teil von Thüringen. Seit Jahrhunderten leer, die Mönchszellen Ruinen, die Kirche einsturzgefährdet. Das dazugehörige Dorf zum Absiedeln bestimmt. Dann kam Ulrike Köhler. Kind des Sozialismus, verantwortlich für die Milchviehanlage in der LPG, getauft, aber kirchenfern. Und machte das verfallene Kloster zu einem Haus Gottes.

Ulrike Köhler steht in dem ehemaligen Chorraum der Kirche, dem Einzigen, was von dem mächtigen Zisterzienserbau aus dem Jahr 1131 übrig geblieben ist und sagt: „Die Krise ist die Chance. Das habe ich selbst erlebt.“ Dann erzählt sie ihre Geschichte. Und die des Klosters Volkenroda. Man kann sie nur zusammen erzählen.

 

 

 

Ulrike Köhler feiert den Morgengottesdienst. Die evangelische Gemeinde hat viele Elemente aus anderen Liturgien übernommen

 

 

 

„Ein Wunder Gottes“
1978 kam die damals 22-Jährige in den Geburtsort ihres Mannes und wusste: Hier bleibe ich nicht! Doch sie musste: Als gelernte Landwirtin sorgte sie für die Kühe in der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft im Nachbardorf Körner. Dort holte sie die Wende ein. Und das, sagt Ulrike Köhler, die sich selbst als echtes Kind der DDR bezeichnet, „war ein Wunder Gottes“. Sie wurde arbeitslos, und „wenn man Zeit hat, melden sich die Stimmen aus der Vergangenheit.“ Schweres kam wieder hoch, auch die Erinnerung an ihre kirchenfeindlichen Aktionen gegen den damaligen Pfarrer. Ulrike Köhler ging in die abgesperrte Kirchenruine und machte, wie sie sagt, mit Gott einen Deal: Vergib mir meine Schuld, dann werde ich alles dafür tun, dass hier wieder gebetet wird. An den Frieden, der in ihre Seele einzog, kann sie sich heute noch erinnern: „Jesus ist Vergebung. Ich muss nichts leisten, um sie zu verdienen.“

30 Jahre später ist Kloster Volkenroda auferstanden aus Ruinen. Denkmalpfleger retteten die älteste noch existierende Zisterzienserkirche auf deutschem Boden vor dem Einsturz. Der erste frei gewählte Ortsvorsteher war ein Bruder von Kardinal Meisner und machte auch dem sterbenden Dorf Mut. Überzeugte Christen zogen in die renovierten Fachwerkbauten, ein Gästehaus entstand, ein Schulbauernhof. Die Jesus-Bruderschaft, eine ökumenische Gemeinschaft, übernahm die Trägerschaft von Kloster Volkenroda. Als die Attraktion der Expo 2000 von Hannover, der super-moderne Christuspavillon aus Stahl und Marmorglas, nach Volkenroda versetzt wurde, richteten sich Kameras aus aller Welt auf das abgelegene Kloster.

„Es ist wunderbar, was hier geworden ist“, freut sich Ulrike Köhler. Auch aus ihr. Die ehemalige LPG-Leiterin ist jetzt Seelsorgerin, die Besucher des Klosters in Krisen und Auszeiten begleitet. Für diese Kloster-auf-Zeit-Gäste, die oft monatelang bleiben, gibt es neun Plätze, die fast immer ausgebucht sind. „Ihr seid meine letzte Rettung“, hört sie dort oft und dann tröstet sie mit der Erfahrung, die sie selbst gemacht hat: „Die Krise ist die Chance. Dann werden die Dinge neu!“

Lesen Sie die ganze Geschichte über das Kloster Volkenroda in der Oktoberausgabe der stadtgottes. Bestellen Sie sich hier ein kostenloses Probeheft

Christina Brunner

Oktober 2018

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Die Jesus-Bruderschaft

Die Jesus-Bruderschaft, gegründet in den 60er-Jahren, ist eine evangelische Gemeinschaft mit ökumenischer Offenheit. Die Mitglieder arbeiten und beten gemeinsam, bleiben aber Mitglieder ihrer jeweiligen Kirchen. Die Jesus-Bruderschaft Gnadenthal/Taunus hat die Gebäude 1994 erworben, seit 2004 betreibt die (eigenständige) Jesus-Bruderschaft Kloster Volkenroda e. V. das Kloster.

Gast im Kloster

196 Betten – von der einfachen Pilgerherberge bis zur Suite unterm Dach – stehen in Volkenroda für Gäste zur Verfügung. Wer will, kann Urlaub machen, angeboten werden aber auch Führungen, Besinnungstage und Kurse sowie spezielle Angebote für Familien und Jugendliche.

Mehr dazu:
www.kloster-volkenroda.de