Begegnung

Ein Leben zwischen Kirche und Kommunismus

Durch die Revolution wurde die Kubanerin Elva Campillo, 71, zur Anhängerin Fidel Castros. Das ist sie immer noch. Aber sie fand auch zum Glauben zurück.

1998 besuchte der Papst Kuba. Elva Campillo hörte ihm in Havanna zu

Wenn die 71-Jährige Elva Campillo aus Havanna über den Mann spricht, der über ein halbes Jahrhundert das Land mit eiserner Hand regierte und prägte, schwingt immer auch Bewunderung, ja Verehrung für ihn mit. Für das, was er für Kuba geleistet hat. Für das, was sie ihm persönlich zu verdanken hat. Auch wenn er ihr etwas nahm, was ihr von klein auf wichtig war – die Möglichkeit, den christlichen Glauben zu praktizieren.

Bildung dank Fidel Castro

„Fidel Castro hat so viel für die Bildung der Menschen getan“, schwärmt sie. „Ohne ihn hätte ich nicht auf die Universität in Havanna gekonnt. Das war früher nur den Reichen möglich.“ Er ließ Krankenhäuser bauen, Ärzte ausbilden, sorgte für ein gutes Gesundheitssystem, bekämpfte die Kriminalität, zählt sie auf. „Und er setzte sich für die Gleichberechtigung der Frau ein.“

© Ralf NiemzigElva ließ sich als junges Mädchen von der Begeisterung für den „Commandante“ anstecken. „Es war eine so emotionale Zeit, die Aufbruchsstimmung riss mich mit, wir alle hatten Hoffnung, dass es dem Land und uns besser gehen wird.“ Sie machte sogar freiwillig bei der Alphabetisierungskampagne mit, zu der Fidel Castro aufrief. Als gerade mal 13-Jährige reiste sie für ein ganzes Jahr in ein abgelegenes Dorf, um den Menschen dort das Lesen und Schreiben beizubringen. „Darauf bin ich heute noch stolz“, sagt sie.

Zurück zum Glauben

Sie arrangierte sich mit dem vom Staat verordneten Atheismus, übte ihren Glauben immer seltener aus. "Der Kommunismus war meine Religion", gesteht sie rückblickend. Als Anfang der 90er-Jahre wieder die Religionsfreiheit galt, ließ Elva sich taufen, besuchte regelmäßig Gottesdienste, nahm aktiv am Gemeindeleben teil.

Neue Hoffnung auf eine Besserung der Lage bekam sie 1998 durch den Besuch von Papst Johannes Paul II. Sie war dabei, als er in Havanna auf dem Platz der Revolution predigte. Seine Worte „Möge Kuba sich der Welt öffnen und die Welt sich öffnen für Kuba“, wird sie nie vergessen.

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Ulla Arens

Juli 2020

Kommentare (1)

  • Clelia De Lucia
    Clelia De Lucia
    am 05.07.2020
    Ich finde diesen Artikel auf keiner Ebene korrekt. Sollte er erklären warum die Kubaner nicht die katholische Religion praktizieren durften? Macht er aber nicht. Stattdessen publiziert es aber wie "gut" und "perfektionist" Fidel Castro war. Es wird erzählt, dass er die Universität wie auch Spitäler staatlich gemacht hat aber ihr erzählt die Hintergründe nicht! Ihr schreibt dass Batista ein Diktator war - aber was sind denn Castro Fidel und Raul? Wisst ihr, dass es in Kuba in genau diesem Moment keine Meinungsfreiheit gibt? Offiziell schon, aber versucht in Kuba mitten in der Stadt einem Kubaner die schlechte Seite der "Revolution" zu erklären oder etwas gegen die Castros zu sagen oder einfach über das Leben im Ausland zu schwärmen! Die Polizei wird euch innerhalb von 2 Minuten "höflich" bitten still zu sein, eine Buße zu bezahlen und eure Ferien zu geniessen. So läuft es allerdings wenn ihr dass Glück habt Touristen zu sein! Wenn es ein Kubaner macht oder ein im Ausland lebender Kubaner, riskiert dieser die Haft und dass er nie wieder in Kuba ein- oder ausreisen darf. Wisst ihr dass Kalbs/Kuhfleisch essen und Lobster/Fische fischen für Kubaner verboten ist? Und dass ein paar Schuhe 2 Monatslöhne kosten?
    Also, wenn ihr über Religion in Kuba schreiben wollt, dann schreibt über die Verknüpfung zwischen den katholischen und Afro Ritualen aber bitte lobt Castro nicht! Denn Kuba befindet sich heute in einer katastrophalen Situation und eure Elva könnte ohne das Geld, das Sie von den Töchtern aus Deutschland bekommt, auch nicht überleben.

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