Titelthema

Eine Frau als Gemeindeleiterin

3.900 Katholiken in sechs Dörfern, drei Kirchen, zwölf Friedhöfe, zwei Altenheime: Bärbel Bloching ist Gemeindeleiterin in einer katholischen Pfarrei in der Nähe von Heilbronn.

Eine starke Hirtin: Bärbel Bloching leitet ihre Gemeinde in Obersulm

Die Sakristei ist in der Küche. Bärbel Bloching zieht die weiße Albe an, streicht den regenbogenfarbigen Einsatz glatt und greift nach ihrem Gebetbuch. Mit einem freundlichen Lächeln tritt sie an den Altar. „Im Namen des Vaters ...“ Der Gottesdienst kann beginnen.

Bärbel Bloching nimmt sich viel Zeit für die kleine Gemeinde, die vor ihr sitzt. 14 alte Damen aus dem Seniorenkreis, die sich freuen, wenn sie einmal im Monat mit ihnen Gottesdienst feiert. Zeit für den Gottesdienst, für die Kaffeerunde danach, für ein freundliches Wort und eine tröstliche Umarmung für die kleine alte Frau, die gerade ihren Mann verloren hat. „Wenn man es ernst nimmt, ist es zeitintensiv“, sagt die 56-Jährige. „Manchmal ist es schwierig, allen gerecht zu werden, denn auch für mich hat der Tag nur 24 Stunden.“

Ansprechpartnerin vor Ort

Bärbel Bloching leitet die katholische Gemeinde Sankt Johann Baptist in Affaltrach bei Heilbronn. 3.900 Katholiken in sechs Dörfern, drei Kirchen, zwölf Friedhöfe, zwei Altenheime. Die Pfarrbeauftragte ist auch für die 25 Angestellten – von der Sekretärin bis zur Ehrenamtskoordinatorin – zuständig. Sie kennt die Gemeinde gut, über 20 Jahre war sie hier Pastoralreferentin.

2015 ging der Pfarrer, die Katholiken von Obersulm sollte einer großen Seelsorgeeinheit zugeschlagen werden. Sie wehrten sich, wollten einen Ansprechpartner vor Ort, eine Bezugsperson, keinen Dienstleister, der nur noch Termine abarbeitet. Ihr oberster Chef, der Bischof von Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, freut sich, dass Bärbel Bloching nun die Gemeinde leitet. Er sieht darin die große Chance, „dass unsere Kirche vor Ort nahe bei den Menschen bleibt. Der Priester kann dabei natürlich nicht als der Spender der Sakramente außen vor bleiben.“

Kein Problem mit Frauen in der Leitung

Das Kirchenrecht erlaubt ihm, nicht ordinierte Personen „an der Ausübung der Hirtensorge zu beteiligen“. Doch diese Hirtensorge ist Aufgabe eines Pfarrers. Auch hinter Bärbel Bloching steht ein leitender Pfarrer. Mehr zu tun hat sie allerdings mit Kenneth Kurumi, einem nigerianischen Priester, der im Pfarrhaus wohnt und die Sakramente spendet. „Er hat mit mir als Frau in der Leitung keine Probleme“, weiß Bärbel Bloching. „In Afrika werden ja viele Gemeinden von Laien geleitet, das sind sehr oft Frauen.“

Die ganze Geschichte lesen Sie bei uns im Heft.

Christina Brunner

Februar 2020

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben

Bisherige Beiträge

Lisa Kötter, eine der Gründerinnen der Initiative Maria 2.0, spricht im stadtgottes-Internview über ein falsches Marienbild, Streik und die Sehnsucht...

[weiter...]

Im Bistum Rottenburg-Stuttgart werden drei Gemeinden von Laien geleitet. stattgottes-Redakteurin Christina Brunner hat mit dem zuständigen Bischof...

[weiter...]