Ratgeber - Pastoralpsychologie

Eine Seebestattung ist nichts für mich

Meine Mutter wünscht sich eine Seebestattung, weil sie das Meer liebt. Ich bin davon gar nicht begeistert. Aber muss ich ihr diesen Wunsch nicht erfüllen?

Ich kann verstehen, dass Sie mit sich hadern. Denn es ist nicht einfach, etwas zu tun, wovon man selbst nicht begeistert ist. Ich weiß nicht, was Ihre genauen Beweggründe sind, und ich möchte auch nicht spekulieren, aber was ich verstehe, ist, dass Sie von der Idee Ihrer Mutter nicht angetan sind. Und das ist ernst zu nehmen. Auf der einen Seite sage ich, dass die Verabschiedung der Toten vor allem mit den Hinterbliebenen zu tun hat. Auf der anderen Seite sehe ich in diesem Fall auch den konkreten Wunsch Ihrer Mutter, der Ihnen im Magen liegt.

Persönlich würde ich Ihnen vorschlagen, dass Sie mit Ihrer Mutter über Ihre Vorstellungen von Verabschiedungsformen und Ihre eigenen Bedenken über Seebestattung ins Gespräch kommen, um eine Lösung zu finden, mit der Sie beide leben können. Auch wenn es uns Menschen bisweilen schwerfällt, so denke ich, dass wir manchmal auch eigene Wünsche und Vorstellungen loslassen sollen, dass wir andere ihre eigenen Wege gehen lassen sollen, selbst wenn wir anders darüber denken. In diesem Sinne könnte es Ihnen vielleicht möglich sein, Ihrer Mutter ihren Wunsch zu erfüllen, wenn sie darauf besteht, auch wenn Sie selbst nicht davon begeistert sind. Für uns Menschen spielen die Form und der Ort der Verabschiedung eine bedeutende Rolle – unter anderem auch wegen der Trauer danach, doch Gottes Gnade wird wohl über der Form und dem Ort der Verabschiedung stehen. Ich wünsche Ihnen ein gutes Gespräch mit Ihrer Mutter, eine gute, hoffentlich gemeinsame Entscheidung und Gottes Segen.

Juli 2019

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