Interview

"Essen ist auch seelische Nahrung"

Mit der Köchin Sarah Wiener sprachen wir über ihre Erfahrungen im Kloster und eine nachhaltige Lebenskultur

Sarah Wiener

Für Ihre Sendung „Sarah Wiener, eine Woche mit ...“ haben Sie sieben Tage im Zisterzienserkloster Langenwarden verbracht. Wie war das für Sie?

Ich wusste nicht, was mich erwartet: weder, was ein Mönch ist, noch, wie er lebt. Es war eine sehr schöne Erfahrung, die mich zum Nachdenken angeregt hat. 

Was haben Sie denn von dort mitgenommen? 

Am meisten berührt hat mich, dass Menschen, die abgeschottet hinter Mauern leben, so warmherzig, neugierig und offen anderen gegenüber sind. In meinen Gesprächen mit den Mönchen fiel öfter der Satz: „Darüber muss ich erst mal nachdenken.“

Wofür steht dieser Satz? 

In unserer Gesellschaft kommt dieser Satz so gut wie nicht mehr vor. Wir haben zu allem eine Meinung, sind entweder sofort dagegen oder dafür. Wir leben in einer „Häppchenkultur“, in der man schnell reagieren muss. Unsere Gesellschaft hält uns nicht davon ab, solch ein Tempo vorzulegen. Die Politik unterstützt den Menschen nicht in seinem Menschsein, sondern sie unterstützt die Wirtschaft und deren monetäre Interessen. 

Wie kommen wir zu einer nachhaltigen Lebenskultur, die den Menschen und die kommenden Generationen im Blick hat? 

Ich bin davon überzeugt, dass wir unsere natürlichen Veranlagungen annehmen, schätzen und verteidigen müssen, sonst wird es den Menschen in der Weise nicht mehr geben. Der Mensch ist Teil der Natur und sollte mit seinen Mitgeschöpfen, ob Pflanzen oder Tiere, im Einklang leben. Wir sollten nicht Krieg gegen Teile der Natur führen, das bedeutet im Endeffekt, Krieg gegen uns selber zu führen. 

Was kann jeder Einzelne dazu beitragen?

Wir alle haben Verantwortung für diese Welt, für künftige Generatio­nen, das Klima, die Vielfalt in der Natur, für unseren Körper, diese sollten wir auch übernehmen. Wir sollten achtsamer leben. Nichts gibt mehr Sicherheit als soziale Kontakte, Freundschaften und Zuneigung. Kein Geld der Welt wird dich vor Einsamkeit, Misstrauen, Gier und festgefahrenen Anschauungen bewahren können. Nur das Netzwerk von Freunden und Bekannten erdet.

Als Köchin beschäftigen Sie sich  mit dem Thema Ernährung. 

Ernährung ist der rote Faden in meinem Leben. Es hat mich schon immer interessiert, wie etwas hergestellt wird, schmeckt, aussieht oder riecht. Für mich ist Essen, das habe ich auch im Kloster gemerkt, die unmittelbarste Art, Liebe zu transportieren. Wenn ich jemanden mag, bekoche ich ihn auch gern. Essen ist nicht nur körperliche, sondern auch seelische Nahrung.   

Melanie Fox

Dezember 2016

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Zur Person

Die österreichische Fernsehköchin und Autorin, 53, hat mit 28 Jahren ohne Schulabschluss den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Sie steht für gesunde Ernährung und ein Leben im Einklang mit der Natur. Sarah Wiener betreibt ein Catering-Unternehmen, 
ein biozertifiziertes Restaurant in Berlin und einen Öko-Bauernhof in Brandenburg