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Försterin Ute Hass: „Der Wald ist mein Lebenselixier“

Seit 20 Jahren betreut Ute Hass von „Wald und Holz NRW“ rund 1.000 Hektar Wald im nordrhein-westfälischen Heimbach. Die Försterin aus Leidenschaft gibt Einblicke in ihren Beruf.

Der Klimawandel macht den Bäumen zu schaffen. Ute Hass setzt deshalb auf nachhaltige Waldwirtschaft.

In alten Heimatfilmen war der Förster eine beliebte Figur. Mit Hund und Flinte stapfte er den ganzen Tag durch den Wald. Stimmen die Klischees von damals?

Vergessen Sie die Romantik – den Lodenmantel, das verwaiste Rehkitz, das der Förster mit der Flasche aufzieht und die abendliche Pfeife am Kaminfeuer. Mit diesen Bildern hat mein Beruf nicht das Geringste zu tun. Stattdessen kann er körperlich sehr anstrengend sein. Ich muss bei Wind und Wetter raus, und statt Dackel und Flinte habe ich ein iPad dabei, um Daten zu erfassen oder Flurstücke zu suchen. Wenn ich nicht im Wald bin, sitze ich am Schreibtisch, beantworte Anfragen, erfasse Daten, spreche mit Waldbesitzern. Jeder Tag verläuft anders.

Was sind denn Ihre Aufgaben als Försterin?

Ich betreue private und kommunale Waldbesitzungen. Das heißt, ich schaue dort nach dem Rechten: Wo besteht Handlungsbedarf, welche Bäume müssen gefällt werden, wo ist Aufforstung nötig und mit welchen Bäumen? Dazu gehört es auch, den Waldbesitzern die verschiedenen Möglichkeiten der Bewirtschaftung aufzuzeigen und ihnen bei der Umsetzung zu helfen. Außerdem achte ich darauf, ob die Wanderwege sicher sind und der Tierbestand nicht zu groß ist.

©Achim HehnWas raten Sie denn den Waldbesitzern, wenn es um Aufforstung geht?

Ich ermutige sie zum Beispiel, neue Wege zu gehen – weg von den Fichtenplantagen, die in Reih und Glied stehen. Sie wurden nach dem Krieg auf den kahlen Flächen angepflanzt, damit schnell wieder Holz zur Verfügung stand. Damals war das eine richtige Entscheidung. Heute funktioniert das aber nicht mehr.

Warum? Was hat sich denn geändert?

Zum einen unser Klima. Stürme und Trockenheit nehmen zu, darunter leiden die Fichten sehr, zumal sie oft auf Böden gepflanzt sind, die nicht für sie geeignet sind. Dadurch fehlt ihnen auch die Kraft, sich gegen den Borkenkäfer zu wehren. Sie trocknen aus und fallen ihm zum Opfer. Außerdem wissen wir heute viel mehr über das Ökosystem Wald. Darüber, wie man pflanzen muss, damit der Wald die nächsten 100 Jahre übersteht. Eine naturgemäße und nachhaltige Waldwirtschaft, für die ich einstehe, setzt deshalb auf Mischwald.

©Achim HehnWie würden Sie den aktuellen Zustand des Waldes denn einschätzen?

Wir stehen aufgrund des Klimawandels vor einer großen Herausforderung. Nicht nur die Fichte, auch Buche und Eiche werden nicht überall überleben. Deshalb sollte man zum einen nicht überall sofort aufforsten, sondern der Natur Zeit lassen, schauen, was von alleine wächst. Zum anderen aber überlegen, ob man nicht auch Bäume anpflanzt, die bei uns nicht ursprünglich beheimatet sind. Die Douglasie oder die Roteiche aus Nordamerika wären zum Beispiel interessant für die Holzproduktion. Wenn wir das gut begleiten, bin ich ganz hoffnungsvoll.

Und was ist der Wald für Sie persönlich?

Zum einen natürlich mein Arbeitsplatz und zwar der beste, den es gibt. Aber er ist auch mein Sehnsuchtsort, meine Leidenschaft, mein Lebenselixier. Es gibt nichts Schöneres für mich, als im Wald zu sein. Auch wenn es schüttet, schneit oder matschig ist.

Können Sie eigentlich auch zur Erholung in den Wald gehen oder sind Sie immer Försterin?

Mein Mann sagt, ich sei immer Försterin. Ich habe einen Block dabei, um mir Notizen zu machen, wenn mir etwas ins Auge fällt, das mir wichtig erscheint. Trotzdem hat der Wald auf mich wie auf jeden anderen auch eine entspannende Wirkung. Dazu musste man den Begriff „Waldbaden“ nicht extra erfinden.

Ulla Arens

Juli 2020

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Zur Person

Ute Hass stammt aus Berlin, studierte in Eberswalde Forstwirtschaft. Sie leitete den Forstbetriebsbezirk Angertal bei Düsseldorf, bevor sie 1999 als Leiterin zum Bezirk Heimbach wechselte.